Das Schauspiel Dortmund plant, ab 2027 ins ehemalige C&A-Gebäude am Ostenhellweg zu ziehen. Denn während eine Junge Bühne gleich neben dem Schauspiel neu entsteht, ist der Spielbetrieb nicht möglich. Im Dezember entscheidet der Rat über diese Interimlösung.
Schauspielintendantin Julia Wissert bekam gleich mal einen Anruf von der Pfarrerin der Dortmunder Reinoldikirche, die sich schon jetzt auf mögliche gemeinsame Projekte freut. Die Kirche liegt in direkter Nähe zum ehemaligen C&A-Gebäude am Ostenhellweg. Eben dorthin plant das Dortmunder Schauspiel 2027 umzuziehen, während die Bauarbeiten für den Neubau der Jungen Bühne gleich neben dem Schauspiel stattfinden. Sicher ist das noch nicht. Im Dezember entscheidet der Stadtrat über dieses Interimsquartier. Aber für Wissert wäre das Ex-C&A-Gebäude ein »super attraktiver Standort«, vor allem aufgrund der »unglaublich zentralen Lage«.
C&A ist mittlerweile an den Westenhellweg umgezogen. Das mehrstöckige Gebäude steht nun leer. Vom 17. Dezember bis 15. März 2026 zieht vorübergehend die Pop-Up-Ausstellung »House of Banksy – An Unauthorized Exhibition« über den Street-Art-Künstler ein. Für das Schauspiel werde im Souterrain die Spielstätte geplant, in der etwa 2.500 Quadratmeter großen dritten Etage des Gebäudes die Verwaltungsbereiche und die Werkstätten, erklärt Dortmunds Kämmerer und Kulturdezernent Jörg Stüdemann. Um die Flächen theatergerecht nutzen zu können, seien noch Umbauarbeiten durch den Vermieter erforderlich.
Raum für neue ästhetische Formate
Knapp 70 Personen würden aus der Schauspielsparte mit umziehen, darunter auch die Technik, das Garderoben- und das Maskenteam, die Requisite, das Künstlerische Betriebsbüro, die Dramaturgie und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. »Dann wäre das komplette Schauspiel-Team auf einer Ebene untergebracht, Technik und Kunst würden sich alle Räume vom Eingang bis zur Küche teilen«, freut sich die Intendantin und spricht von einer Art »Ferienlager-Vibe«. Sie könnten so anders in Kontakt kommen. Untereinander, vor allem aber auch mit der Stadtgesellschaft. Die Bühnensituation sei eine andere, mit dem Raum verändere sich auch die Kunst. Ein neuer Ort für ein neues Stadttheater? Wissert sieht auf jeden Fall spannende Möglichkeiten für neue ästhetische Formate, für Partys, für die gerade erfolgreich gestartete Reihe »Torte und Theater«, bei der das Publikum sonntags vor der Nachmittagsvorstellung zu Kaffee und Kuchen eingeladen wird.
»Das wird ein hoch attraktiver Spielort, der zusätzliche Frequenz in die Innenstadt bringt«, sagt Stüdemann. Im Gebäude wird es dann auch andere Mieter geben. Mischnutzungen sind für große Leerstände in den Innenstädten eine Möglichkeit. Und Kulturbetriebe wie das Schauspiel könnten die City beleben. »Wir öffnen unsere Arme«, verspricht Julia Wissert.
Bevor es 2027 möglicherweise in die östliche Innenstadt geht, bespielt das Schauspiel 2026 erst mal die Kokerei Hansa in Huckarde. Ab Juni ist mit der »Dreigroschenoper« dort die erste Produktion geplant. Das Gastspiel soll dort etwa ein Jahr dauern. Ob es danach ins ehemalige Kaufhaus an den Ostenhellweg geht, entscheidet der Rat.






