Wer den Veranstaltungskalender von Hülsenbusch ansieht, könnte meinen, es handelt sich um eine Großstadt. Dabei hat der Ort im Oberbergischen Kreis ungefähr 950 Einwohner und das Programm gestaltet die Dorfgemeinschaft selbst. Mittendrin: Benjamin Döhl, der Vorsitzende des Schützenvereins. Sein derzeitiges Projekt: Das Schützenhaus soll in den Kulturort »3H – Hubertus Halle Hülsenbusch« umgebaut werden.
… ist die Rettung der Hubertus Halle in Hülsenbusch. Anfang März haben wir mit der Renovierung angefangen. Während der Corona-Zeit hätte sich der Schützenverein Hülsenbusch beinahe aufgelöst. Dann wären das Grundstück und die Halle an die Stadt Gummersbach gegangen. Ein paar Mitstreiter und ich haben uns breitschlagen lassen, als neuer, ziemlich junger Vorstand zu kandidieren und den Verein weiterzuführen. Auch damit die Halle grundsätzlich dem Dorf erhalten bleibt als Versammlungsstätte, als Lokalität, wo man private Feiern machen, wo man aber auch Kultur aufbauen kann. Dazu haben wir uns für das Förderprogramm »Dritte Orte« des Landes NRW beworben.
Die Halle ist 1981 gebaut und danach ist nicht viel daran gemacht worden. Mit der Förderung passt das ganz gut, weil die sich eben nicht nur auf das Kulturelle bezieht, sondern auch ein bisschen Spielraum gelassen hat, dass wir die Halle modernisieren und uns auch Equipment und Technik zulegen können, um die Grundvoraussetzungen zu schaffen, im Dorf ein Konzert oder eine Lesung auf die Beine zu stellen.
Wir haben zweimal eine Ideenwerkstatt gemacht, um herauszufinden, was sich die Leute in der Halle wünschen. Die Teilnehmer*innen waren bunt gemischt, von den Generationen war alles von Mitte 20 bis 80 vertreten. Da sind viele Gedanken und Wünsche zusammengekommen, angefangen von einem Tanz- über ein Eltern-Kind-Café, eine Boules-Bahn am Schützenhaus, bis zu Ü30- oder Motto-Partys und Discos. Es waren aber auch Lesungen oder Jahresfeste dabei. Wir haben auf jeden Fall noch genügend Ideen, aus denen wir schöpfen können.
»Ich selbst würde gerne mal über einen kompletten Tag ein Open Air auf dem Platz vor der Halle machen. Der ist relativ groß, man könnte mit 1000 Leuten ohne Probleme feiern. Das fände ich cool.«
Benjamin Döhl
Bei mir im Freundeskreis ist die Idee, irgendwann eine Sommerkarnevalsparty zu machen. Ein paar Ideen haben wir auch schon umgesetzt, wie zum Beispiel das Dorfkino, das jetzt schon dreimal stattgefunden hat. Bei jeder Veranstaltung sind mehr Leute gekommen, es hat sich offensichtlich sehr positiv herumgesprochen im Dorf. Ich glaube, bei der Premiere waren es 30, 35 Leute, bei der zweiten waren es 50, und bei der dritten über 60. Da musste das Kinoteam dann ad hoc sehr viele Stühle nachstellen und gucken, wie die Leute da irgendwie noch ein gutes Bild haben. Aber es ist schön, wenn das so angenommen wird.
Seit der ersten Bewilligung im Frühling 2024 gibt es auch weitere Testveranstaltungen: Wein-Tastings, Workshops, Kalligraphie und Aquarell-Workshops, auch mit Kindern. Die Konzerte waren der Einfachheit halber und auch wegen der Lokalität bis jetzt mit kleineren Gruppen aus der Region. Lesungen hatten wir zum Beispiel mit einem Autor von Sauerland-Krimis. Wir sind offen für alles, so lange es konfessionsfrei und nicht politisch ist, das ist dem Verein und der Satzung geschuldet.
Gut ist, dass wir von der Förderung auch eine halbe Stelle für einen Eventmanager schaffen konnten. Ein Zugezogener – das ist nicht böse gemeint – aus dem Dorf hat das übernommen. Er nimmt uns, also dem Vorstand, die Planung mit den ganzen Veranstaltungen ab. Er koordiniert alles, führt die Gespräche mit den Künstler*innen, plant und guckt, dass dann auch Personal da ist. Er ist die zentrale Person mit den Künstler*innen, was uns sehr die Arbeit erleichtert.
Spannend war auch, dass mit den Plänen für den Ort »3H« ganz neue Leute in Erscheinung getreten sind, die eher aus dem künstlerischen, aus dem kreativen Bereich kommen. Dass man da noch einen Schwung neu Engagierte gefunden hat, die in den einzelnen Gruppen oder als Dozent*in mitmachen. Wir haben in Hülsenbusch eine sehr aktive Dorfgemeinschaft, aber die meisten sind schon in anderen Projekten involviert. Das ist über Jahre gewachsen, kleine Projekte sind immer größer geworden – von einer Bücherzelle bis zur Rettung der Dorfkneipe und dem Bau eines eigenen Ärztehauses, für die wir Genossenschaften gegründet haben. Mit der Zeit wird man natürlich mutiger und man merkt, wie viele Leute mithelfen. Allein das Theken-Team in der Kneipe ist schon 60 Mann stark. Über 25 Leute bespielen unseren Wochenmarkt.
Wir sind hier im Dorf ein wenig verrückt, was das Ehrenamt angeht, aber das gibt uns halt auch sehr viel zurück. Die Quote der Leute, die sich engagieren und mithelfen, ist schon sehr groß. Alle erfahren so auch, dass man selbst wirksam wird. Man kann seinen eigenen Ort gestalten und weiterentwickeln. Wir haben gemerkt: wenn uns irgendwas fehlt, dann machen wir es halt.
Aufgezeichnet von Vera Lisakowski
Name: Benjamin Döhl
Alter: 30
Wohnort: Hülsenbusch
Ehrenamt: Erster Vorsitzender der Schützengesellschaft Hubertus
Beruf: Elektroniker






