Das Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna ist eine 25-jährige Erfolgsgeschichte. Zum Jubiläum guckt man aber vor allem nach vorne: Stadt und Museum suchen einen starken Partner.
Es ist nicht nur bitterkalt im größten Raum des Jahrhunderte alten Gewölbekellers der früheren Linden-Brauerei, sondern es zieht auch mächtig. Das findet der journalistische Besucher zwar nicht überraschend, rund zehn Meter unter der Erde an einem frostigen Januartag. Doch John Jaspers, der Direktor des Zentrums für Internationale Lichtkunst, ist irritiert und fragt einen Mitarbeiter, was los ist. Vermutlich sei das Gebläse unbeabsichtigt zu stark eingestellt, lautet die Antwort. Jaspers wendet sich wieder dem Gast zu und bittet um Entschuldigung für den eisigen Wind. Dann führt er weiter durch die insgesamt 3000 Quadratmeter Fläche, auf denen sich hier die Werke berühmter Künstler aneinanderreihen: Rebecca Horn und James Turrell, Maurizio Nannucci und Olafur Eliasson, Christina Kubisch und Christian Boltanski, um nur die bekanntesten zu nennen. Fast alle der mal hell strahlenden, mal nur leise glimmenden Arbeiten wurden eigens für diese Räumlichkeiten angefertigt; zusammen bilden sie eine spektakuläre Dauerausstellung.
Das Zentrum ist die weltweit einzige Einrichtung dieser Art und – Achtung, Wortspiel – eigentlich ein Leuchtturm der deutschen Museumslandschaft. Tatsächlich ist der 52 Meter hohe Schornstein der früheren Brauerei sogar durch eine Zahlen-Installation von Mario Merz illuminiert. Trotzdem strahlt das Haus, jedenfalls im übertragenen Sinne, nicht annähernd so hell und weithin sichtbar wie es sollte und wohl auch würde, wenn Direktor Jaspers und sein Team so könnten, wie sie wollen – sie können aber nicht. Die Gründe sind zahlreich und mitunter kompliziert: Sie beginnen ganz buchstäblich bei einer schlichten schwarzen Metalltür im Foyer eines städtischen Mehrzweckbaus, und sie enden bei der schwierigen Frage, wer künftig in welcher Rechtsform dieses Mekka der Lichtkunst tragen und damit auch finanzieren soll.

Also der Reihe nach: Besagte Tür befindet sich im Foyer des architektonisch nur bedingt gelungenen Zentrums für Information und Bildung, kurz ZIB, gleich neben der alten Brauerei. Dort sind seit 2004 die Stadtbibliothek, das Stadtarchiv und die Volkshochschule untergebracht – und der einzige Zugang zum damals neuen Lichtkunstzentrum im Brauereikeller. Wer es nicht besser weiß, vermutet hinter der unauffälligen Brandschutztür in einer schmucklosen weißen Wand vielleicht einen Lagerraum für Putzmittel oder Druckerpapier, aber ganz sicher kein Museum, schon gar nicht eins dieser Güte und Größe. Gleichzeitig ist die Eingangssituation geradezu ein Sinnbild für die erschwerten Bedingungen. Einfach mal so reingucken ist nämlich nicht – Zutritt gibt es nur im Rahmen von Führungen, für jeweils maximal 20 Personen mit vorab gebuchtem Ticket. Nur am ersten Sonntag jedes Monats wird eine »Offene Begehung« angeboten. Dann kann nur eine feste Personenzahl pro Stunde unbegleitet durch die Räumlichkeiten streifen, ebenfalls mit vorab gebuchtem Ticket. 25.000 Besuchende hatte das Lichtkunstzentrum im vergangenen Jahr; 90 Prozent davon kommen nicht aus Unna selbst oder der näheren Umgebung. »Es könnten doppelt so viele sein, mindestens«, sagt John Jaspers mit seinem markanten niederländischen Zungenschlag, »aber um das zu schaffen, muss sich einiges ändern«.
»Nicht so optimal«, nennt auch Unnas Kulturdezernent Sandro Wiggerich die Eingangssituation, und das ist stark untertrieben. Dem Museum fehlt ein Entrée, das erkennbar für seine Kunst steht, es hat auch keinen eigenen Kassenbereich und keinen Shop, der zu Wesen und Bedeutung der Sammlung passt. Wiggerich und Jaspers möchten das gerne ändern. Dazu bräuchte es vor allem einen eigenen, neuen Eingang, der auf dem Platz an der Rückseite des ZIB-Gebäudes entstehen könnte. Darunter verläuft nämlich ein alter Tunnel, in den die Besucher*innen von oben über eine Treppe gelangen würden. Der führt nicht nur zu den gegenwärtigen Ausstellungsflächen, sondern verbindet sie auch mit dem Untergeschoss eines Nachbargebäudes, das der Brauerei einst als Flaschenkeller diente. Das Haus wird aktuell von einem Berufskolleg genutzt und gehört der Stadt. Sein Untergeschoss ist geradezu ideal für die notwendige Erweiterung des Lichtkunstzentrums. Dessen oft raumgreifenden Leuchtinstallationen entfalten nur als Solitäre ihre volle Wirkung. Weil fast jede Ausstellung mit der Schenkung eines Werkes durch die Künstlerin oder den Künstler endet, wächst die Sammlung ständig und platzt nach einem Vierteljahrhundert aus allen Nähten. Ein Depot gibt es nicht, nicht mal einen einfachen Lagerraum. Für die geplante Jubiläumsschau in Kooperation mit dem Schauwerk Sindelfingen im Juni bringen mehr als 20 Lichtkünstler*innen Werke nach Unna. Es hat Monate gedauert, bis John Jaspers für die Transportkisten eine geeignete Unterstellmöglichkeit gefunden hatte.
Dieses scheinbare Detail führt direkt zum nächsten Problem: Das Team des Lichtkunstzentrums besteht neben den Honorarkräften für die Führungen aus nur sechs festangestellten Mitarbeiter*innen inklusive Direktor; insgesamt gibt es gerade mal vier Vollzeitstellen. »Für ein Haus unserer Größe und Bedeutung sind zwölf Leute angemessen«, beschreibt Jaspers das personelle Ziel – das sich in der gegenwärtigen Lage schon deshalb nicht realisieren ließe, weil es selbst für die aktuelle Belegschaft nicht genügend Büroraum gibt.
So kommt eins zum andern und führt schließlich zur Kernfrage: der nach dem Geld. Knapp 700.000 Euro umfasst der Etat des Hauses derzeit. Dabei besteht der größte Einnahmeposten aus einzelnen Projektförderungen; der städtische Zuschuss und der Ticketverkauf machen nochmal etwas mehr als 20 Prozent aus, dazu kommen knapp 38.000 Euro vom Kreis Unna. Will das Lichtkunstzentrum aber endlich sein ganzes Potential ausschöpfen, dann muss es expandieren: baulich und personell, also in jedem Falle finanziell. Wie viel die Sicherung der jetzigen Ausstellungsfläche, zusätzlicher Platz im Nachbargebäude samt neuem Eingang kosten würde, soll auf Basis einer aktuellen Bestandsanalyse erstmals konkreter kalkuliert werden. Die ist Ende vergangenen Jahres fertig geworden, aber noch nicht veröffentlicht; erst müssen Stadtspitze, Politik und Verwaltung über die Ergebnisse informiert werden. Es liegt aber nahe, dass es um eine einstellige Millionensumme an Investitionen gehen wird, und der erweiterte Betrieb auch die laufenden Kosten erhöhen wird.
»Wenn das Museum den nächsten Schritt machen will, können Stadt und Kreis das allein nicht leisten.«
Kulturdezernent Sandro Wiggerich
»Das Museum funktioniert so, wie es jetzt ist«, sagt Kulturdezernent Wiggerich, »aber wenn es den nächsten Schritt machen will, und das sollte es meiner Ansicht nach, können Stadt und Kreis das allein nicht leisten«. Also müssen finanzstarke Partner her, und die Akteure in Unna haben auch schon einen Favoriten: den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Dessen langjährige Landesrätin für Kultur, Barbara Rüschoff-Parzinger, lobt im Gespräch mit kultur.west ausdrücklich die Arbeit des Zentrums und seines Direktors. Sie beurteilt die Situation wie die Verantwortlichen in Unna: Die Sammlung sei herausragend, das Team hoch engagiert, aber viel zu klein für professionelle Museumsarbeit; die bauliche Situation und vor allem der Eingangsbereich seien »suboptimal«. Auf die Frage nach einem Einstieg oder gar der Übernahme des Hauses durch den LWL reagiert Rüschoff-Parzinger verhalten: »Wir haben das Lichtkunstzentrum immer unterstützt, vor allem durch Projektförderungen unserer Kulturstiftung, und das werden wir auch in Zukunft tun. Darüber hinaus sind wir in einem regelmäßigen Austausch über die Perspektiven des Hauses.«
Über einen solchen Schritt entscheiden müsste allerdings die Politik, das heißt die Landschaftsversammlung als Parlament des LWL. Die Fraktionen von SPD, Grünen und FDP haben das Lichtkunstzentrum bereits besucht; ein von den Liberalen beantragter Bericht zur Zukunft des Hauses und einer möglichen LWL-Beteiligung wurde im Sommer 2025 mit den Stimmen aller Fraktionen beschlossen. Hinter den Kulissen hörte man schon länger und mehrfach, Unna müsse erst ein paar Hausaufgaben erledigen, bevor man über eine Beteiligung nachdenken könne. Dazu zählte neben der Bestandsanalyse des Baus auch die formale Trägerschaft der Einrichtung. Die war schon wenige Monate nach der Gründung des Lichtkunstzentrums von der Stadt an einen Verein übertragen worden. Der hatte zuletzt rund 60 Mitglieder, aber das Konstrukt entpuppte sich als zunehmend untauglich. Ende vergangenen Jahres wurde es dann mit einem kleinen Kniff rückabgewickelt: An der Spitze des Vereins stehen seitdem der städtische Kulturdezernent Sandro Wiggerich als Vorsitzender sowie sechs weitere Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung; sie sollen schon bald auch seine einzigen Mitglieder sein. Nahezu alle anderen haben sich bereits einer neuen Gruppierung angeschlossen, die künftig wie ein klassischer Freundeskreis agieren soll, also unterstützen, begleiten und im Einzelfall fördern, zum Beispiel Ankäufe. Damit liegt die formale Verantwortung für das Lichtkunstzentrum allein bei den städtischen Mitarbeiter*innen, die dem alten Verein nun vorstehen. Ob es darüber hinaus einer ganz neuen Organisations- beziehungsweise Rechtsform bedarf, beispielsweise einer Stiftung oder einer gemeinnützigen GmbH, ist laut Sandro Wiggerich Teil der anstehenden Prüfungs- und Beratungsprozesse. Gibt es dafür einen Zeitplan? Der Kulturdezernent lächelt und schüttelt den Kopf: »Wir stellen uns auf einen mehrjährigen Prozess ein.« So werden am Rande der Feierlichkeiten zum 25-Jährigen des Zentrums für Internationale Lichtkunst vielleicht auch die Weichen dafür gestellt, dass dieser besondere Kulturort weitere Jubiläen erleben kann.
DIE JUBILÄUMSAUSSTELLUNG »LIGHT DIALOGUES« STARTET IM JUNI 2026






