Max Fintrop stellt ab morgen im Bilker Bunker in Düsseldorf aus. Stefanie Stadel hat ihn vor einiger Zeit in seinem Düsseldorfer Atelier besucht. Eine Rückschau aus dem Archiv.
Rein ins Gewerbegebiet, vor das hochgezogene Rolltor einer ehemaligen Keramikfabrik in Düsseldorf: Jazz dringt nach draußen. Die Musik stammt von Charles Mingus, wie man bald darauf im Studio erfährt. Und sie kommt aus zwei großen schwarzen Boxen, auf denen schon James Brown gespielt habe. Um die 35 Jahre seien sie – ungefähr so alt wie der freundliche Künstler mit dem vollen Vollbart und der Schirmkappe auf dem Kopf: Max Frintrop. Neben den geliebten Lautsprechern sieht man in seiner Werkstatt ein Regal voller Kunstkataloge: Willem de Kooning, Lee Krasner, Günter Fruhtrunk, Agnes Martin, Helen Frankenthaler – Frintrop mag sie alle. An den Wänden des Ateliers lehnen die eigenen abstrakten Großformate; noch mehr und zum Teil noch gewaltigere Bilder lagern unter einer Empore.
Mit Maßen unter zwei Metern habe er immer Probleme, erklärt Frintrop. Dazu passen die riesigen Pinsel am Besenstiel neben dem farbverschmierten Waschbecken in der Ecke. Aktuell ruhen diese Werkzeuge allerdings, denn der Maler muss aufräumen. Seit zwei Wochen schon mache er nichts anderes. Dass es so viel Mühe kostet, hat auch mit seiner Arbeitsweise zu tun, wie man erst nach und nach erfährt. Er sei nicht gewohnt, über seine Kunst zu sprechen, und vermeide es gern, so schickt der Künstler voran. Doch dann legt er los und holt zunächst einige Papierarbeiten hervor, um vor allem anderen zu klären, was ihm wichtig ist in seiner Kunst: Auf dem Papier könne man Arbeiten umsetzen, die locker wirken, direkt und unkompliziert. Zwar stecke in der Leinwand viel mehr Patina und Pathos, trotzdem versuche er hier genau das Gleiche zu erreichen: »Eine Malerei, die aussieht wie aus dem Handgelenk geschwungen – nie bemüht«.
Flüssige Farbe verweht er mit dem Ventilator
Mit Blick auf die Beispiele ringsum im Atelier wird sofort klar, was er meint. Wie von selbst verteilen sich die flüssigen Farben über die Leinwände, nehmen feste Formen an oder verschwimmen. Oft lassen sie tiefere Schichten durchscheinen, nur selten wirken sie dunkel und dicht. Sie schlängeln und spritzen umher, verteilen sich wie feiner Nebel oder fallen als dicke Tropfen, bilden Lachen, überlagern sich. Was man nicht sieht und nicht sehen soll, sind die Tricks dahinter. Wenn er etwa den Ventilator nutzt, um flüssige Farben zu verwehen.
Bei der Arbeit liegen die großen Leinwände meistens auf den Fußboden. Neben der Windmaschine kommen selbstgebastelte Pinsel zum Einsatz, die vorrübergehend eine Breite von 1,60 Metern erreicht hatten und in keinen Eimer mehr passten. Frintrop benutzte stattdessen eine Konstruktion aus Regenrinnen, um sie mit Farbe zu tränken. Ein spezielles Gemisch: In der Regel kommen Tusche, Acrylbinder und viel Wasser hinein. Denn er mag »die Leichtigkeit des Auftrags«.
Beim Malen muss alles rasch gehen: »Man arbeitet ohne Netz – das ist der Reiz für mich.« Und die Herausforderung; oft genug geht es schief. Womit wir beim »Aufräumen« wären, denn dazu gehört bei Frintrop auch das Aussortieren. Regelmäßig sichtet er seine Produktion und lässt nur das Beste bestehen. Zwei Drittel der Bilder werden abgespannt und zerschnitten. Was übrig bleibt, findet Anklang. Mittlerweile ist der 1982 geborene Oberhausener bei drei Galerien vertreten.
Frintrop will nicht reden und auch nicht groß auftreten, er möchte nur malen – am liebsten allein im Atelier. Dass dies seine Berufung ist, war ihm früh klar. Mit 21 zog er an die Akademie und schloss sie sechs Jahre später als Meisterschüler von Albert Oehlen ab. Es überrascht etwas, dass er damals noch figurativ arbeitete und sich das Ungegenständliche erst nach dem Studium erschlossen hat. Warum kommen Figuren nicht mehr in Frage für ihn? »Weil die Abstraktion besser ist«, weiß Frintrop. »Ich mag das Vage, das Undefinierte. Ich finde gut, dass vieles nicht feststeht. Das ist, warum ich Kunst machen möchte.«
6. November bis 6. Dezember 2026: »Vorstellungsraum« mit Max Fintrop im Düsseldorfer Bilker Bunker






