Für das Ausstellungsprojekt »Rom. Rom? Rom!« haben Studierende der Kunstakademie Düsseldorf die Räume im Beuys-Haus erobert. Ein Gespräch mit Professorin Danica Dakić.
kultur.west: Frau Dakić, Sie haben gemeinsam mit Elza Czarnowski ein Ausstellungprojekt im Beuys-Haus begleitet. Wie reagiert eine junge Generation von Video- und Filmkünstler*innen der Akademie auf eine so dichte historische Kulisse, die das Beuys-Haus bietet?
DANICA DAKIĆ: Sehr unterschiedlich – inhaltlich, medial und formal. In der Lehre geht es immer auch darum, ausgehend von einem historischen Erbe gegenwärtige und zukünftige Fragen zu stellen. So kann und soll ein solcher Ort der Geschichte zum Ausgangspunkt einer immer neuen künstlerischen und diskursiven Auseinandersetzung werden.
kultur.west: Das Rom-Projekt lief über vier Jahre und hat Ihre Klasse an unterschiedliche Orte geführt: Vom Untergeschoss eines leerstehenden Elektronikgeschäfts bis in die Räume des Beuys-Hauses. Wie hat der Ortswechsel die Ästhetik und Wirkung der Arbeiten geprägt?
DAKIĆ: Der Ortswechsel war ein wesentlicher Teil des Projekts, das sich über mehrere Jahre und vier Stationen zwischen Rom und Düsseldorf entwickelt hat. Bereits produzierte Arbeiten wurden immer wieder weiterentwickelt und neu mit den jeweiligen Räumen in Dialog gebracht. Zugleich entstanden neue, für den jeweiligen Ort konzipierte Werke und Performances. So blieb »Rom. Rom? Rom!« in Bewegung und verdichtete sich zu einer komplexen künstlerischen Erzählung.
kultur.west: Die studentischen Arbeiten brechen die klassische Rom-Sehnsucht konsequent an aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Migration oder Ökologie. Warum war Ihnen dieser politische Bezug wichtig?
DAKIĆ: Der politische Bezug war keine Vorgabe. Das Projekt bot den Studierenden die Möglichkeit, individuell oder in der Gruppe historische Bilder und Erzählungen aufzugreifen, zu hinterfragen und mit ihrer eigenen Gegenwart zu verbinden. Rom ist dabei nicht nur eine historische Projektion, sondern eine moderne Stadt, in der sich vergangene und gegenwärtige Machtverhältnisse, Konflikte und Formen des Zusammenlebens überlagern. Die Arbeiten zeigen, dass die Beschäftigung mit Geschichte immer auch eine Frage danach ist, wie wir unsere Zukunft imaginieren können. Das kann Kunst.
kultur.west: Zum Abschluss des Projektzyklus gibt es nun eine Publikation. Welche Bedeutung hat dieses gedruckte Archiv für Sie und Ihre Klasse?
DAKIĆ: Ein Buch zu machen ist immer eine Möglichkeit, auf einen gemeinsamen Prozess zurückzublicken, ihn zu reflektieren und daraus zu lernen. Und diese Ausstellung mit ihren vier Stationen war ein solcher Prozess: Die Arbeiten haben sich von Ort zu Ort weiterentwickelt und immer wieder neue Zusammenhänge geschaffen. Das Buch bringt diese unterschiedlichen Momente zusammen und ist für mich etwas sehr Kostbares. Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, diesen Prozess in einem Buch sichtbar zu machen, und hoffe, dass die Beteiligten, wenn sie vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren noch einmal hineinschauen, darin etwas entdecken werden, das sie heute noch gar nicht sehen können. Und ich wünsche mir, dass unsere Ausstellung in Bewegung durch dieses Buch weiterlebt und vielleicht auch für andere zu einer Inspiration wird.

Danica Dakić (Jahrgang 1962) ist eine bosnische Künstlerin, die vorrangig mit Videokunst, Installation und Fotografie arbeitet. Von 2011 bis 2022 war sie Professorin an der Bauhaus-Universität Weimar, seit 2022 lehrt sie als Professorin für Film und Video an der Kunstakademie Düsseldorf. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf und Sarajevo.
Zum Abschluss des Ausstellungsprojekts ist im Verlag der Kunstakademie Düsseldorf ein Katalog erschienen. Für viele der beteiligten Künstler*innen – Studierende und Alumni – ist dies die erste Publikation überhaupt. Und auch für die Moll Stiftung ist es eine Premiere: der erste Ausstellungskatalog. Das Buch ist in limitierter Auflage erschienen und kann per E-Mail an post@brunhildemollstiftung.de bestellt werden.



