Im vergangenen Jahr musste das Shakespeare Festival wegen vorbereitender Arbeiten für die Landesgartenschau Neuss seinen angestammten Platz verlassen. Jetzt kehrt es ins Globe Theater zurück. Vom 14. Mai bis zum 6. Juni gibt es dort 15 Produktionen.
Auf dem Programm der Landesgartenschau Neuss, die vom 16. April bis zum 11. Oktober stattfindet, stehen rund 1000 Veranstaltungen. Muss man deshalb befürchten, dass dem Shakespeare Festival auf dem Rennbahn-Areal, das ans Gartenschau-Gelände grenzt, weniger Aufmerksamkeit zuteilwird? Kaum – eher dürfte das Gegenteil der Fall sein. Shakespeare in Neuss, damit verbindet sich kein akademisch-trockenes Theatererlebnis. Vielmehr handelt es sich bei dem vom Kulturamt organisierten Festival um ein vergnügliches Spektakel. Das zudem dank seiner besonderen Atmosphäre unter hohen Pappeln sowie dem Zusammenspiel von Picknick-Situation im Freien und konzentrierter Bühnendarbietung im »wooden O« vom Ambiente her mit der Landesgartenschau hervorragend harmoniert.
Bis ins späte 17. Jahrhundert war der englische Dramatiker und Theatermacher (1564-1616) im deutschsprachigen Raum ein absoluter Nobody. Erst im 19. Jahrhundert stieg Shakespeare neben Goethe und Schiller faktisch zum »dritten Klassiker« auf. Knapp 40 Bühnenstücke umfasst sein Œuvre. Ein Repertoire, das reichlich Spielraum eröffnet für die Gastauftritte auswärtiger Compagnien und die Neusser Eigenproduktionen.
Ganz nah dran
1599 entstand am Südufer der Themse das Globe Theatre – es diente William Shakespeares Truppe »The Lord Chamberlain’s Men« als Spielstätte. Mitte des 17. Jahrhunderts geschlossen, wurde 1997 in London eine Rekonstruktion eröffnet. Als Ableger dieses »Shakespeare‘s Globe« besitzt die Neusser Freiluftbühne hierzulande ein Alleinstellungsmerkmal. Das gilt auch für die geradezu physische Intimität zwischen Publikum und Bühne. Keiner der gut 500 Sitzplätze in dem mehrgeschossigen, zwölfeckigen Holz-Stahl-Bau ist weiter als zehn Meter vom Geschehen entfernt. Diese räumliche Enge erzwingt eine reduzierte Bühnenausstattung, wodurch Sprache und Körperlichkeit in den Fokus rücken – ganz im Sinne elisabethanischer Aufführungspraxis.
Inhaltlich schlägt das Festival 2026 einen Bogen zu aktuellen Diskursen. Was die geografische Verortung der 15 Inszenierungen angeht, so sind neben Deutschland auch Spanien, England, die Niederlande, Österreich und Frankreich vertreten. Im Zentrum der Aufführungen steht in diesem Jahr die Frage nach Machtverhältnissen und der Deutungshoheit von Narrativen – etwa in »Macbeth«, »Richard III.« oder »Heinrich V.«. Shakespeare, der ewig junge Klassiker, dient hier einmal mehr als ideale Matrix, um Konflikte von heute im Spiegel historischer Theaterstücke zu beleuchten und auf diese Weise im Idealfall vertiefte Einsichten zu gewinnen.
Das Landestheater Linz verwandelt »Maß für Maß« in einen modernen Politthriller. Als Gegenpol dazu sorgen die HandleBards mit »As You Like It« für turbulente Verwechslungskomik. Derweil entführen Rufus Beck und das Tango Transit das Publikum in den magischen Athener Wald des »Sommernachtstraums«. Den Abschluss bestreitet die Band Woods of Birnam rund um Leadsänger und Schauspieler Christian Friede.
GLOBE THEATER NEUSS
14. MAI BIS 6. JUNI



