Die 19-jährige Düsseldorfer Singer-Songwriterin Paula Engels wurde vor gut einem Jahr zufällig in den sozialen Medien entdeckt – seitdem ist für sie alles anders: Es folgten ein Plattenvertrag, Auftritte auf Festivals und größeren Bühnen. Nun kommt ihr Debütalbum »Kommt von Herzen« heraus.
Wenn man mit Paula Engels spricht, dann ist es so, dass vor allem sie redet. Was gut ist. Schließlich ist sie Musikerin. Eine obendrein, die etwas mitzuteilen hat – weil sie mit gerade einmal 19 Jahren am spannenden Beginn ihrer Karriere steht. Weil sie sich kurz vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums ohnehin in einer sehr aufregenden Phase befindet. Und weil das alles eben gute Gründe sind, um draufloszulegen und eben: zu erzählen.
Etwa über den Beginn von allem. »Ich finde es schwer, einen Anfangspunkt zu nennen«, sagt sie. »Ich bin eigentlich direkt nach der Schule so da reingerutscht.« Ins Musikding. »Ich habe während der Schulzeit viel gemacht.« Viel getextet. Viel geschrieben. Viel gespielt. In Düsseldorf, ihrer Heimat. »Irgendwie habe ich auf jeder Bühne gespielt, die es gab.« Jede sei eine Chance gewesen, in dieser Musikhochburg ein Statement zu setzen, denn: »Es gab wenig Popmusiker dort. Dafür eine große Rock-Bubble.« Allen voran Die Toten Hosen, klar. Und gleich dahinter alles, was um Campino und Co. herum so wuchert oder in den 70ern und 80ern im Dunstkreis des »Ratinger Hof« aufpoppte und die Szene bis heute auf Trab hält.
Kluge, lyrische Texte
Dazwischen kommt auf einmal eine Gymnasiastin, schreibt zu indie-poppigen, gleichsam elektronisch wie akustisch angehauchten Arrangements kluge, lyrische Texte über »Teenage Angst«, die verwirrende, dunkle Seite des Aufwachsens, das Seelenleben und Weltdenken einer angehenden Künstlerin. Und es geht los und fügt sich. Abseits der Rock-Bubble. Nicht zuletzt auch dank Social Media: »Ich habe kurz nach dem Abi ein paar Videos gepostet.« Darunter auch eines zu einem Song, mit dem sie den bekannten Alternative-Rapper Casper covert. Der sei der Zünder gewesen, der plötzlich alles entflammte: »Ich hatte den Song nachts eingestellt und Casper markiert. Und er hat ihn bei sich repostet.« Noch am selben Tag seien die ersten Label-Anfragen gekommen. »Zwei Wochen später saß ich schon in Berlin in diversen Meetings mit Plattenfirmen.« Es sei alles ein bisschen verrückt gewesen, sagt Paula Engels. »Ich bin da irgendwie reingerutscht.«
Vor allem weiter: Im Oktober 2024 unterschrieb sie ihren ersten Plattenvertrag und absolvierte Shows nicht mehr auf kleinen Bühnen, sondern vor 12.000 Leuten als Support der Band Provinz. »Das war alles ein wenig wild«, sagt Paula Engels. Überhaupt: »Krass, wie schnell auf einmal Türen aufgehen, von denen man dachte, dass sie gar nicht aufgehen können.« Schließlich habe sie ja eigentlich nichts vorzuweisen gehabt. »Ich hatte offiziell keinen Song draußen, nur Demos. Es gab keinen Beweis, dass meine Musik irgendwie funktioniert. Trotzdem haben die Leute einfach gesagt: »Ja, machen wir, finden wir gut!«
Es folgte eine Kettenreaktion: Paula Engels war gerade mal seit zwei Monaten volljährig – und zog schon nach Berlin. »Weil ich nicht mehr pendeln und bei Leuten auf der Couch übernachten wollte.« Der Preis: Sie musste sich völlig umstellen. »Mein Leben war ja eigentlich in einer anderen Stadt.« Ihr Hobby wurde auf einmal zum Beruf, was sie anfangs »sehr überfordert« habe.
In solchen Momenten hilft es dann eben, wenn es viel zu erzählen und über die eigene Kunst nachzudenken gibt. Etwa, woher der Antrieb dazu kommt. Da spielt Paula Engels’ ehemalige Schule eine wichtige Rolle. Sie besuchte das Görres-Gymnasium in der Düsseldorfer Innenstadt. »Das war eine tolle Schule. Ein humanistisches Gymnasium, an dem es viel um Kunst, Musik ging. Ich konnte dort meinen Interessen nachgehen.« Andernfalls hätte alles »auch weniger gut« ausgehen können. »Ich war schließlich immer schon jemand, der nicht so gut in Regelzwänge passt.« So aber »saß ich irgendwann in Schulversammlungen und Elternräten und war Schulsprecherin und durfte mitgestalten.« Parallel gestaltete sie daheim Liedtexte und Songs.
Die münden nun ab September in »Kommt von Herzen«. Die erste Platte. Das erste umfassende Lebenszeichen der Künstlerin Paula Engels, in deren Kopf beim Musikschreiben wirklich alles rotiert: »Ich bin noch jung und auf der Suche.« Das merke sie immer wieder. »Ich schreibe oft Songs ohne zu wissen, wovon ich da erzähle, und fange erstmal an, einfach alles so runterzuschreiben.« Oftmals falle ihr dann erst im Nachhinein auf, über was sie da geschrieben habe. Dann gehe das Gedankenkarussell von vorne los.
»Ich plane maximal ein Jahr«, sagt Paula Engels. Sie möchte jetzt erstmal eine Tour machen und auf Festivals auftreten. Alles andere? Spekulation. Ausgelegt auf den Genuss des Moments – wie es in der Musik ja seit jeher vorgegeben wird. In den Worten dieser bemerkenswerten jungen Künstlerin klingt das so: »Wenn es mir irgendwann keinen Spaß mehr machen sollte, würde ich eben etwas anderes machen und Musik als Hobby fortführen.« Denn Paula Engels‘ Maxime lautet: Musik darf nie zum Job werden. Sie muss immer Leidenschaft sein. Eine Leidenschaft, die sie gerade beginnt, so richtig auszuleben.
»Kommt von Herzen« erscheint am 26. September
Am 5. November gastiert Paula Engels im Düsseldorfer Zakk