Ben J. Riepes Performancesession »Holy Shit – a human experience« lädt zu einem Erlebnis zwischen Schönheit und Zumutung ins Tanzhaus NRW ein.
Der Performance-Künstler und Choreograf Ben J. Riepe hat sich im Laufe seiner Karriere immer weiter weg entwickelt von klassischer Bühnensituation und Theatererlebnis. Als Grenzgänger zwischen bildender und darstellender Kunst hat er mit seinen extravaganten Kunstwelten, bevölkert durch schräge Figuren, fasziniert. Der Körper als Objekt, die Demaskierung von Optik, war sein Thema. Die jüngsten Performances wurden immer politischer, interessierten sich für die Möglichkeiten sozialer und ökologischer Gemeinschaften. Riepes neue Produktion »Holy Shit – a human experience« klingt nun mehr nach Session als nach Theater. Zur Uraufführung im Tanzhaus NRW kommen Künstler und Publikum mit Kissen und Decken auf der Bühne zusammen.
Erstmals nach 20 Jahren steht der Choreograf und Tänzer wieder selbst auf der Bühne. Nicht aus Eitelkeit, wie er versichert: »Der Abend ist eine besondere Situation, die nur dann funktioniert, wenn ich selbst im Raum bin – als Körper, Stimme, Energie, Verantwortung.« In einen Raum zwischen Kathedrale, Lounge und künstlichem Horizont lädt er zu einer gemeinsamen Erfahrung. Ein Abend, den er beschreibt als Event »zwischen Schönheit und Zumutung, zwischen Theatererlebnis und angeleiteter Session, die auf alle Sinne wirkt und uns verändert in die Nacht entlässt.«
Wirkung auf die Sinne
Er selbst verkörpert die Figur eines Sehers, die zugleich menschlich und übermenschlich, verletzlich und autoritär ist. Zusammen mit der an der wahnsinnigen Pythia, das Orakel von Delphi, orientierten Rolle unternimmt die Performance den Versuch, gemeinsam einen Zustand zu erreichen. Dabei setzt das Stück nicht auf Verstehen, sondern auf Erleben. Sound- und Lichtlandschaften, KI- generierte Videowelten und Live-Bilder sowie Text und Musik wirken auf die Sinne. Riepe: »Es gibt Phasen, in denen der Körper aktiviert wird, etwa durch Rhythmus, Wiederholung, Atem, Bewegung, Überforderung, Widerstand. Und es gibt Phasen, in denen sich das System wieder öffnet, wie durch Musik, Stimme, Schönheit, Entladung.«
Seine Erfahrungen als Leiter von weltweiten Workshops fließen maßgeblich ein. Viele Menschen, sagt der 47-Jährige, erlebten bei solchen Sessions einen Wechsel von Kontrolle in Hingabe, Kopf in Körper, von Isolation in Gemeinschaft. Etwas, das man aus Ritualen kenne. Nicht als Therapie will er seine Einladung verstehen, sondern als Zustand, der mit den Mitteln der Kunst und des eigenen Körpererlebens erzeugt wird. Ben J. Riepe: »Im besten Fall entsteht eine Form von Katharsis: schön und schrecklich, anstrengend und lösend.« Nein, keine Wellness – ein Moment des Reset. Unbedingt mitbringen: die Bereitschaft, sich einzulassen. Der Abend ist geeignet ab 18 Jahren.
»HOLY SHIT – A HUMAN EXPERIENCE«
TANZHAUS NRW, DÜSSELDORF
20. BIS 22. MÄRZ






