Weil der Zahn der Zeit am Betonbau der Kunsthalle Düsseldorf besonders erbarmungslos genagt hat, ist eine Generalüberholung überfällig. In diesem Sommer sollte dafür der Startschuss fallen. Die kurzfristige Verschiebung durch die Landeshauptstadt stellt die Benutzer des Gebäudes vor gravierende Probleme.
Eigentlich saßen sie schon auf gepackten Koffern. Die Kunsthalle Düsseldorf, der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, die Buchhandlung Walther König, das Kom(m)ödchen und der Salon des Amateurs, sie alle trafen Vorbereitungen für den Auszug auf Zeit. Dass ihr in städtischem Besitz befindliches Quartier am Grabbeplatz, ein brutalistischer Betonblock von 1967, reif für die Sanierung ist, bestreitet niemand. Im Sommer sollte es endlich losgehen. Unter dem Motto »Bye Bye Grabbeplatz« hatte Alicia Holthausen, Interimsdirektorin der Kunsthalle, für März die Abschiedsvorstellung geplant.
Schnee von gestern. Am 28. Januar verkündete die Landeshauptstadt, dass die Sanierung erneut vertagt wird – auf 2029. Die Begründung wirft ein schlechtes Licht auf die Entscheidungsträger: Erst jetzt will man realisiert haben, dass die gleichzeitige Schließung zweier Tiefgaragen am Eingang der Altstadt den Verkehr auf eine unzumutbare Belastungsprobe stelle.
Derweil schreitet der Verfall des Gebäudes voran. Als aktuelles Beispiel nennt Alicia Holthausen den Ausfall der Notbeleuchtung im November 2025. »Ohne Notbeleuchtung darf ein öffentliches Haus wie unseres nicht betrieben werden. Wir mussten für vier Tage schließen, bis wir eine provisorische Anlage – lauter kleine Lampen, die überall im Ausstellungsraum stehen – bekommen haben.«
Obwohl das Interimsprogramm in dieser Form hinfällig sei, hält sie nichts von Schwarzmalerei: »Die letzten Jahre unserer Arbeit waren bereits geprägt von unserer Vision einer sich öffnenden Kunsthalle, die Kollaboration und Koproduktion in den Mittelpunkt stellt. Diesen Fokus werden wir durch die verschobene Sanierung nicht verlieren.« So bleiben die vereinbarten Kooperationen – etwa mit dem IMAI (Inter Media Art Institute) oder dem Künstlerverein Malkasten – ebenso auf der Agenda wie ortsspezifische Projekte.
Auch Gloria Hasnay, seit kurzem Direktorin am Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, sah sich kurzfristig mit der Notwendigkeit konfrontiert, ihr Programm umzustrukturieren.
»Noch Anfang Februar«, berichtet sie, »habe ich beispielsweise mit ›bravo‹ ein Performance-Projekt von Solomon Garçon eröffnet, das ursprünglich als ›Closing Act‹ für die Räume konzipiert war. Nun beginnt meine Zeit am Kunstverein nicht mit einem Abschied, sondern mit einem performativen Auftakt in vertrauter Umgebung.« Die abermalige Verschiebung der Sanierung versucht Hasnay »als produktive Wendung zu lesen – als Möglichkeit, den Ort noch einmal bewusst zu bespielen und gemeinsam mit meinem Team neue Perspektiven auf ihn zu entwickeln.«
Im Mai zeigt der Kunstverein am Grabbeplatz eine Einzelausstellung der in Düsseldorf lebenden Künstlerin Maximiliane Baumgartner. Im September folgt Gloria Hasnays erstes größeres Projekt als Kunstvereinsdirektorin: die Gruppenausstellung »I, etcetera«. »Ursprünglich vor dem Hintergrund des geplanten Umzugs entwickelt, befragt sie die eigene Handlungsfähigkeit – eigentlich in einem Moment räumlicher Veränderung. Auch ohne Ortswechsel bleibt dieses Anliegen für mich zentral.« Für den Februar 2027 schließlich ist, in Kooperation mit dem Portikus in Frankfurt am Main, die erste institutionelle Einzelausstellung des britisch-österreichischen Künstlers Joshua Leon unter Dach und Fach.





