Schon lange macht der Klangkünstler Christof Schläger Musik auf Maschinen. In diesem Jahr wird sein Atelier Klangraum-T auf einem Zechengelände in Herne zum Konzertsaal.
Maschinen machen Lärm. Nicht so für Christof Schläger, für ihn machen Maschinen Musik. Und er macht mit Maschinen Musik. Seit Jahrzehnten führt er in Deutschland und international Maschinenkonzerte auf. So bei der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, als er am Rhein-Herne-Kanal mit Betonpumpen, Baggern und Loks die spektakuläre Industrieoper »Schwingungen« aufführte oder das Eröffnungskonzert für das Helsinki Festival 2013 auf einem Schiff, an Land und aus Heißluftballons.
Dagegen mutet die Maschinenhalle der früheren Zeche Teutoburgia in Herne geradezu wie ein Kleinformat an.
Seit diesem Jahr veranstaltet er einmal monatlich Konzerte hier, beim nächsten unter dem Titel »Equinox« am 26. September sorgt ein erneuertes Instrument, der »Schwirrer 2.0«, für leise vibrierende Flächen. Christof Schläger spielt eigene Instrumente, hat aber auch einige Gäste eingeladen, die ihren ganz eigenen Sound beisteuern.
Orchester aus Magneten und Motoren
Jahrelang hatte er den »Klangraum-T« nur als Lager und Produktionsraum genutzt und von dort aus seine Aktionen organisiert. Nun aber hat er ihn umgestaltet zu einem Konzertraum. »Es hat insgesamt zweieinhalb Jahre gedauert, um diese Halle so zu inszenieren, dass die Maschinen, also meine Instrumente, richtig stehen, miteinander verbunden, verdrahtet sind«, sagt Schläger. Er hat überall pneumatische Luftanlagen installiert, »so dass ich schnell und effektiv auch kompositorisch an diesen Maschinen arbeiten kann«, beschreibt Schläger sein komplexes Instrumentarium. Wochenlang arbeitet er an manchen Kompositionen, denn die einzelnen Apparate, Magnete und Motoren müssen alle von ihm gesteuert werden – wie ein kleines Orchester, mit dem der Musiker eine Maschinen-Symphonie aufführt. Mit seiner Musik möchte er auch das alltägliche Leben reflektieren. »Wir leben in einem Kosmos aus Geräuschen, Apparaten, Geräten. Wir fahren auf Geräten, wir fliegen mit Geräten, Geräte machen unseren Kaffee. Alles macht Lärm, Geräusche, Krach«, erklärt er seine Motivation.
Dabei tauscht er die Instrumente in der Halle für neue Kompositionen auch aus, er besitzt etwa doppelt so viele, wie derzeit in der Halle stehen. Gemeinsam mit seiner Frau, der Dramaturgin Marjon Smit, arrangiert er dann die Instrumente neu, belichtet sie richtig für eine theatrale Inszenierung: »Einige sind über den Köpfen der Zuhörer, andere sind an der Wand montiert, andere stehen rechts und links, oder sie sind wie Tore, durch die man hindurchgehen kann«, beschreibt Schläger die räumliche Erfahrung im Klangraum-T.
Als der Musiker Mitte der 1980er Jahre die verlassene Zeche Teutoburgia entdeckte, war fast alles schon abgerissen. Nur der Förderturm und die Maschinenhalle standen noch – ein ideales Gelände für eine künstlerische Intervention. »Ich habe 20 Künstler eingeladen und wir haben in dieser Ruine der Maschinenhalle ein erstes Kunstprojekt gemacht«, erzählt er. »Das hieß ‚Betreten verboten‘, weil es eigentlich verboten war – aber im letzten Moment hatte der damalige Besitzer zugestimmt.« Damit begann die Umwandlung des Geländes in einen Kunstwald, ein Park, bei dem Kunstwerke nicht offensichtlich als Skulpturen erkennbar sind, sondern in die Struktur eingreifen, Wege verändern oder berankt werden. Dort hat er schon Festivals veranstaltet. Nun steht seine monatliche Konzertreihe an: »Die Massen dürfen hierhin strömen!«
NÄCHSTE KONZERTE IM HERNER KLANGRAUM-T:
26. SEPTEMBER, 24. OKTOBER, 28. NOVEMBER






