Was bleibt von unseren Ideen, wenn die Zeit vergeht? In einem zweiteiligen Ausstellungsprojekt in Soest schlägt der Berliner Konzeptkünstler Hans-Peter Klie eine Brücke von Jahrmilliarden alten Gesteinen zu analogen Relikten der nahen Vergangenheit – und hinterfragt die materielle Fixierung des Kunstbetriebs.
Wenn Gegenstände ihren ursprünglichen Kontext verlieren, beginnen sie ein seltsames Eigenleben. Sie verstauben, werden weggeworfen oder avancieren im Extremfall zu hochgeschätzten Reliquien. Für Hans-Peter Klie (Jahrgang 1956) sind materielle Objekte, ob Alltagsgerät oder Kunstwerk, bloß »Hinterlassenschaften«: temporäre Stellvertreter einer dahinterstehenden geistigen Erkenntnisarbeit.
In der Soester Kulturkirche Neu St. Thomä setzt sich der Künstler mit dem Bedeutungswandel von zurückgelassenen Dingen auseinander. Den Chorboden mit seinen mittelalterlichen Grabplatten hat Klie in eine zeitgenössische Bodenskulptur umgedeutet. Darauf platzierte er zwölf Holztische mit Objekt-Arrangements aus Religion, Wissenschaft, Magie und Philosophie. Im zweiten Teil der Ausstellung im Kunstverein Kreis Soest folgt dann ein gänzlich anders Genre – zu entdecken gibt es Silbergelatine-Laborprints (1989-2002).
»HANS-PETER KLIE. HINTERLASSENSCHAFTEN (RELIQUIEN)«, KULTURKIRCHE NEU ST. THOMÄ, SOEST (BIS 4. OKTOBER), GALERIE DES KUNSTVEREINS KREIS SOEST (BIS 18. OKTOBER).






