Das Motto »Erschrecken und Erstaunen« deutet es an. Die Ruhrfestspiele Recklinghausen stellen sich den großen Krisen und Konflikten unserer Gegenwart. Zugleich setzen sie mit 80 Produktionen vom 1. Mai bis 13. Juni auf die Kraft und Magie der Kunst.
Mit ihrem Motto »Erschrecken und Erstaunen« verknüpfen die Ruhrfestspiele Recklinghausen zwei menschliche Regungen, die letztlich sehr nah beieinanderliegen. »Erschrecken trifft uns, wenn etwas, das wir für selbstverständlich halten, plötzlich in Frage steht«, sagt Olaf Kröck, der Intendant und Geschäftsführer des Festivals, und führt dann weiter aus: »Erstaunen hingegen öffnet uns, es zeigt uns, dass die Welt größer ist als unsere Vorstellung von ihr.« Was diese scheinbar so gegensätzlichen Reaktionen eint, ist ein Moment der Überraschung, der Gewissheiten erschüttert und die Welt in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Mehr als nur einen solchen Moment hält »Huang Yi & Kuka« bereit, die einzigartige Tanzproduktion, die zusammen mit einer Rede der Schriftstellerin Ursula Krechel die Ruhrfestspiele am 3. Mai offiziell eröffnet. Für etwa 70 Minuten teilt sich der taiwanesische Tänzer, Choreograf und Erfinder Huang Yi die Bühne mit Kuka, einem Industrieroboter, den er über einen langen Zeitraum hinweg so programmiert hat, dass sie miteinander tanzen können. Die poetische Choreografie von Mensch und Maschine kann sowohl Erstaunen, als auch ein gewisses Erschrecken auslösen. Denn sie stellt tatsächlich so ziemlich alles infrage, was wir über das Verhältnis zwischen Menschen und Robotern denken.
Für »Polaris« bis in die Antarktis
2026 ist ein besonderes Jahr für das Festival. Zum einen jährt sich der Kohletausch von Recklinghäuser Bergleuten an Hamburger Theaterschaffende, der im Winter 1946/47 den Grundstein für das Festival legte, zum 80. mal. Zum anderen kann in diesem Jahr der Große Saal im Festspielhaus aufgrund von Modernisierungsarbeiten nicht genutzt werden. Als Ausweichspielstätte wird ein großes Festspielzelt auf dem Grünen Hügel dienen, dessen geräumiges Foyerzelt zusätzlichen Raum für kleinere Formate bietet. Außerdem weicht das Festival verstärkt ins Theater Marl aus, in dem auch die Uraufführung von Jan-Christoph Gockels Mockumentary-Theaterstück »Polaris«, einer Koproduktion der Ruhrfestspiele mit dem Deutschen Theater Berlin, stattfinden wird.
Im Rahmen der Recherchen zu »Polaris« sind Gockel und Teile seines Teams, zu dem mit dem Schauspieler Wolfram Koch auch einer der Stammgäste der Ruhrfestspiele gehört, in die Antarktis gereist und haben dort Zeit in einer Forschungsstation verbracht. Eine Erfahrung, die ohne Frage zahlreiche Augenblicke von »Erschrecken und Erstaunen« mit sich gebracht hat. Mit Antú Nunes Romeros am Hamburger Thalia Theater entstehender Bühnenadaption von Charles Dickens Roman »Hard Times« erlebt noch eine zweite große Koproduktion der Ruhrfestspiele ihre Premiere in Marl.
Neben Schauspiel- und Tanzproduktionen gehören zum breitgefächerten Programm des Festivals auch wieder Konzerte und Kabarettabende, Lesungen und Arbeiten aus dem Genre des Neuen Zirkus‘, Diskussionen und eine Reihe von Aufführungen, die sich speziell an ein junges Publikum richten. Außerdem findet in der Kunsthalle Recklinghausen eine große Ausstellung mit Werken des isländischen Musikers und Künstlers Ragnar Kjartansson statt.
1. MAI BIS 13. JUNI
RUHRFESTSPIELE RECKLINGHAUSEN
VERSCHIEDENE ORTE IN RECKLINGHAUSEN UND MARL






