Vor gut zwei Jahren hat Elza Czarnowski als Künstlerische Leiterin ihr Büro im Beuys-Haus bezogen und sich mit einigen Ideen an die Arbeit gemacht – was ist seither passiert?
kultur.west: Frau Czarnowski, 2024 haben Sie am Drakeplatz die erste Ausstellung eröffnet. Was hat sich seither getan, wie ist die Brunhilde Moll Stiftung angekommen in der Stadt?
ELZA CZARNOWSKI: Ich merke, dass mehr und mehr Menschen in der Stadt wissen, dass es uns gibt, und was dies für ein Ort ist. Es musste sich herumsprechen. Das hat bisher ganz wunderbar funktioniert.
kultur.west: Wie ist Ihnen das in doch relativ kurzer Zeit gelungen? Der Name Beuys hat sicher geholfen.
CZARNOWSKI: Die Beuys-Ausstellung hatte zu Beginn ein überregionales Publikum angesprochen, das auch weiterhin kommt, um Beuys‘ Atelier zu sehen. Doch kommunizieren wir sehr deutlich, dass dies keine Beuys-Gedenkstätte ist und dass hier viele andere Dinge passieren. Vor allem Ausstellungen mit zeitgenössischen Künstler*innen – von Studierenden bis zu etablierten Größen. Durch die Zusammenarbeit mit sehr unterschiedlichen Künstler*innen konnten wir unser Publikum erweitern und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.
kultur.west: Einige Beachtung hat die Ausstellung mit Simon Schubert gefunden – der erste lebende Künstler, der hier gezeigt wurde.
CZARNOWSKI: Diese Ausstellung hat das Publikum diversifiziert und verjüngt. Denn Schubert begeistert generationsübergreifend. Seither bemerke ich auch, dass Leute nicht mehr ausschließlich kommen, um die Ausstellungen zu sehen. Es kommen zum Beispiel auch Künstler*innen oder Vertreter*innen anderer Institutionen, die sich vernetzen wollen. Dies zu erreichen, halte ich für sehr wichtig.
kultur.west: Gibt es vielleicht etwas, das Sie besonders begeistert oder überrascht hat in dieser ersten Zeit?
CZARNOWSKI: Etwas ganz Besonderes war für mich die Zusammenarbeit mit der Klasse von Danica Dakić (Anmerkung der Redaktion: mehr dazu ab Seite 14). Das war sehr herausfordernd, in einem absolut positiven Sinne, dabei super spannend und bereichernd – für alle Beteiligten, wie ich hoffe.
kultur.west: Bisher haben Sie also gute Erfahrungen mit einem Ausstellungsprogramm gemacht, das beides bietet: etablierte Künstler*innen im Wechsel mit jungen Positionen. Soll das so weitergehen? Gibt es schon Pläne?
CZARNOWSKI: Ja, auf jeden Fall. Nach Wilhelm Mundt wollen wir im Rahmen der düsseldorf photo+ eine Ausstellung zeigen, die sich unter anderem mit Neuen Medien und Fotografie auseinandersetzt. Im April 2027 soll dann der Bildhauer Freddie Michael Soethout einziehen mit einer Arbeit, speziell für diesen Ort: eine gläserne Welle, die vom Erdgeschoss bis in den Garten reichen wird. Später im Jahr wollen wir dann mit Bettina Pousttchi wieder eine renommierte Künstlerin zeigen, die international unterwegs ist.
kultur.west: Sind auch weitere Kooperationen mit der Kunstakademie angedacht?
CZARNOWSKI: Aktuell ist nichts Konkretes in der Planung, aber wir sind immer offen für Ideen und Anfragen. Nicht nur von der Akademie, sondern ganz allgemein. Der persönliche Austausch liegt mir sehr am Herzen, ich möchte einen Ort schaffen, an dem man auch über das Kunstausstellen hinaus gut in ein Gespräch kommen kann und sich gegenseitig respektvoll behandelt. In diesem Zusammenhang sind auch die verschiedenen Vermittlungsformate wichtig.
kultur.west: Regelmäßige Führungen und Künstler*innen-Gespräche gibt es ja bereits.
CZARNOWSKI: Das möchte ich beibehalten, weil sich so natürlich immer schöne Anlässe bieten, über den visuellen Kunstgenuss hinaus ins Gespräch zu kommen. Es reicht heute nicht, die Türen zu öffnen und die Leute reinzulassen. Das möchte ich streuen, das sollen die Leute wissen: Dass dieser Ort offen ist für Gespräche, Ideen, Anregungen. Sicher können wir nicht alles verwirklichen, sind aber erstmal offen für Neues.



