Was wird aus der Kunsthalle und dem KIT – Kunst im Tunnel? Mit der Entscheidung lässt man sich Zeit in Düsseldorf. Doch auch ohne dauerhafte Leitung läuft das Programm weiter. Das macht Hoffnung.
Die Kunsthalle Düsseldorf und das KIT sind im Abschiedsmodus: Die künstlerische Leiterin des KIT, Gertrud Peters, geht im Frühjahr in den Ruhestand. Der langjährige Kunsthallen-Direktor Gregor Jansen hatte bereits Ende 2024 seinen Posten verlassen. Auch der Rest des Teams wird demnächst, zumindest vorübergehend, ausziehen aus dem Haus am Grabbeplatz. Denn der 1967 eröffnete Kubus muss dringend saniert werden. Drei Jahre dürfte es wohl dauern, bis die Kunsthalle energetisch optimiert, die Haustechnik erneuert und die Barrierefreiheit verbessert ist. Um das nicht allseits geliebte, doch unbedingt erhaltenswerte Erscheinungsbild des Gebäudes braucht man sich derweil nicht zu sorgen. Denn es steht als schönes Beispiel brutalistischer Architektur neuerdings unter Denkmalschutz.
Die letzte Schau vor dem Auszug ist schon angelaufen und wirft den Blick in die Zukunft: die Zukunft der Kunsthalle, aber auch die Zukunft von Städten, urbanen Räumen und Gesellschaften. Darauf folgen im März 2026 ausgiebige Abschiedsfeierlichkeiten: Der ganze Monat ist reserviert für Performances in den verlassenen Räumen der Kunsthalle, für Malerei an den leeren Wänden und ein großes musikalisches Finale.
Öffnung und Aufbruch
Die Zeit der Sanierung, die Jahre ohne feste Bleibe, will man nicht als Pause vertun, sondern als Chance nutzen. Öffnung und Aufbruch sind angesagt, dafür will sich die Kunsthalle mit ihren Aktivitäten auf den Weg zum Publikum machen – Leerstände, kleinere Institutionen und Off-Spaces könnten Anlaufstellen sein, auch Straßen und Parks in allen 50 Stadtteilen kommen infrage. Zum Auftakt kooperiert die Kunsthalle mit der Stiftung Imai im Rahmen der Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe Circulating Copies. Der Klangkünstler und Produzent KMRU ist eingeladen, eine ortsspezifische Intervention im Stadtraum zu entwickeln, die auf die audiovisuelle Infrastruktur von Düsseldorf reagiert – immerhin eine der lautesten Städte in Deutschland. Weiter zieht die nomadische Kunsthalle in den Malkasten-Park, um ihn mit Skulpturen, Performances und diverse Veranstaltungen zu beleben.
Gestemmt wird das Tour-Programm unter Leitung von Alicia Holhausen, die zunächst Kuratorin war und die Kunsthalle nun schon seit Januar 2025 im Interim führt. Denn statt schnell einen Nachfolger für Gregor Jansen zu suchen, hat die Stadt nach dessen Abschied einen »Change Management«-Prozess eingeleitet, bei dem Zukunfts-Perspektiven für die Kunsthalle und das organisatorisch angegliederte KIT entwickelt werden sollen. »Die Gelegenheit dafür ist gut, angesichts der Umbruchphase mit Sanierung und vakanter Direktion sowie bald vakanter Leitung im KIT«, erklärt Kunsthallen-Sprecher Dirk Schewe.
Doch was genau läuft hinter den Kulissen ab? »Es gibt unterschiedliche Arbeitsgruppen, die zentrale Kernbereiche betrachten und reflektieren«, so Schewe. »Daraus werden Ziele und Ideen formuliert«. Beabsichtigt sei, bis Herbst 2026 Ergebnisse zur zukünftigen inhaltlichen Ausrichtung von Kunsthalle und KIT und eine darauf abgestimmte Leitungs- und Organisationsstruktur zu erarbeiten.
Während die Kunsthalle mit ihrem Programm durch die Stadt zieht, wird Gertrud Peters am 30. März zum letzten Arbeitstag im Tunnel antreten – nach bald 20 erfolgreichen Jahren, in denen sie den Restraum unter der Düsseldorfer Rheinpromenade als einen Ort für junge Kunst etablieren konnte. Zum Abschied kommt Autorin und Künstlerin Miriam Bornewasser in den Tunnel und zieht ein multimediales Resümee: Film, Skulptur und Wort verbinden sich zu einer Geschichte des KIT und mit Gedanken zu Resträumen im Allgemeinen. Danach trete der Tunnelraum in eine neue Phase ein, so Peters. »Wie diese aussehen wird? Das ist die Zukunft.«
KUNSTHALLE DÜSSELDORF
»WOHIN? KUNSTHALLE/STADT/GESELLSCHAFT DER ZUKUNFT«
BIS 1. FEBRUAR 2026
»BYE BYE GRABBEPLATZ!«
1. BIS 31. MÄRZ
KIT – KUNST IM TUNNEL
RESTRAUMRESET
BIS 8. MÄRZ 2026



