Das Theater Bielefeld zeigt William Ward Murtas »The Birds of Alfred Hitchcock«. Ein Musical über Machtmissbrauch in Hollywood, mit packender Musik und visueller Kraft.
Die Schauspielerin Tippi Hedren wacht auf. Sie befindet sich in einer Nervenheilanstalt. Bei den Dreharbeiten zu ihrem ersten bedeutenden Kinofilm ist sie zusammengebrochen. Einem Pfleger erzählt sie die Geschichte, wie der geniale Regisseur Alfred Hitchcock sie gequält und belästigt hat, wie er die junge Frau zu seinem Geschöpf formen wollte. »The Birds of Alfred Hitchcock« ist ein spannendes Musical über Machtmissbrauch in Hollywood, mit packender Musik und starken Schauwerten.
Dass am Theater Bielefeld so viele originelle Musicals in hoher Qualität aufgeführt werden, liegt an einem Mann. William Ward Murta war hier unfassbare 38 Jahre Kapellmeister und ist weiterhin als Gast aktiv. Neben seinen vielen Arrangements und Ausgrabungen – natürlich hat er auch Musical-Klassiker dirigiert – hat er auch einige Stücke komponiert. Wie »The Birds of Alfred Hitchcock«, in dem es wuchtige Szenen und witzige Nummern gibt, viel Gefühl und ein bisschen Ironie.
Kritische Hommage
Für Filmfans ist es besonders spannend, dass Murta den Sound der typischen Filmmusik zitiert, die meist Bernard Herrmann für Hitchcock komponiert hat (bei »Die Vögel« war er allerdings nur beratend dabei). So wird das Musical zu einer kritischen Hommage an den Meister des Spannungskinos.
Die Geschichte erzählt von den Dreharbeiten. Auf der Bühne ist zu sehen, wie einige zentrale Szenen aufgenommen wurden, der Angriff der Vögel auf eine Telefonzelle zum Beispiel. Damit Tippi Hedrens Entsetzen glaubwürdig wirkt, wurden reale Vögel auf sie geworfen. Zum Teil befestigte man die panischen Tiere an ihrer Kleidung, damit sie nicht wegfliegen konnten. Das entspricht den historischen Tatsachen – ebenso wie die Obsession Hitchcocks, seine Hauptdarstellerin auf Schritt und Tritt zu bewachen. Tippi Hedren war durch einen langfristigen Vertrag an ihn gebunden und hatte kaum Erfahrung in Hollywood. Es war für sie ein heftiger Kampf gegen einen übermächtigen Gegner.
Hitchcock tritt dabei nur als Schatten oder Projektion auf. Thomas Wehling leiht dem Regisseur seine Stimme. Mit viel Energie und glaubwürdiger Verzweiflung spielt und singt Lara Hofmann die junge Schauspielerin, während Christina Huckle als charismatische Jessica Tandy ihre ganze Bühnenerfahrung nutzt, um Hitchcock die Stirn zu bieten. Drehbuchautor Evan Hunter (Nikolaj Alexander Brucker) – besser bekannt unter seinem Krimi-Pseudonym Ed McBain – verliebt sich ein bisschen in Tippi und versucht, ihr zu helfen. Hier hat sich William Ward Murta, der auch das Libretto mitverfasst hat, ein paar fiktionale Freiheiten genommen.
Michael Heicks inszeniert das Musical mit viel Gespür für Dramatik und Gags. Vor allem kommen die ausgezeichneten Videos von Sascha Vredenburg der bedrohlichen Ausstrahlung der Vögel im Original sehr nahe. Und ein Ausflug von Tippi und Evan am Wochenende ist wie ein Film aus den Fünfzigern gedreht, bis zur Farbgebung und der Schnitttechnik. »The Birds of Alfred Hitchcock« steckt voller origineller Feinheiten und ist enorm bühnenwirksam – ein anspruchsvolles und begeisterndes Musical in Bielefeld.
»THE BIRDS OF ALFRED HITCHCOCK«
8. NOVEMBER, 2. DEZEMBER UND WEITERE TERMINE






