Das 42. Westwind Festival zeigt wieder ein so actionsreiches wie nachdenkenswertes Theaterprogramm für junges Publikum.
Ein tänzerisches Spiel mit fantasievollen Kostümen (ab 4), eine Krach-Krise auf der Baustelle (ab 8) und eine Bearbeitung von Georges Orwells Überwachungsstaat-Dystopie »1984« (ab 14) – das alles und viel mehr gibt es beim Westwind Festival, dem Festival für junges Publikum mit ausgewählten Kinder- und Jugendtheaterproduktionen aus Nordrhein-Westfalen. Das tourende Festival findet 2026 in Münster statt. Die künstlerische Leitung übernehmen das Junge Theater Münster und das echtzeit-theater.
Diese Zusammenarbeit zeigt wunderbar die Dynamik des Festivals: Städtische Häuser und freie Ensembles finden dort zusammen, zeigen bemerkenswerte Bühnenproduktionen und diskutieren gemeinsam, um neue Perspektiven für ein Theater für junges Publikum zu entwickeln. Das Junge Theater Münster »erzählt Geschichten, die nicht nur abbilden, was ist – sondern auch entwerfen, was sein könnte«, heißt es in der Pressemitteilung. Das echtzeit-theater »setzt auf radikale Nähe: direkt, offen, experimentierfreudig«. Theater meint da immer auch: mitdenken, mitreden, mitmachen. Und genau das will auch das Festival.
Welten im Miniaturformat
Im Wettbewerb stehen zehn Inszenierungen, ausgewählt von einer Fachjury aus 49 Bewerbungen. Am Ende entscheiden eine Kinder-, eine Jugend- und eine Erwachsenenjury über die drei mit jeweils 3.333 Euro dotierten Preise. Mit dabei sind Alfredo Zinola, der mit »Franje« ein Kostüm-Spektakel choreografiert, das Junge Schauspielhaus Bochum und PINSKER+BERNHARDT, die in »Krach – Songs für die Krise« die Abrissbirne auf die Bühne bringen, außerdem das Herner theaterkohlenpott mit ihrer an die 80er Jahre erinnernden Ästhetik in »1984«.
Daneben ist zum Beispiel auch das Armada Theater aus Velbert zu erleben. Das freie Kollektiv überrascht immer wieder mit Live-Kamera-Experimenten, Welten im Miniaturformat und brennenden Themen wie Klimawandel oder Digitalisierung. Diesmal lädt es mit »Mission Mopscom« ein zu einem Zeitreiseabenteuer zurück in eine Vergangenheit unter dem mysteriösen Herrscher Mopscom. Die Bühnenmittel diesmal: Livemusik und Bluescreen-Technik, Figurentheater und eine spannende Geschichte (ab 8).
Das LUTZ Hagen ist mit einer Produktion eingeladen, die als partizipatives Format zwischen Theatervorstellung, Ausstellung und Lesung changiert. In »Fotoalbum« (ab 13) werden Auszüge aus Liz Kesslers preisgekröntem Jugendroman »Als die Welt uns gehörte« gelesen. Der erzählt die Geschichte einer Dreier-Freundschaft, die mit dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland auseinandergerissen wird. Und dann geht es um die eigenen Geschichten, bekannte Menschen und Gedanken – um gemeinsam der Frage nachzugehen, wie Bilder unsere Meinungen beeinflussen.
Außerdem gibt es Erzähltheater – mit »1001 Nacht oder die Macht des Erzählens« von subbotnik am Mülheimer Theater an der Ruhr, ab 8, mit »Çay – eine Heimatsgeschichte« vom Kölner Theater c.t.201, ab 12, und mit »Das Gewicht der Ameisen« vom KJT Dortmund, ab 12. Und es gibt Tanzperformances mit der Kölner tanzfuchs Produktion, mit »Bäääm« für ein taubes und hörendes Publikum ab 4, und von der performing:group ebenfalls aus Köln, die in »Into it« mit Nähe und Distanz spielt und Tanz als offenen Prozess erlebbar macht.
Dieses vielversprechende Wettbewerbsprogramm wird ergänzt durch internationale Gastspiele aus Belgien und den Niederlanden und zwei Inszenierungen der gastgebenden Theater. Am 31. Mai steht ein inklusiver Familientag an allen beteiligten Spielorten auf dem Programm. Dazu gehören neben dem Theater Münster auch das Theater an der Meerwiese und das Theater im Pumpenhaus. Miteinander ins Gespräch zu kommen, ist wichtiger Bestandteil des Festivals. Diskutiert wird diesmal unter dem Motto »You belong here – Räume des Zusammenkommens gemeinsam gestalten« – unter anderem am 4. Juni beim Citizens Dinner.
30. MAI BIS 5. JUNI
JUNGES THEATER MÜNSTER, ECHTZEIT-THEATER MÜNSTER
WEITERE SPIELORTE: THEATER IN DER MEERWIESE, THEATER IM PUMPENHAUS






