Von den 1960er bis in die 1990er Jahre gehörte Max von der Grün zu den erfolgreichsten Schriftstellern der deutschen Literatur. Nun würde der 2005 verstorbene Autor 100. In seiner Wahlheimat Dortmund verwaltet das Fritz-Hüser-Institut seinen Nachlass und richtet eine Festreihe zum Jubiläum aus: von Ausstellungen, über Lesungen bis Spaziergängen.
Bis heute gehört Max von der Grüns Jugendbuch »Vorstadtkrokodile« von 1976 zum festen Inventar vieler Kinderzimmer. Die Geschichte um den querschnittsgelähmten Kai, der bei einer Jugendbande Anschluss sucht, wird nach wie vor in Schulen gelesen und wurde bereits zwei Mal verfilmt. Dabei hat er weitaus mehr hinterlassen als seine Krokodile: »Das Ruhrgebiet bietet einem Schriftsteller die allerbesten Stoffe an, weil hier alles kompakt, gedrängt und dennoch durchschaubar vor der Haustür liegt«, äußerte sich von der Grün einmal über seine Wahlheimat Dortmund. Und so arbeitete sich der Autor, vom Spiegel einst als »Revier-Goethe« bezeichnet, mit seiner Erwachsenenliteratur an solchen Themen ab, die das Leben im Revier seinerzeit bestimmten: Arbeitsmigration, finanzielle Nöte, soziale Ungleichheit, Brüche und Umbrüche des industriellen Bergbaus, Kneipen, Maloche und Brieftaubenzucht.
Die Authentizität seiner Texte gehen auf seinen eigenen Werdegang zurück – denn von der Grün arbeitete selbst unter Tage, zunächst als Schlepper, dann als Grubenlokführer. Doch für Bergbauromantik hatte er nicht viel übrig, im Gegenteil: Mit seinem Roman »Irrlicht und Feuer« kritisierte er 1963 den Bergbau – und wurde nach seiner Kündigung zwangsläufig hauptberuflich Autor. Von der Grün arbeitete für unterschiedlichste Medien, veröffentlichte neben seinen Romanen Hörspiele, Film-Features, Drehbücher und Bühnentexte. Insgesamt elf seiner Romane liefen im Kino und Fernsehen – womit er zu einem der meistverfilmten deutschen Autoren zählt. Darunter etwa seine Texte »Stellenweise Glatt« (1973) oder »Flächenbrand« (1979). Doch das Etikett des »Arbeiterdichters« wurde dem in Bayreuth geborenen Schriftsteller nie ganz gerecht, denn Max von der Grün hinterließ auch zahlreiche essayistische und journalistische Schriften, in denen er sich kritisch mit Gesellschaft und Politik auseinandersetzte – ganz getreu seinem Motto: »Nichts als gegeben hinnehmen«.
In diesem Jahr würde er 100. Unter dem Titel »Über Menschen und Verhältnisse« erinnert die Fritz-Hüser-Gesellschaft an ihn bis 12. September mit Veranstaltungen: Sie entdecken sein Werk neu und verbinden seine Texte mit der Gegenwart – lesend, spazierend, forschend und fragend widmen sich Events seinem Leben und Werk. Gleich zwei Ausstellungen illustrieren Lebensstationen und Texte des Schriftstellers – bis 17. Mai in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund und bis 31. Juli im Haus Wenge in Dortmund-Lanstrop mit Fotos von Walter Keller zu Texten von Max von der Grün (»Erzählte Stadt«). Auch die Werke zeitgenössischer Autor*innen flankieren die Festveranstaltungen: So stellt Denis Pfabe am 29. Mai seinen neuen Roman »Die Möglichkeit einer Ordnung« über gegenwärtige Arbeitsverhältnisse im Nicolaihaus in Unna vor. Mit »Schichtwechsel« zeigt das Dortmunder U am 16. Juni den von Hans-Dieter Schwarze inszenierten Film nach Max von der Grüns Drehbuchvorlage. Auch draußen kann man ihm folgen: Am 14. September geht’s zu einem literarischen Spaziergang durch den Westfalenpark – mit von der Grün ins Grüne.






