Das Museum »Soul of Africa« in Essen zeigt faszinierende Masken aus dem Voodoo-Kult. Der Ethnologe Henning Christoph hat das kleine Museum vor 26 Jahren eröffnet.
Die blassrote Maske ist zerknautscht. Gelbe Augen sind darauf gemalt, an den Wangen gibt es drei schwarze Striche. Sie gehört zu einem groben Leinenkostüm mit einer dunklen Weste, an der Steine, Muscheln und Knochen befestigt sind. Dieses Gewand im Essener Museum »Soul of Africa« gehört zu einem Juju-Mann vom Stamm der Yuruba. In Benin und Nigeria könnte die Begegnung mit ihm den Tod bedeuten – falls man etwas Schlimmes getan hat.
Masken spielen eine große Rolle in den verschiedenen Geheimgesellschaften des Voodoo. In Essen lässt es sich eintauchen in fremd wirkende Rituale. Der Ethnologe Henning Christoph hat das kleine Museum im Stadtteil Rüttenscheid vor 26 Jahren eröffnet. Unermüdlich reist er um die Welt und erforscht Voodoo-Kulte. Die Maske des Juju-Manns mache den Menschen dahinter unsichtbar: »Wenn die Mitglieder der Egungun-Gesellschaft die Masken anziehen«, erklärt Henning Christoph, »sind sie die Geister der Ahnen.«
Das passiert etwa wenn jemand ein Kapitalverbrechen begangen hat. Die Juju-Männer vertreten die Gerichtsbarkeit der Geister. »Der Beschuldigte kniet vor ihm,« beschreibt Henning Christoph, »der Juju-Mann hält einen Stab in seine Richtung, und wenn der Stab zittert, ist der Betroffene schuldig. Der Juju-Mann legt dann einen zweiten Stab auf die linke Schulter des Mannes. Das ist die Todesstrafe, und innerhalb von sechs Wochen stirbt er.« Klingt unwahrscheinlich? Henning Christoph betont, aus eigener Erfahrung zu sprechen:»Ich habe das einige Male erlebt, auch bei jüngeren, gesunden Menschen. Die sind einfach gestorben.«
Das könnte natürlich auch daran liegen, dass sie so tief im Glauben verwurzelt sind, dass sich die Prophezeiung quasi von selbst erfüllt. Wenn ein Unschuldiger den Juju-Mann im Kostüm berührt, fällt er übrigens In Ohnmacht. Deshalb musste Henning Christoph selbst in die Egungun-Gesellschaft eingeführt werden. Er könnte selbst die Maske tragen, nur deshalb durfte er überhaupt das Kostüm mitnehmen, um es in seinem Museum zu zeigen. Das erfordert viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen und die Rituale zu verstehen. Denn Voodoo ist eine Religion mit vielen Ausprägungen, kein Horror-Hokuspokus wie man ihn aus vielen Genrefilmen kennt.
Es gibt noch einige Masken mehr in Henning Christophs Sammlung. Aber die befinden sich im Lager, das Museum selbst ist in den Räumen einer Privatwohnung untergebracht. »Da habe ich nicht genug Platz, alles auszustellen«, sagt der Voodoo-Experte, »aber ein größeres Museum ist geplant. Die Stadt Essen hat mir Unterstützung zugesagt.«
In einem für die Besucher*innen nicht zugänglichen Raum hängen historische Gorillamasken vom Stamm der Fong-Bulu. »Wenn ein neuer König gekrönt wird«, erzählt Henning Christoph, »musste er einen Gorilla töten, das Herz und das Hirn essen. Aus den Schädeln wurden diese Masken gemacht.« 1910 hätten Forscher versucht, diesen Stamm zu finden, seien aber gescheitert. Henning Christoph hat es 2008 geschafft und seine Begegnung in den Wäldern Kameruns mit Fotos dokumentiert.
Andere Masken seien für Hexenprüfungen. In Afrika ist der Hexenglaube immer noch verbreitet, wie im letzten Sommer Berichte aus Burundi und Nigeria bewiesen. »In Kamerun«, erzählt Henning Christoph, »ist der Hexenjäger sehr mächtig und gefürchtet. Er kommt nachts heraus, und sein Kostüm macht ein klapperndes Geräusch. Die Maske soll Angst einflößen.« In Oku im Nordosten Kameruns hat Christoph ein Partnermuseum zum »Soul of Africa« gegründet. »Ich bin mit dem dortigen König befreundet und sein Kulturminister. Dadurch bin ich in weitere Geheimgesellschaften gekommen.« Und so geht die Erforschung der Voodoo-Kulte immer weiter.






