Diesmal mit Susanne Foellmer, der neuen Chefin im Deutschen Tanzarchiv Köln. Ihre Mission: Das Institut zu einem Forschungs- und Kompetenzzentrum Tanz NRW weiterzuentwickeln.
Sich bewegen heißt immer auch, im Dazwischen zu sein. Zwischen Orten, im Transit, befinde ich mich auf den Wegen zwischen Coventry und Köln – und mit einem halben Fuß noch in Berlin, wo mein Mann lebt. Nun wieder ein Neubeginn, in einer neuen Stadt, in Köln, für eine neue Arbeit. Köln ist eine freundliche Stadt, a welcoming place (ich bin erleichtert) und nach der dritten Pendelankunft stellt sich schon ein warmes Gefühl ein: Das hier ist nun mein Zuhause.
Ich bin neugierig, gespannt, freue mich und lerne gerade Menschen und Abläufe im Deutschen Tanzarchiv Köln kennen. Ich beginne, Pläne zu schmieden für das Forschungs- und Kompetenzzentrum Tanz NRW.
Das ist mein Traumjob! Als ich in England die Stellenbeschreibung las, wurde ich hellhörig. Ich dachte: Hier kann ich forschen und wirken! Und ein Zentrum entwickeln, das Forschung und zeitgenössischen Tanz einbezieht. Dazu habe ich Kontakt zu Archivalien plus kultur- und wissenschaftspolitischen Aktivitäten. Hier kann ich meine diversen Interessen miteinander verbinden. Das ist genau mein Ding.
Den Transformationsprozess hin zu Digitalisierung und nachhaltigem Archivieren hat das Institut schon 2022 eingeleitet in einer gemeinsamen Initiative mit dem NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft, dem Kölner Kulturamt und der SK Stiftung Kultur. Mit meinem zwölfköpfigen Team möchte ich die Forschung nun im Spannungsfeld zwischen dem Archiv als bewahrender Institution und neuen künstlerischen Ansätzen vorantreiben. Ansätzen, die mit dem Archivieren von Tanz anders umgehen: Ich denke da klassischerweise an Reenactments, aber auch an Arbeitsweisen wie denen des Duos Artista Archivista. Es begleitet die Künstler*innen schon im Produktionsprozess und erstellt Scores. »Embodied following« nennen sie diese Art von körperlicher Dokumentation.
Auch das Entwickeln und Kuratieren von Ausstellungen im Tanzmuseum soll transparent werden. In diesem Jahr beherbergt das Archiv in der Photoszene-Reihe »Artist meets Archive« das Duo entrecruce – eine Planung meines Kollegen Thomas Thorausch, der die Öffnung hin zu neuen Formaten bereits angestoßen hat. Juana Awad, Kuratorin und Forscherin, und die Künstlerin Luisa Ungar Ronderos suchen die Spuren von Migration und Exil im Kölner Institut auf, um sie mit anderen Archivalien in Beziehung zu setzen. Das Museum wird zum Open Lab: Das Publikum erhält zum Photoszene-Festival 2027 Einblick in den Entwicklungsprozess, der dann in die Ausstellung mündet.
Inhaltlich möchte ich die Bestände weiten. Abgesehen von beispielsweise Josephine Baker oder James Saunders sind sie im Großen und Ganzen noch sehr »weiß«. Möglicherweise verbirgt sich Manches in den Beständen, so auf Fotografien, die noch nicht vollständig erfasst werden konnten. Hier ist Nachforschungsarbeit zu leisten – eines meiner Anliegen mit Blick auf Forschungsprojekte.
Ich möchte das Institut zu einem »Hub« für den Tanz gestalten. Wir werden eine bilinguale Fachzeitschrift für Tanzwissenschaft herausgeben. Auf lokaler Ebene stelle ich mir regelmäßige Treffen mit der Szene vor, Workshops und Residenzen. Formate wie die – schon bestehenden – Tanzspaziergänge oder thematische Archivtage sollen das Institut sichtbarer machen.
Aufgezeichnet von Bettina Trouwborst
»INSCRIT | SCHREIBEN MIT DEM KÖRPER – EINE AUSSTELLUNG
FÜR RAIMUND HOGHE«
BIS 28. FEBRUAR, DEUTSCHES TANZARCHIV KÖLN
Name: Susanne Foellmer
Alter: 60
Beruf: Tanzforscherin und Tanzwissenschaftlerin
Wohnort: derzeit noch Köln/Berlin/Coventry






