Wie geht es beim renommierten Kunstprojekt in der Synagoge Stommeln weiter? Das fragte man sich schon lange. Jetzt ist klar: Die Stadt gibt sogar mehr Geld und stellt das Projekt neu auf.
Rosemarie Trockel, Jannis Kounellis und Sol LeWitt, Rebecca Horn und Richard Serra, Daniel Buren, Mauricio Cattelan oder Gregor Schneider: Was sich liest wie die Einladungsliste für eine internationale Kunstausstellung, ist nur ein Teil der Künstler*innen, die sich in 35 Jahren in einem 8.500-Einwohner-Ort ganz in der Nähe von Köln eingefunden haben, um ein besonderes Gebäude zu bespielen: Die Synagoge in Stommeln gehört zu den wenigen in Deutschland, die die Pogrome von 1938 überdauerten — weil die jüdische Gemeinde des Ortes sich schon zuvor aufgelöst hatte. Das Gebäude wurde einem Landwirt verkauft, der es als Lager nutzte, den erkennbaren Charakter als Synagoge verlor es.
Erst Ende der 1970er Jahren tauchte die Synagoge wieder im Bewusstsein der Bevölkerung auf, wurde dann von der Gemeinde Pulheim, zu der Stommeln gehört, gekauft, renoviert und als Kulturraum genutzt. Ab 1991 begann die Stadt Pulheim, jährlich international renommierte Künstler*innen einzuladen.
Der Klang von Brieftauben-Flügen
Die Auseinandersetzung mit dem Gebäude und seiner Geschichte stand dabei immer im Mittelpunkt. So durchstach Rebecca Horn den Raum 1998 mit einem goldenen Stab. Sol LeWitt schränkte ihn 2005 mit einer überdimensionalen Mauer ein. 2006 sorgte Santiago Sierra für massive Proteste, als er Autoabgase in die Synagoge einleiten ließ, die Kunstaktion wurde abgebrochen. Und 2014 tarnte Gregor Schneider das Bethaus vollständig unter der Fassade eines Einfamilienhauses. Zunächst coronabedingt gab es seit 2019 gar keine Kunstaktion mehr, dann, 2025 übersetzte Olaf Nicolai den Flug von Brieftauben in Klänge.
Über Jahrzehnte war das Synagogenprojekt eng verbunden mit der Kulturdezernentin der Stadt, Angelika Schallenberg, die jetzt in Ruhestand geht. Nicht nur in Stommeln war die Sorge groß, dass das Projekt mit ihrem Fortgang sterben könnte. Auch wenn das unbegründet war, wie seitens der Stadt Pulheim betont wird, da das Projekt nie zur Disposition stand, hat der Rat der Stadt dem nun einstimmig ein Zeichen entgegengesetzt: 50.000 Euro wurden pro Jahr im Doppelhaushalt 2026/27 eingestellt, statt rund 19.000 in den Vorjahren. Dabei soll das Kunstprojekt nicht nur weitergeführt, sondern auch neu aufgestellt werden. Künftig sind drei Programmpunkte geplant: das jährliche künstlerische Hauptprojekt in der Synagoge, dazu kleinere Interventionen sowie ein Diskurs- und Vortragsprogramm.
Die Leitung liegt weiterhin bei der Stadt, ein Kunstbeirat ist unterstützend tätig und mindestens solange es noch keine Nachfolge für die bisherige Kulturdezernentin gibt, wird Künstler und Beiratsmitglied Mischa Kuball stärker eingebunden, als er es früher schon war. Seit Langem ist er engagiert in dem Projekt, bespielte die Synagoge selbst 1994 mit gleißendem Licht und war eine Art »Schattenkurator«, der mit Rat und Kontakten zur Seite stand.
»Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dass wir uns alle um das Thema kümmern, wie wir mit diesem Erbe umgehen«, erklärt Kuball sein Interesse. »Und wir müssen überlegen, wie wir uns gegen populistische Übernahmen oder möglicherweise auch antisemitische gesellschaftliche Entwicklungen wehren.« Deshalb, so Kuball, sollten mehrere Personen in Form des Beirates über die Bespielung der Stommelner Synagoge entschieden.
Mit Blick in das Archiv der künstlerischen Positionen sei es dem Beirat und ihm besonders wichtig, jetzt mehr auf Künstlerinnen zu blicken. Man hätte eine lange Liste und schon eine Künstlerin gebeten, sich mit einer Intervention im Frühherbst zu beschäftigen. Kuball ist sich der Verantwortung bewusst, die auf ihn und den Beirat zukommt: »Es ist ein wahnsinniger Vertrauensvorschuss der Stadt Pulheim und des Oberbürgermeisters, dass wir dieses Projekt weiterentwickeln dürfen, das diese unfassbare Qualität hat. Das ist schon toll.«
TERMINE IN DER SYNAGOGE STOMMELN:
7. MAI, VORTRAG VON URSULA FROHNE
24. MAI, PERFORMANCE DER KÜNSTLERIN DANIELA GEORGIEVA



