Im Mai kommt die internationale Jazz-Szene im Freizeitpark der Stadt am linken Niederrhein zusammen – so lang wie noch nie. Denn erstmals findet das Moers Festival fünf Tage lang statt. Das Vorspiel der 55. Ausgabe hat jedoch schon begonnen: Im Januar hat die Vibraphonistin Evi Filippou als »Improviser in Residence« die Nachfolge von Bart Maris angetreten. Als Stadtmusikerin will die in Berlin lebende Griechin vor Ort künstlerische Akzente setzen.
Seit 2008 beruft das Moers Festival jährlich einen Stadtmusikerin. Das Engagement, finanziell ermöglicht durch die Kunststiftung NRW, ist als Residenzstipendium konzipiert: Die Künstler*innen beziehen eine Wohnung in der Neustraße 20 und erhalten den Freiraum, das lokale Kulturleben ein Jahr lang nach eigenen Vorstellungen zu prägen. Diesmal fiel die Wahl auf Evi Filippou – die Musikerin, geboren 1993 im griechischen Volos, agiert an der Schnittstelle von Komposition, Improvisation und globalen Volkstraditionen.
Ihr künstlerischer Werdegang zeugt von einer ausgeprägten stilistischen Bandbreite. In Berlin lebend, arbeitet Filippou als Vibraphonistin, Marimbaphonistin, Perkussionistin und Performerin. Einem breiteren Fachpublikum wurde sie spätestens 2023 bekannt – da erhielt ihr Quintett-Projekt »inEvitable« den Deutschen Jazzpreis für das »Debütalbum des Jahres«. Doch umfasst ihr Portfolio mehr als klassischen Jazz: Evi Filippou ist Gründungsmitglied des Ensembles »Opera Lab Berlin«, wirkte in Orchestern wie dem Bolshoi Ballet Orchestra mit und ist festes Mitglied der n ï m Dance Company.
Mini-Konzerte im Wohnzimmer
Diese interdisziplinäre Ausrichtung korrespondiert mit der Tradition der Moerser Residenz. In der Vergangenheit nutzten Künstler*innen wie Simon Rummel die Zeit für den Bau von Instrumenten, während Josephine Bode Lichtinstallationen schuf oder Carolin Pook ein Jugendorchester formierte. Filippous bisheriges Engagement lässt ähnliche Impulse für Moers erwarten. Seit 2016 ist sie als Dozentin an Berliner Grundschulen tätig, gefördert durch den Verein »Vincentino«. In Moers gehört die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen traditionell zum Kernprofil des »Improvisers«.
Das Langzeit-Gastspiel ist darauf angelegt, die Grenze zwischen Bühne und Alltag zu durchbrechen. Evi Filippou wird nicht nur im Rahmen des Festivals präsent sein, sondern auch zu Mini-Konzerten in ihre Wohnung einladen oder Kooperationen mit Institutionen wie dem Schlosstheater Moers eingehen. Mit ihrer Erfahrung als Kuratorin – sie verantwortete unter anderem das »Bitches Brew Festival« mit Fokus auf Musikerinnen – bringt sie zudem Kompetenzen in der Programmgestaltung mit.
Das Pfingstfestival selbst wird 2026 um einen Tag verlängert – es startet bereits am 21. Mai mit Sonderkonzerten. Für die Besucher*innen kehrt ein zentrales Element zurück: Das Campen ist wieder auf der Ballonwiese im Freizeitpark möglich. Programmatisch setzt die künstlerische Leitung auf eine Mischung aus internationaler Avantgarde und interkulturellen Dialogen. Zu den bereits bestätigten Acts gehören Nicole Mitchells afrofuturistisches Kollektiv Black Earth Sway, das New Yorker Ensemble Yarn/Wire sowie das indonesische Duo Senyawa, das für seine experimentellen Klänge auf selbstgebauten Instrumenten bekannt ist.
MOERS FESTIVAL, 21. BIS 25. MAI






