Die Duisburger »Akzente« gehen in die 47. Runde. Das Besondere: Das Thema »Begegnungen« bringt nicht nur hochkarätige Gastspiele auf den Bühnen zusammen, sondern aktiviert an 40 Schauplätzen auch die freie Szene der Stadt.
Wenn es so etwas wie einen »Hausgeist« des Berliner Ensembles gibt – man müsste ihn wohl Bertolt Brecht nennen. Schließlich war es er, der es gründete – und dem der deutsche Bühnenkanon so viele bedeutende Texte und Lieder verdankt. So war es im Sommer 2023 wohl nur konsequent, als sich Regisseur Oliver Reese eine Brecht-Hommage ausdachte. Mit Musik seines Weggefährten Hanns Eisler, natürlich: »Fremder als der Mond«. Nun kommt die Mischung aus Liederabend, Brecht-Relektüre und biografischem Bilderreigen als einer der Höhepunkte des Duisburger Theatertreffens zu den »Akzenten« an den Rhein. Im Mittelpunkt steht mit Katharine Mehrling dann eine Sängerin, die normalerweise an Berlins Musical- und Opernbühnen brilliert.
Zum 47. Mal findet das Festival nun statt. Mit dem Programm gelingt es immer wieder, die unterschiedlichsten Kulturveranstaltungen von Schauspiel über Musik und Literatur bis zu Stadtrundgängen, Vorträgen und Film zu einem großen Ganzen zu verbinden. Dafür soll diesmal das Thema »Begegnungen – was uns trennt, was uns verbindet« sorgen, das vom 27. Februar bis 22. März über 90 Veranstaltungen an 40 Schauplätzen der Stadt zusammenbringt. Schon allein das ist bemerkenswert: Denn Festivalkoordinator Clemens Richert lädt nicht nur Gastspiele wie den Berliner Brecht-Abend, »Bandscheibenvorfall« des Dresdner Staatsschauspiels oder eine Inszenierung zum 50. Jubiläum des Schweizer Objekttheaters »Mummenschanz« nach Duisburg ein.
Tanzende treffen auf Skulpturen
Er aktiviert auch aufs Beste die freie Szene der Stadt: Im Innenhafen etwa haben die Performer Avi Kaiser und Sergio Antonino ihr Studio, von dem aus es nicht allzu weit ins Museum DKM am Hauptbahnhof ist. In einer Uraufführung lassen sie am 14. und 15. März eben dort drei Tanzende und eine Schauspielerin in »Animale sociale – Ein stummer Dialog« auf die Skulpturen der Sammlung treffen.
Einen wahren Duisburger Schatz will das Landesarchiv NRW heben. Es zeigt Fotos des Pressebilderdienstes C. A. Stachelscheid aus den Jahren 1946 bis 1954 – seltene Alltagsszenen der Nachkriegszeit. Wer mag, kann sich in einem Comic-Labyrinth der katalanischen Compagnie Itinerania in der Kulturkirche Liebfrauen verlaufen oder am 22. März hier eine »klangliche und visuelle Improvisation« des Filmemachers und »Klangforschers« Vincent Moon erkunden. Auch das Literaturprogramm dürfte interessant werden: Da liest etwa am 10. März Ines Habich-Milović aus ihrem Debüt »Dein Vater hat die Taschen voller Kirschen«, einen Tag später Kaleb Erdmann aus seinem ausgezeichneten Roman »Die Ausweichschule« über den Erfurter Amoklauf, oder Saša Stanišić erklärt, warum er sich so entschieden gegen das »Nichtstun« wendet (16. März). In der VHS im Stadtfenster wird an die Trickfilmpionierin und Scherenschnittkünstlerin Lotte Reininger erinnert (4. März). In der alten Brotfabrik »Art Nouveau Monument« an das Jahr 1962, als der französische Staatspräsident Charles de Gaulle die August-Thyssen-Hütte besuchte. In Duisburg, natürlich.
27. FEBRUAR BIS 22. MÄRZ
VERSCHIEDENE ORTE IN DUISBURG






