Auch in ihrem zweiten Jahr als Leiterin des »Impulse Festivals« setzt Franziska Werner auf die Widerstandskraft des Theaters und der Freien Szene.
Nicht nur die Welt befindet sich gerade im Krisenzustand. Auch das Theater und vor allem die Freie Szene haben zu kämpfen. Noch 2025 hatte sich Franziska Werner, die das traditionsreiche und weit über die Grenzen NRWs beachtete »Impulse Festival für Performance, Theater und Tanz« bis 2027 leitet, in persönlichen Gesprächen Sorgen gemacht, wie sich Kürzungen auswirken werden. Nun, etwa ein Jahr später, Entwarnung zu geben, würde ein falsches Signal senden. Denn gerade Kürzungen vonseiten des Bundes treffen die Szene hart. Dennoch beweist die diesjährige Auswahl die Resilienz der Freien Szene und setzt ein kleines Zeichen der Hoffnung.
Im Zentrum steht der Showcase: Eine Jury hat mehr als 500 Produktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesichtet und zehn von ihnen ausgewählt. Zu diesen gehören Tanz-Arbeiten wie Sheena McGrandles »Toil« (3./4. Juni, FFT, Düsseldorf), die das Körperliche des Tanzes betont und erkennen lässt, das Kunst immer auch Arbeit ist, und Veza Fernández »Chantal, the body is a text longing for perspective« (6./7. Juni, Tanzhaus NRW, Düsseldorf). Aber auch das bizarre Musical »Pizza oder Eine Tür in der Dunkelheit tanzt nicht« (6./7. Juni, FFT). Für diese Arbeit des Nature Theater of Oklahoma wurde in der kleinen, im Umland von Graz gelegenen steierischen Gemeinde Höf-Präbach ein Theaterraum geschaffen. Wie so oft in den Werken von Kelly Copper und Pavol Liška, die das New Yorker Kollektiv 2004 gegründet haben, vermischen sich auch in dieser Musik- und Tanz-Performance nicht nur künstlerische Stile. Auch die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, Vision und Realität wird durchlässig, wenn sich bei einer Party eine Tür zum Reich der Toten öffnet.
Eine Bühne für die Musik
Musik spielt in vielen der Showcase-Arbeiten eine erstaunlich große Rolle. Es scheint fast so, als ob die Freie Szene bei ihrer Suche nach einer Sprache, die Spaltungen überwinden und Verbindungen herstellen kann, verstärkt auf Musik setzt. Von dieser Entwicklung zeugt nicht nur »Pizza oder Eine Tür in der Dunkelheit tanzt nicht«. Mit »tIED tO tONES« (10./11. Juni, Oval Office, Schauspielhaus Bochum), »Der Soldat – ein Übergangsritual« (12./13. Juni, Ringlokschuppen Ruhr, Mülheim) und die Dokumentartheater-Produktion »Yoldaş – Frauen, die einander halten« (17. und 18. Juni, Comedia, Köln) gastieren gleich drei Konzert-Performances beim Festival. Und jede von ihnen zeigt auf, was im Musiktheater sowohl musikalisch als auch inhaltlich möglich ist.
2025 hatte Franziska Werner mit dem Themenschwerpunkt »Post-West« eine zweite große Programmlinie eingeführt, die sie nun noch einmal erweitert. So stehen neben deutschen Produktionen auch Arbeiten aus Polen und der Slowakei. Eröffnet wird das Festival am 3. Juni mit Magda Szpechts Soloperformance »She stands in the Middle of the Battlefield« (auch am 4. Juni im FFT). Anhand von Texten und Nachrichten einer ukrainischen Künstlerin, die sich dafür entschieden hat, als Soldatin am Verteidigungskrieg gegen die russische Invasion teilzunehmen, zeichnet die polnische Regisseurin und Theatermacherin nicht nur ein überaus intensives Bild des Krieges. Sie zeigt auch sehr deutlich, was es bedeutet, sich in ein patriarchalisches System, wie es das Militär ist, einzuordnen. Dabei verweigert die Performance einfache Antworten und macht die Zerrissenheit der kämpfenden Künstlerin für das Publikum fassbar.
IMPULSE FESTIVAL
3. BIS 21. JUNI
DÜSSELDORF, BOCHUM, MÜLHEIM, KÖLN






