Auf dem Dorf ist tote Hose? Nicht, wenn Sebastian Netta mit seinem Anhänger kommt. Denn der lässt sich ruckzuck in eine Bühne verwandeln – auf dem Dorfplatz, dem Acker oder am Waldrand.
Es ist eine Wunderkiste. Dieser winzige Bauwagen, ganz aus hellem Holz. Vorne aufgeklappt, das Dach angehoben, und schon ist er eine Bühne. Heraus kommen jede Menge Klappstühle, auch aus hellem Holz. Auf einer Wiese aufgestellt – und das Dorf wird zum Konzertsaal. Mit seinen »Wald- und Wiesenkonzerten« bringt der Schlagzeuger Sebastian Netta die Kultur aufs Land. »Ich habe das Ding eigentlich gebaut, weil ich einen mobilen Jazzclub haben wollte«, meint der leidenschaftliche Jazzmusiker, der sich unter anderem mit dem Münsterland-Trio zu seiner Region bekennt.
Auf der Bühne aber gibt es keinesfalls nur Jazz, auch Lesungen oder Comedy finden dort statt. »Ich persönlich lege immer sehr viel Wert auf hochwertige Kultur«, sagt Netta über das, was er gemeinsam mit Jochen Strieth seit 2018 in den ländlichen Raum bringt. 2026 ist die »Bonsai-Bühne« in Hopsten stationiert, knapp 8.000 Einwohner, im Tecklenburger Land gelegen ganz am Rand von Nordrhein-Westfalen. Das sei, so berichtet Netta, auch eines der Probleme dieser Region: Aufgrund der Lage – in Nordrhein-Westfalen, aber umgeben von Niedersachsen – fühle man sich dort oft abgehängt. Dem möchte er entgegenwirken und nennt es »kulturelle Blühstreifen«, wie die Pflanzenstreifen am Rande von Äckern, die die Diversität der Tier- und Pflanzenwelt fördern: »So sehen wir das auch. Ziel ist, nicht nur in Hopsten, sondern auch in anderen Randgebieten, die immer ein bisschen hintenüberfallen, ganz gezielt Projekte anzuschieben.«
»Wir gehen dahin, wo die Natur am schönsten ist.«
Sebastian Netta
Am 14. Mai geht es los in Hopsten, auch Coesfeld, Lotte, Metelen, Geldern oder Ibbenbüren stehen schon auf der Liste der rund 30 Veranstaltungen für dieses Jahr. Dabei muss es gar nicht in einem Ort oder auf dem Dorfplatz sein, denn die Bühne benötigt keinen Strom, nur eine einigermaßen ebene Fläche. »Wir gehen dahin, wo die Natur am schönsten ist und wo die Leute gerne hinkommen«, meint Netta und hat deshalb auch die Fiets-Konzerte eingerichtet, an Stellen, wo die Leute mit dem Fahrrad hinkommen können. Diese Niedrigschwelligkeit ist der Schlüssel zum Erfolg, die Kunst und Kultur nicht so experimentell, wie Netta es in der Großstadt machen würde – Jazz ist aber natürlich trotzdem dabei.
»Die beste Brücke, die ich bisher habe bauen können, ist, Volkslieder in den Jazz zu nehmen«, erzählt er. »Wir können richtig gut improvisieren über diese Schemata und hochkarätigen Jazz abliefern.« Und das Publikum würde die Melodien kennen und so verstehen, was dort geboten würde. Überhaupt sei die Wertschätzung für sein Projekt immens, »als Künstler bin ich darauf angewiesen, ein Publikum zu haben, was das wertschätzt, was ich mache«. Die Konzerte auf der Bonsai-Bühne seien eine sehr schöne, direkte Art mit den Menschen zu kommunizieren, sie seien aber auch sehr direkt, meint Netta: »Wenn denen was nicht gefällt, dann kriegst du das sofort mit.«
DIE NÄCHSTEN TERMINE:
14. MAI HOPSTEN,
16. MAI COESFELD,
21. JUNI LOTTE






