Das Festival »Bildstörung« macht die Stadt Detmold zu einer weitflächigen Bühne für Straßentheater. Vom 22. bis 25. Mai beleben 24 Gruppen aus neun Ländern den öffentlichen Raum durch Zirkus, Tanz, Theater und Performance.
Wer Filme, Fernsehen oder Video schaut, dem kommen Bildstörungen höchst ungelegen. In der Medientheorie hingegen ist der Begriff positiv besetzt – hier signalisieren solche Irritationen einen willkommenen Ausweg aus der gewohnten, häufig in Stereotypen erstarrten Wahrnehmung. Störung als Strategie, um kreative Impulse in den öffentlichen Raum zu bringen, diese Methode erprobt das KulturTeam der Stadt Detmold schon seit 1991 mit einem Straßentheater-Festival. Vom 22. bis 25. Mai verwandelt die nächste »Bildstörung« Straßen, Parks und Plätze der Stadt in Ostwestfalen-Lippe in eine Bühne für Zirkus, Tanz, Theater und Performance.
24 Gruppen aus neun Ländern machen das Festival zu einem Ereignis von internationalem Format. Was den Umfang des Programms angeht, kann Detmold zwar nicht konkurrieren mit Straßentheater-Größen wie dem französischen Festival d’Aurillac oder der spanischen FiraTàrrega. Doch neben dem ausgezeichneten Programm punktet das Festival auch mit der Verwurzelung in der Stadtgesellschaft – von der Feuerwehr bis zu den Einzelhändlern, die ihre Flächen zur Verfügung stellen. Und mit dem »Hangar 21«, einer ehemaligen britischen Flugzeughalle, verfügt die Detmolder »Bildstörung« über ein Produktionszentrum für neue Formate, angesiedelt zwischen bildender und darstellender Kunst.
Der Rattenfänger von Detmold
Für einen »Happy Hype« will das Schweizer Kollektiv Ouinch Ouinch x Mulah sorgen. Seine Produktion bringt ein pulsierendes, queeres Tanzritual auf die Straße. »Happy Hype« basiert auf dem »Hype Call« aus der Krump-Kultur der 1990er Jahre in Los Angeles – Tänzer*innen geraten hier durch kollektive Ermutigung in Trance. Um Kontrollverlust und die Sogwirkung von Musik geht es auch beim »Rattenfänger von Hameln«. Das spanische Kollektiv Losinformalls verlegt die mittelalterliche Sage in seiner Show »Extra Motivated People« in die Straßen von Detmold. Anstatt mit einer Flöte verführt Losinformalls die Passanten mit seinem magischen Sound zum Tanzen.
Als Gegenpol zu Akrobatik und dynamischen Choreografien zelebriert Pieter Post in seinem Clownerie-Solo »The Turtle« die Entdeckung der Langsamkeit. Der niederländische Regisseur und Schauspieler tritt mit einer Schildkröte auf, die extrem gemessenen Schrittes über ein Holzbrett spaziert. Seine Straßentheater-Lektion in Sachen Müßiggang bereichert Pieter Post um Zitate von Kant, Schopenhauer oder Oscar Wilde.
Auch Roman Škadra verankert seine Show im Philosophischen. Der in Berlin lebende slowakische Künstler bezieht sich mit seiner Performance »Absurd Hero« auf den ›Mythos von Sisyphos‹ des Existenzialisten Albert Camus. In bester Slapstick-Manier ringt Škadra mit einer 25 Kilo schweren Eisenkugel – ein Gleichnis für Erfolg, Scheitern und den Sinn vermeintlich sinnloser Anstrengung.
Wie brillant Clowns auf der Klaviatur des makabren Humors zu spielen vermögen, demonstrieren »Los Galindos« aus Barcelona mit ihrem Stück »MDR – Death of laughter«. Nach dem Tod eines Zirkusbesuchers, der buchstäblich vor Lachen gestorben ist, beschließen die Clowns Melon, Mardi und Rossinyol radikale Gegenmaßnahmen: Um einer Lachvirus-Epidemie Einhalt zu gebieten, bereiten sie die öffentliche Exekution eines Kollegen vor. Von Heiterkeit zu Hinrichtung ist es bei »Los Galindos« nur ein kleiner Schritt.
»BILDSTÖRUNG – STRASSENTHEATER-FESTIVAL DETMOLD«
22. BIS 25. MAI






