Das neue Leitungsteam der Fidena setzt auf bewegendes Figurenspiel und politisch relevante Schwerpunkte. Eröffnet wird das internationale Figurentheaterfestival in Bochum am 13. Mai mit einer sinnlich-spektakulären Inszenierung von Eispuppen.
Langsam schweben die Eispuppen an langen Fäden durch den nebligen Bühnenraum. Behutsam werden sie getragen, bewegen ihre durchschimmernden Glieder tänzerisch, drehen sich dann immer schneller – bis Hand- und Beinstücke, dann Köpfe und ganze Körper knallend auf dem harten Boden zerbrechen. Schon im Trailer zur Produktion »The Waves« ist jene Intensität spürbar, die Figurentheaterspiel im besten Fall auszeichnet. Hier hat die Compagnie Théâtre de l’Entrouvert Virginia Woolfs gleichnamiges Prosagedicht über Verwandlung und Vergänglichkeit beeindruckend mit einem poetischen Eischor in Szene gesetzt. »The Waves« eröffnet das Fidena Festival, das vom 13. bis 21. Mai internationales Figurentheater in Bochum, Herne, Essen, Recklinghausen, Gelsenkirchen und erstmals auch in Wuppertal zeigen wird.
Es ist die erste Ausgabe unter der neuen Leitung von Helene Ewert und Christofer Schmidt. »Das Programm spiegelt für uns die utopische Kraft der Kunst wider», erzählen die beiden. »Hier werden Welten entworfen, in denen wir ausprobieren können, unser Zusammenleben anders zu denken. Unser Programm unterhält und scheut zugleich das Politische nicht.«
Schöne schnelle Welt
Eingeladen sind 28 Produktionen aus 16 Ländern. Schwerpunkte und Sonderprogramme sind Projekte wie »Mitmachen & Gemeinschaffen«, etwa mit der ersten Fidena Bürger*innenjury, die über das Programm im öffentlichen Raum entschieden hat. Und über Projekte, die einen Fokus auf Logistik setzen: »Vom Unterwegssein der Dinge« will zeigen, wie eng unser Alltag mit immer schneller werdenden globalen Waren- und Datenströmen verwoben ist. Dafür hat das Leitungsteam die sechsteilige Theaterserie »Transport« mit Stücken aus Slowenien, Polen, Estland, Litauen und Tschechien eingeladen. Miniaturfiguren aus dem 3D-Drucker begegnen uns da und machen Folgen menschlichen Handelns für die Umwelt sichtbar. Der Brite Ant Hampton kommt für eine Auftragsarbeit ins Revier und fragt: Was passiert, wenn in einem High-Tech-Logistikzentrum plötzlich der Strom ausfällt? Uraufgeführt wird »Every Second of Downtime« im Salzlager der Essener Zeche Zollverein (14. und 15. Mai Salzlager Essen, 16. Mai Rotunde Bochum).
»Jenseits der Grenzen« heißt ein weiteres Sonderprogramm, das Migration in den Blick nimmt. Dazu gehören etwa »Vis-à-Vis(a)«, eine Begegnung des niederländischen Puppenspielers Koen und seines tunesischen Freunds Saber, die ein Theaterstück aufführen wollen, sich vor allem aber mit Gebühren, Nachweisen und Warterei aufhalten müssen (15. Mai, Prinz Regent Theater Bochum). Das queere Künstlerpaar Vöcks de Schwindt setzt sich mit dem Publikum an einen Tisch für eine Reise über Kontinente auf der Suche nach Heimat. Zu erleben ist ihre dokumentarische, persönliche Performance »On the first Night we looked at Maps« am 15. und 16. Mai im atelier automatique in Bochum.
Witzig wird’s mit dem Wiener Schubert Theater und ihrem »Würstelstand« (15. Mai, Kammerspiele Bochum), geheimnisvoll-surreal mit der spanischen Kompanie La Mula in «Thauma« (19. bis 21. Mai, Ruhrfestspiele Recklinghausen), musikalisch mit der israelischen Sängerin Yael Rasooly in »Edith and me« (19. und 20. Mai, Schauspiel Wuppertal). Und in den Park geht’s auch: Mit Anna Kpok und Stefanie Oberhoff in den Schlosspark Weitmar, die dort den Kohlekäfer gesichtet haben und ihn auf einer Expedition mit dem Publikum willkommen heißen (16. Mai).
13. BIS 21. MAI
IN BOCHUM, HERNE, RECKLINGHAUSEN, GELSENKIRCHEN, WUPPERTAL



