Das Kombinat Robotron war ein Aushängeschild der DDR-Wirtschaft und Symbol für den Anschluss an die Weltspitze. Mit einer Themenschau, die Arbeiten von mehr als 20 Künstler*innen umfasst, blickt der HMKV Dortmund nun zurück auf Kybernetik, Planwirtschaft – und das, was davon blieb.
Wer an die Industrielandschaft der DDR denkt, hat oft Bilder von rußgeschwärzten Fassaden, Braunkohletagebau und dem Trabant im Kopf. Dass der »Arbeiter- und Bauernstaat« sich ab den 1960er Jahren jedoch auch als Speerspitze der »dritten industriellen Revolution« präsentierte, gerät dabei gern in Vergessenheit. Der Name, der diese Hoffnungen bündelte, klang wie aus einem Science-Fiction-Roman: Robotron.
Das gleichnamige Kombinat, zuständig für Computer und Informationstechnik, steht jetzt im Zentrum einer Ausstellung im Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im Dortmunder U. Vom 14. März bis 26. Juli widmet sich die Schau »Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz« den technischen Möglichkeiten, den gesellschaftlichen Verheißungen, aber auch den ökonomischen Widersprüchen, die diesen technologischen Aufbruch begleiteten. Es ist der Versuch einer Spurensuche, die weit über reine Ostalgie hinausgehen soll.
Geschichte und Reflexion
Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf Werner Tübkes monumentales Wandgemälde »Arbeiterklasse und Intelligenz«, das der Maler 1973 für die Universität Leipzig schuf. Neben dem Leiter des Rechenzentrums verewigte er dort auch einen »R 300«-Großrechner von Robotron. Das Kurator*innen-Team will Klischees über die sozialistische Vergangenheit hinterfragen und beleuchtet die Rolle von Geopolitik, Wirtschaftsembargos und jener krisenhaften Produktion nach Plan, die den Alltag im Osten prägte. Mit Werken von über 20 Künstler*innen, teils noch in der DDR entstanden, teils zeitgenössische Reflexionen, wird die Geschichte von Robotron thematisiert.
Ruth Wolf-Rehfeldt, eine der wichtigsten Vertreterinnen der Typewriter Art in der DDR, ist mit ihrer Zinkografie »Information (Informationsbildung)« aus den 1970er Jahren vertreten – ein Gespinst aus Zeichen, das die Bürokratie der Daten poetisch abstrahiert. Einen Gegenpol bildet die Auseinandersetzung mit der materiellen Hinterlassenschaft der Industrie. Margret Hoppe dokumentiert in ihrer Fotografie »Leben im Sozialismus – Datenverarbeitung, VEB Robotron« (2012) die verwaisten Innenräume einstiger Produktionsstätten.
Dass die »saubere« Technologie oft schmutzige Spuren hinterlässt, machen Su Yu Hsin und Sandra Schäfer bewusst. Sie rücken Umweltzerstörung und die Transformation der Landschaften in den Blickpunkt. Hier schlägt die Ausstellung den Bogen zum heutigen »Silicon Saxony« im Großraum Dresden, wo die Re-Industrialisierung auf den alten Strukturen aufbaut. Das Leitmotiv der Ausstellung liefert Nadja Buttendorfs »Robotron – A Tech Opera« – sie verbindet performative Elemente mit einer Mikroskopaufnahme von Silizium.
»ROBOTRON. ARBEITERKLASSE UND INTELLIGENZ«
HMKV DORTMUND, DORTMUNDER U, EBENE 3
14. MÄRZ BIS 26. JULI






