Mit der Schau »überLeben in der Eiszeit« beleuchtet das Ruhr Museum auf dem Unesco-Welterbe Zollverein 2,6 Millionen Jahre Erdgeschichte. Die Präsentation in Essen ist der Auftakt zur dreiteiligen Paläontologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen.
Wer den Weg auf die 12-Meter-Ebene der ehemaligen Kohlenwäsche antritt, begibt sich auf eine weitreichende Zeitreise. »überLeben in der Eiszeit« markiert schließlich den ersten Teil der aktuellen Paläontologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen. Zwei weitere Standorte folgen: Unter dem Motto »überLeben zwischen Dinos und Schuppenbäumen« zeigt das LWL-Museum für Naturkunde in Münster prähistorische Lebenswelten (bis 5. September 2027), während sich das Lippische Landesmuseum Detmold mit dem Thema »überLeben – Walheimat Urmeer« befasst (26. September bis 4. April 2027). Derweil konzentriert sich die Essener Ausstellung auf die Epoche der eiszeitlichen Frost- und Kaltphasen.
Auf Zeche Zollverein formieren sich über 350 Exponate zu einem Parcours, der die vergangenen 2,6 Millionen Jahre in der Region rekapituliert. Diese Chronik wird an einem Ort ausgebreitet, wo einst Millionen Tonnen Steinkohle gefördert wurden. Neben der Dokumentation urzeitlicher Lebenswelten widmet sich die Ausstellung auch dem aktuellen Klimawandel. Der Wechsel von eiszeitlichen Kalt- und Warmphasen dient als historische Grundlage, um die gegenwärtigen klimatischen Veränderungen und den Einfluss des Menschen in einen erdgeschichtlichen Zusammenhang einzubetten.
Tierparade mit dem Riesenhirsch
Untergliedert ist die Ausstellung in fünf Kapitel – Landschaft, Pflanzenwelt, Tierwelt, Menschen und Klima. Im Zentrum steht eine gut 20 Meter lange »Tierparade«. Hier versammeln sich jene Lebewesen, die für die Eiszeit charakteristisch sind, darunter das Wollnashorn, der Riesenhirsch und das Mammut. Zu den zentralen Originalfunden der Präsentation gehören der 1975 im Münsterland entdeckte Mammutschädel von Haltern sowie ein in der Balver Höhle geborgener Stoßzahn. Die menschliche Entwicklung vergegenwärtigt die Essener Schau unter anderem anhand des Unterkiefers von Mauer – dem Ort in der Nähe von Heidelberg verdankt der »Homo heidelbergensis« seinen Namen.
Um thematische Brücken zu schlagen, bindet die Ausstellung auch Exponate jenseits der reinen Naturhistorie ein. Präsentiert wird beispielsweise die vier Meter lange Hülle einer Nuklearwaffe aus dem Kalten Krieg – sie versinnbildlicht die fatale Fähigkeit des Menschen, einen sogenannten nuklearen Winter und damit eine künstliche Eiszeit auszulösen. Auch die Kunstgeschichte ist vertreten: Eine Reproduktion von Caspar David Friedrichs Gemälde »Frau vor der untergehenden Sonne« (1818) verweist auf die sogenannte »Kleine Eiszeit«, die mutmaßlich auf die Folgen eines Vulkanausbruchs zurückgeht.
Was die Ausstellungsarchitektur angeht, legt das Ruhr Museum Wert auf Nachhaltigkeit: Vitrinen und Stellwände stammen weitgehend aus dem eigenen Fundus und werden ressourcenschonend wiederverwendet. Begleitet wird »überLeben in der Eiszeit« von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Neben Führungen, Vorträgen und Exkursionen gibt es einen Science Slam sowie die Möglichkeit, im Museum zu übernachten. Familien und Kinder können alle drei Stationen der Landesausstellung mithilfe der Rallye-App »Überleben – 3 Museen 1 Reise« erkunden. Hier lotst ein kleiner Alien namens Gidluk durch die Säle, um Wissenswertes rund um Erdgeschichte und Klimawandel spielerisch zu vermitteln.
»ÜBERLEBEN IN DER EISZEIT«
RUHR MUSEUM, UNESCO-WELTERBE ZOLLVEREIN, ESSEN
BIS 10. JANUAR 2027






