Das »Schrittmacher«-Festival in Aachen hat nach 30 Jahren eine neue Leitung: Die Choreografin und Kulturmanagerin Yvonne Eibig hat das Format von seinem Gründer Rick Tavorian übernommen. Sie bringt vom 24. Februar bis 29. März mit einigen neuen Ideen Tanz in die Euregio Maas-Rhein.
Tanz im öffentlichen Raum soll es geben. Experimentelle Formate. Dazu will Yvonne Eibing eine regelrechte Festival-Community aufbauen, das Publikum einbinden – damit das »Schrittmacher«-Festival noch zeitgeistiger und nahbarer wird. Die auffälligste Neuerung der neuen Leiterin: Die Fabrikhalle Stahlbau Strang als abgelegenes Festivalzentrum ist Geschichte. Hauptspielstätte ist jetzt das Stadttheater Aachen. »Die Halle war einfach zu teuer«, sagt Eibig zu kultur.west. »Sie musste jedes Mal eigens für das Festival aufgebaut werden. Und vor allem die Energiekosten waren sehr hoch.« Geld, das jetzt »smarter« verteilt werden könne und in die Qualität des Programms einfließen soll. Was Eibig besonders freut, ist, dass »Schrittmacher« erstmals seit Corona wieder an fünf aufeinanderfolgenden Wochenenden stattfinden wird.
2026 rückt das Festival somit in die City vor. Neben dem Bühnenprogramm mit Companys aus aller Welt setzt das neue Konzept auf künstlerische Aktionen im öffentlichen Raum: Pop-Up-Shows und Interventionen sollen die Aachener Stadtgesellschaft beleben. So wird neben dem Theater auch die Citykirche St. Nikolaus bespielt: Das Jolda Dance Theatre vertanzt in »Tamyr – a poetic ritual from Central Asia« einen gesungenen Segen, von Opernsängern interpretiert.
Neue Formate zum Austausch
Zum Auftakt kehrt das Festival wieder in die City und damit an die Orte zurück, wo es 1993 begann. Die Company Miller de Nobili zeigt »Hype the Pain« in der Mulde im Ludwig Forum. Thema: die Auswirkungen von sozialen Medien. Im Anschluss wird eine große Auftaktparty gefeiert. Eibig: »Dann lasse ich das Festival auf die Menschen los und hoffe, dass es ihnen gefällt.«
Ein Großprojekt ist die »Johannes-Passion« in Kooperation mit dem Theater Aachen. Der Choreograf Guillaume Hulot und sein Ensemble fügen Johann Sebastian Bachs dramatischer, zeitloser Musik eine zeitgenössische Bewegungsebene hinzu. Weiter im Programm: »Vortex« der Humanhood Dance Company, ebenfalls eine Produktion für Fans des zeitgenössischen Tanzes. Und es gibt auch sowas: eine Mal-Performance, kreiert vom Gründer der bekannten Hip-Hop-Gruppe Flying Steps. Kadir »Amigo« Khan verbindet Tanz, Musik, Graffiti und Kalligraphie im Atelierhaus Aachen. Den zumindest deutschen Schlusspunkt setzt das Out Innerspace Theatre mit »Rhino«, ein Stück zwischen Komödie und Tragödie.
Die neue Festivalleitung legt großen Wert darauf, den Gemeinschaftsgedanken zu stärken. Deshalb soll es neue Formate zum Austausch geben. Treffpunkt ist das Café Vers an der Barockfabrik, wo sich Kompanien und Zuschauer*innen begegnen können. Außerdem geplant sind Einführungsgespräche, After-Talks und Open-Air-Tanzworkshops. Einige Angebote sind niedrigschwellig und sogar umsonst. In Altersheimen und Krankenhäuser werden Tanz-Workshops angeboten.
Das »Schrittmacher«-Publikum ist mobil und neugierig, sagt Eibing. Das muss es auch sein, denn an den anderen Orten wie Heerlen, Kerkrade, Maastricht oder Eupen finden ebenfalls Events statt. Die drei prominentesten Produktionen zeigt das Theater Heerlen: Sasha Waltz gastiert mit ihrem Erfolgsstück »in C«, Akram Khan kommt mit »Thikra: Night of Remembering«, seine Hommage an die kulturellen Mütter unserer Zivilisation. Und das Nederlands Dance Theater präsentiert zwei Meisterwerke: Jan Martens‘ geniales »Wildsong« im Doublebill mit Marcos Moraus surrealem »Horses«.
24. Februar bis 29. März






