Düsseldorf verabschiedet sich von einem ehrgeizigen Kulturprojekt. Der Neubau der Oper am Wehrhahn fällt der klammen Haushaltskasse zum Opfer. Zurück bleiben eine enttäuschte Kulturszene und die Frage, wie viel Vision sich eine Großstadt heute noch leisten kann.
Angekündigt war es vollmundig als »das Opernhaus der Zukunft«. Jetzt ist die Zukunft Vergangenheit. Vorbei der Traum eines architektonischen Leuchtturmprojekts, das die Stadtlandschaft nachhaltig prägen sollte. Der preisgekrönte Entwurf des norwegischen Büros Snøhetta sah am Wehrhahn einen visionären Dreiklang aus Oper, Clara-Schumann-Musikschule und Musikbibliothek vor. Doch die fiskalische Realität hat die schönen Künste unsanft vom Sockel gestoßen. Angesichts eines erwarteten städtischen Haushaltsdefizits von 447 Millionen Euro in 2026 zog Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller die Reißleine. Die Gesamtfinanzierung, die sich inklusive Zinsen über 50 Jahre auf rund 1,8 Milliarden Euro summiert hätte, sei schlichtweg nicht mehr zu verantworten.
Dass dieser Schnitt für Empörung sorgt, überrascht nicht. Die Rheinische Post bringt die Kritik auf den Punkt: »Stephan Keller gibt sich nicht damit zufrieden, sein Prestigeprojekt Nummer eins auf Eis zu legen, er lässt es zerplatzen wie einen bunten Ballon. Als wäre es nur eine Laune gewesen, 2021 den Neubau zu beschließen und seitdem Millionen Euro in das Projekt zu stecken.« Zwangsläufig wendet sich Düsseldorf nun wieder der Vergangenheit zu: Um den Spielbetrieb zu sichern, soll der marode Bestandsbau an der Heinrich-Heine-Allee notsaniert und ertüchtigt werden. Auf dem Grundstück am Wehrhahn hingegen könnte ein profanes Quartier mit Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen entstehen.






