Einigkeit auf Schloss Moyland: Das Land NRW zahlt 3,25 Millionen Euro für einen Deal zwischen den Beuys-Erben und der Stiftung Museum Schloss Moyland. Dafür bekommt das Museum endlich die Nutzungsrechte an Beuys-Werken und Archivalien seiner eigenen Sammlung.
Der Schamane im TV-Studio: Am 11. Dezember 1964 konnte man live miterleben, wie Joseph Beuys in der Sendung »Die Drehscheibe« eine Fettecke anlegte – kriechend mit Margarine im Bretterverschlag. Und wie mit Rostschutzmittel und Schokolade der Satz »Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet« niedergeschrieben wurde. Leider gibt es keinen Film der Aktion, doch 18 Bilder, denn Manfred Tischer war mit der Kamera vor Ort.
Wie gut, dass das Museum Moyland Tischers Fotos nun erwerben konnte für seine Sammlung – mit 6.000 Beuys Werken, rund 50.000 Aktionsfotos und unzähligen Archivalien ist sie eine der weltweit größten zu Beuys. Allerdings war die Freude nicht von Dauer, als man Tischers Zeitdokumente 2009 erstmals öffentlich präsentierte. Denn Künstler-Witwe Eva Beuys schritt ein, wie so oft, und ließ die Bilder von der Wand nehmen. Nur ein Beispiel von etlichen. Abgehängte Fotos, eingestampfte Publikationen, Kataloge, die nicht in den Handel durften, einstweilige Verfügungen und Gerichtsverfahren durch die Instanzen. Der Fall Tischer endete übrigens nach langen Urheberrechtsstreitigkeiten vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe, der 2013 entschied, dass das Museum die Fotos doch zeigen darf.
Neue Möglichkeiten
Ob Verlage oder Autor*innen, Museen oder Fotograf*innen – wer mit Beuys und Bildrechten zu tun hat, kennt die Steine, die einem vor die Füße fallen können. Denn Nutzungsrechte liegen primär beim »Beuys Estate«, sprich bei den Erben – bei der Witwe und den Kindern Wenzel und Jessyka. Und die machen reichlich Gebrauch davon. Besonders rigoros in Moyland, was wohl mit einem alten Zerwürfnis zwischen Erben und Stiftern zusammenhängt: Eva Beuys bestreitet, dass alle Werke, Archivalien und Dokumente, die in die dortige Stiftung kamen, Eigentum der Stifterfamilie van der Grinten gewesen seien. Joseph Beuys habe den Brüdern van der Grinten vieles nur zur Aufbewahrung übergeben oder zum Kauf angeboten, aber nie Geld dafür erhalten. Dass die Wogen nun wohl geglättet werden konnten, hatte seinen Preis: Das Land machte 3,25 Millionen Euro für die Stiftung Museum Schloss Moyland locker. Sie gingen an die Erben, damit die Stiftung künftig über Nutzungsrechte an den eigenen Beuys-Beständen verfügt. Kunstwerke, Aktionsfotos und Archivmaterial – alles darf das Museum jetzt in eigener Regie so oft, so viel und so lang wie gewünscht ausstellen, abbilden, publizieren und international entleihen. Ins Internet stellen, über Social Media verbreiten und zur Werbung in eigener Sache heranziehen. Damit eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Als NRW-Kulturministerin Ina Brandes diesen »Befreiungsschlag für die Kunstwelt« verkündete, versäumte sie nicht, auch den Erben für den Durchbruch nach zähen Verhandlungen zu danken. »Davon wird die wissenschaftliche Forschung ebenso profitieren wie die zahlreichen Besucherinnen und Besucher des Museums Moyland, die das Werk ohne Einschränkungen erleben können.«
Auf der Agenda in Moyland steht nun der Aufbau einer Online-Datenbank und ein Werkverzeichnis zur Beuys-Sammlung. Man ist froh, dass das Museum endlich auch als Leihgeber auftreten kann. Für März 2027 sei eine erste größere Ausstellung mit Moyländer Beständen in den Hamburger Deichtorhallen geplant, so Direktorin Antje-Britt Mählmann. Auch freut sie sich auf die nächste Biennale in Venedig, wo die Beuys-Sammlung mit Arbeiten vertreten sein werde. Sie sieht sich bereits bei der Preview in Italien – mit ihrem Team. In Beuys-T-Shirts. Der PR-bewusste Künstlerstar hätte bestimmt seine Freude am Auftritt.






