Was ist in diesem Jahr beim Theaterfestival Impulse besonders ungewöhnlich und interessant? Sascha Westphal hat drei Tipps zusammengestellt.
Abschied und Neuanfang
»Bruchovravy« Dávid Koronczi lädt in Düsseldorf zu einer Dinner Performance ein.
Seit einigen Jahren lädt der slowakische Künstler Dávid Koronczi zu einer Performance ein, bei der Essen und Kunst, das leibliche Wohl und politische Überlegungen, Hand in Hand gehen. In Düsseldorf trägt seine Arbeit nun den Untertitel »Three Songs, Three Dishes« und verweist damit nicht nur auf das dreigängige Menu, das zubereitet wird, sondern auch auf die drei Lieder, die die als ›timmi‹ bekannte Opernsängerin Adriána Vančová vor jedem der Gänge vorträgt. Ihre Auftritte wie das Essen beschwören das Ritual eines Trauermahls. So fordert Koronczi das Publikum auf, sich gemeinsam Gedanken über das Ende der Welt zu machen – und über unsere Zukunft.
4. und 5. Juni im FFT Düsseldorf

Go West
Das Kollektiv »Das Letzte Kleinod« hält mit seinem Eisenbahntheater »Hüttenwerk« erstmals in Duisburg.
Zum ersten Mal sind die Impulse in Duisburg zu Gast – genauer gesagt im Landschaftspark Duisburg-Nord. Denn von Frankfurt/Oder führt der Weg eines belandenen Güterzugs direkt hierher: Das Publikum kann dort von Flachwagen zu Flachwagen gehen, während die Künstlergruppe »Das letzte Kleinod« Geschichten von Stahlarbeiter*innen aus Eisenhüttenstadt erzählt und zugleich die komplexen wirtschaftlichen Verbindungen zwischen der BRD und DDR nachzeichnet. Auf Basis von Interviews mit 20 Arbeiter*innen ist ein faszinierendes Stück Dokumentartheater entstanden, das gerade im Ruhrgebiet mit seiner Stahl- und Kohlegeschichte eine besondere Resonanz entwickelt. Zudem vermittelt das Spiel auf den Waggons und um sie herum einen einzigartigen Eindruck vom Alltag der Stahlarbeiter*innen.
11., 12. und 13. Juni im Landschaftspark Duisburg-Nord am Hochofen 5

Acht Stunden sind kein Tag
Nihan Devecioğlu gastiert mit ihrer Konzert-Performance »Yoldaş – Frauen, die einander halten« in Köln.
Natürlich wissen wir alle um die Gastarbeiter*innen, die in den 1960ern und 70ern nach Deutschland kamen, um in den großen Fabriken wie denen von BMW zu arbeiten. Doch ihre Geschichten kennt kaum jemand. Gegen diese Marginalisierung von Menschen wendet sich die Opern- und Konzertsängerin Nihan Devecioğlu, die selbst als Kind türkisch-stämmiger Arbeiter*innen in München aufgewachsen ist. In ihrer Konzert-Performance verbindet sie nicht nur musikalische Traditionen wie die westliche Klassik mit türkischer Sufi- und Volksmusik. Sie verknüpft auch dokumentarisches Filmmaterial aus dem BMW-Werk mit den Geschichten dreier Gastarbeiterinnen zu einem berührenden Porträt vergessener und übersehener Leben.
17. und 18. Juni im COMEDIA Theater, Köln






