Der Dadaismus ging als schrille Protestbewegung in die Kunstgeschichte ein. Dass die Revoluzzer der Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert zugleich hochpolitisch agierten, verdeutlicht nun eine Ausstellung im Zentrum für verfolgte Künste in Solingen.
»Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf! Machen Sie ihn frei für die Forderungen der Zeit!«, so lautete die Handlungsanweisung auf einem Plakat, das 1920 bei der Ersten Internationalen Dada-Messe in Berlin zu sehen war. Dieser energische Aufruf dient nun als titelgebendes Leitmotiv für eine Ausstellung im Zentrum für verfolgte Künste. Die von Katharina Günther kuratierte Präsentation betrachtet den Dadaismus nicht als schräges Kuriosum der Moderne, sondern als ernstzunehmende politische Kunstform.
Entstanden 1916 im Zürcher Cabaret Voltaire, inmitten des Ersten Weltkriegs, verstand sich Dada von Beginn an als radikale Protestform gegen das millionenfache Morden und die erstarrten bürgerlichen Werte. 110 Jahre später analysiert die Ausstellung, wie die Bewegung in den unruhigen Jahren der Weimarer Republik als künstlerischer Seismograf funktionierte. Fotomontagen, Collagen, Malerei, Flugblätter und Literatur, dies und anderes mehr nutzten die Dadaisten, um den Finger in die gesellschaftlichen und ökonomischen Wunden ihrer Zeit zu legen – von der Hyperinflation bis hin zur Vorahnung auf eine heraufziehende nationalsozialistische Diktatur.
In den Ausstellungsräumen sind Werke von prominenten Akteur*innen wie George Grosz, John Heartfield und Hannah Höch versammelt, flankiert von Arbeiten weiterer zentraler Vertreter*innen wie Johannes Baader, Kurt Schwitters, Otto Dix und Sophie Taeuber-Arp. Zugleich geht es um den Bezug zur Gegenwart. Wie Museumsdirektor Jürgen Joseph Kaumkötter im Vorwort des Katalogs betont, ist der Dadaismus auch in der Gegenwart »nicht ›vorbei‹«. Dada lebe fort im absichtsvollen Anti-Sound, im Rhythmus, der bewusst stolpert, und im gezielten Spiel mit dem Nonsens.
»›SPERREN SIE ENDLICH IHREN KOPF AUF!‹ DADA ALS POLITISCHE KUNST
ZWISCHEN DEN WELTKRIEGEN«
ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE, SOLINGEN
BIS 13. SEPTEMBER






