In Nordrhein-Westfalen entsteht ein Netzwerk zum Thema Künstliche Intelligenz in Kunst und Kultur. Es soll sich mit Chancen wie mit Risiken der Technologie für Künstler*innen und das kulturelle Leben befassen. Die Landesregierung fördert den Aufbau bis Ende 2028 mit zwei Millionen Euro.
Unter dem Titel »K3 KI.Kunst.Kultur – NRW-Kompetenznetzwerk« haben sich 23 nordrhein-westfälische Institutionen aus Kultur, Wissenschaft und Kulturpolitik zusammengetan. Beteiligt sind Universitäten und Kunsthochschulen, der Kulturrat NRW und die Kulturpolitische Gesellschaft, das Literaturzentrum Burg Hülshoff und das Kulturforum Witten und sogar das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Gemeinsam wollen sie in ganz NRW Fort- und Weiterbildungen sowie künstlerische Residenzen anbieten; die Geschäftsstelle ist an der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund angesiedelt. Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) sagte bei der Pressekonferenz zum Start, Künstler*innen sollten gleichermaßen die Chancen Künstlicher Intelligenz nutzen und »die Risiken in den Griff kriegen« können.
Seit dem Herbst 2022 hat das Tempo der Digitalisierung auch im Kultursektor zugenommen, und die Nutzung von KI wurde massentauglich. Nach den Sprachmodellen ChatGPT, Gemini, Claude und Co. erschienen auch Bild- und Videogeneratoren wie Midjourney, Stable Diffusion oder Sora sowie die Musikprogramme Suno und Udio. Unbestreitbar hat das die kreativen Möglichkeiten auch von Künstler*innen enorm erweitert: KI-Anwendungen können einem viel Fleißarbeit abnehmen und als Sparringspartner im künstlerischen Prozess wertvoll sein.
Die Urheber*innen gehen leer aus
Gleichzeitig schätzen aktuelle Studien den Anteil KI-generierter Musikstücke am täglichen Songzuwachs von Streaming-Plattformen wie Spotify schon jetzt auf rund 40 Prozent. Auch zahlreiche Veröffentlichungen im derzeit beliebtesten Literatur-Genre »New Adult« sowie ausgerechnet bei Kinderbüchern sind bereits Erzeugnisse generativer Sprachmodelle; die Stimmen fürs Hörbuch liefert die KI gleich dazu.
Bei der Präsentation des neuen Netzwerks wies der Vorsitzende des Kulturrates NRW, Lorenz Deutsch, auf den Ur-Konflikt der Entwicklung hin: »Generative KIs arbeiten mit Material von Künstlerinnen und Künstlern, die mit Urheberrechten versehen sind. In den letzten zwei Jahren haben sich viele überrollt und durchaus auch ausgeraubt gefühlt.« Die anfangs zwei oder zehn, heute aber nicht selten 20 oder 50 Milliarden als »Trainingsdaten« bezeichneten Inhalte, die generativen Modellen zugrunde liegen, basieren vor allem auf kreativen Leistungen von Künstler*innen. KI-Anbieter setzen damit Milliarden um, während die Urheber*innen meist leer ausgehen.
So gefährdet KI massiv das Geschäftsmodell von Autor*innen und Sprecher*innen, Musiker*innen und Schauspieler*innen, Fotograf*innen und Filmschaffenden – und damit ihre berufliche Existenz. Auf lange Sicht könnte dieser Verlust menschlicher Kreativität für die Gesellschaft insgesamt zum Problem werden. Der Kölner Filmmusikkomponist Matthias Hornschuh hat dazu ein kluges Buch mit dem Titel »Wir geben uns auf« veröffentlicht. Darin heißt es am Ende: »KI … stößt auf eine unvorbereitete und uninformierte Gesellschaft mit einer ausgeprägten Neigung, Vertrauen zu schenken. Gerade das aber ist wirklich das Letzte, was wir tun sollten.« Wenn das neue Netzwerk des Landes hilft, diese Gefahr einzudämmen, hätte es Großes geleistet.






