Die Familie Bronner erhält den Art-Cologne-Preis 2026. Aus einer privaten Leidenschaft ist in Düsseldorf mit der Sammlung Philara ein öffentlicher Ort für Gegenwartskunst entstanden.
Diese Leidenschaft ist erblich – so zumindest scheint es mit Blick auf die Bronners. Drei Generationen sammeln mit bemerkenswerter Hingabe zeitgenössische Kunst. Und das nicht für sich allein – fürs Depot oder für die Wände der eigenen Wohnung. Ihre Sammlung hat seit zehn Jahren ein eigenes Haus in Düsseldorf, das jede*r besuchen kann. Jetzt bekommt die ganze Familie dafür den Art-Cologne-Preis für Kunstvermittlung. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an Anat und Gil Bronner, an Gils Eltern Cary und Dan sowie an die Kinder beziehungsweise Enkel Philip und Lara, von denen das Sammlungshaus in Düsseldorf-Flingern seinen Namen hat – »Philara«.
Begonnen hatte die Geschichte mit Gil Bronners Eltern: Dan und seine Frau Cary kauften seit den 1960er Jahren vor allem Kunst der Klassischen Moderne, sie gründeten auch eine Stiftung und legten damit den Grund für Philara. Sohn Gil schlug zunächst einen etwas anderen Weg ein. Nach dem BWL-Studium arbeitete er als Projektentwickler unter anderem in Leipzig, wo er Mitte der 1990er Jahre mit der Szene rund um die damals steil aufsteigende »Neue Leipziger Schule« in Kontakt kam. Aus dem eher gelegentlichen Kunstkauf wurde auch bei ihm schnell eine Leidenschaft. Bald verband sich sein Faible für Kunst mit seinem professionellen Interesse an Stadtentwicklung: Er schuf Atelierhäuser und Kulturräume, auch in Düsseldorf.
Kunst an Bahngleisen
Entscheidend für den großen Schritt in die Öffentlichkeit war 2009 die Entdeckung der alten Glasfabrik Lennarz an der Birkenstraße. Gil Bronner hatte das Areal im Szeneviertel Flingern samt Fabrik und Brombeersträuchern an Bahngleisen gekauft. Zunächst wollte er nur in einem Flügel mit seiner Sammlung einziehen, entschied sich dann aber doch, das ganze Gebäude für die Kunst herzurichten. »Ich muss wohl etwas geistig umnachtet gewesen sein«, so hat er es im Rückblick einmal kommentiert. Denn den Aufwand, den so ein Projekt mit sich bringe, habe er erheblich unterschätzt.
Nach dem gründlichen Umbau feierte Philara 2016 Eröffnung: Mit Ausstellungssälen und Kabinetten auf 1700 Quadratmetern, dazu einer Dachterrasse mit Skulpturen, einem Café und Künstler-Appartements. Der einstige Hinterhof wandelte sich sehr schnell zur angesagten Kunstadresse, wo auch Konzerte, Theater und Partys Platz finden. Wie weit und vielfältig dieser Kunstkosmos inzwischen geworden ist, beweist dort aktuell die Jubiläumsausstellung »House of Balagan«, die Ankäufe aus drei Generationen vereint. Einen roten Faden gibt es für die Bronners beim Sammeln ausdrücklich nicht. Malerei und Skulptur treffen auf Fotos, Zeichnung, Grafik und Installation. Rund 100 Werke von über 80 Künstler*innen vereint die Schau. Dabei ist der Titel Programm: Das heute als israelisches Slang-Wort weit verbreitete »Balagan« steht für Chaos.
Ein kreatives Durcheinander ist diese Ausstellung – und sie erzählt nebenbei auch die Geschichte des Sammelns selbst. Miguel Ángel Campanos »Der Seher« etwa war Anfang der 1990er Jahre in Barcelona der erste gemeinsame Ankauf von Gil und Anat Bronner. Ignacio Uriartes »Ringbinder Circle« aus 180 Leitz-Ordnern erinnert an den früheren Standort der Sammlung in den ehemaligen Leitz-Werken. Fotos von Christoph Westermeier führen sogar in die Wohnungen der Familie. Vielleicht liegt genau darin die besondere Qualität ihres Engagements: Die auf 2000 Werke gewachsene Sammlung bleibt persönlich – ohne privat zu sein.
5. BIS 8. NOVEMBER 2026
MESSE KÖLN
HOUSE OF BALAGAN
BIS 14. FEBRUAR 2027
SAMMLUNG PHILARA, DÜSSELDORF






