Das Gustav Lübcke Museum in Hamm bringt George Grosz und Daniel Richter in einem überraschenden Dialog zusammen.
Was für eine erschütternd beiläufige Szene: Zwei einbeinige Männer humpeln am rechten Bildrand davon. Verlassen ein Militärgebiet, ohne dass sich die umherstehenden Soldaten auch nur nach ihnen umsehen. Wohin gehen sie? Nach Hause? Anfang der 2020er Jahre hatte der Maler Daniel Richter dieses Schwarz-Weiß-Foto in einem Stapel von Kriegspostkarten aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt – den George Grosz (1893-1959) hingegen selbst erlebte. Denn während Richter, Jahrgang 1962, die beiden Kriegsversehrten »nur« nachzeichnete, kämpfte Grosz gegen Kriegsbilder wie dieses aus eigener Anschauung an.
Auf rund 800 Quadratmetern treffen im Lübcke Museum nun mehr als 180 Werke der beiden Künstler aufeinander. Auf einige der Bilder von Grosz hat Daniel Richter mit seinen mehrdeutigen Malereien reagiert. Fast drei Generationen liegen zwischen den beiden. Dass sie in Hamm miteinander in einen Dialog gebracht werden, rückt das noch vor einigen Jahren eher lokal arbeitende Lübcke Museum auf die Karte landesweit interessanter Ausstellungen. Denn Kuratorin Ronja Friedrichs stellt zwei Künstler vor, die Stellung beziehen. Und vielleicht auch ein Stück weit zeigen, dass manche Verunsicherungen der 1920er Jahre den heutigen nicht immer unähnlich sind.
»KRIEG UND KONFITÜRE. GEORGE GROSZ x DANIEL RICHTER«
GUSTAV LÜBCKE MUSEUM, HAMM
BIS 21. FEBRUAR 2027






