Die Wuppertaler Literatur Biennale lädt ins Bergische Land. Diesmal geht es um eine oft unterschätzte Emotion: die Wut. Vom 7. bis 16. Mai wird an verschiedenen Orten nicht nur über Wut gesprochen, sondern sie auch rausgelassen – bei Lesungen, Performances oder Workshops.
Die Wut – sie ist in aller Munde und das erscheint mehr als notwendig. Vor allem dann, wenn es um weibliche Wut geht. Im feministischen Diskurs wurde Gisèle Pelicots berühmt gewordene Aussage »Die Scham muss die Seite wechseln« zuletzt modifiziert in »Die Wut muss die Seite wechseln«. Und so scheint es folgerichtig, dass sich ein Festival diesem Thema nun voll und ganz verschreibt – und dabei vor allem auch die Perspektive weiblicher und marginalisierter Gruppen in den Fokus rückt.
»Die Wut« so lautet das Motto der Wuppertaler Literatur Biennale, die vom 7. Bis 16. Mai an unterschiedlichen Orten der Stadt ausgetragen wird. »die wut ist eine ausschüttung / ein zittern / ist entleerung / eine unterbindung / schlucken / schlucken / schlucken« so heißt es im Gedicht »die sache mit der wut« der Duisburger Dichterin Lütfiye Güzel, die zum Festivalauftakt im Open Ground am 7. Mai lesen wird. »Es gibt genug Gründe, wütend zu sein über alles, was in der Welt passiert«, findet Projektleiterin Julia Wessel, »und es gibt sehr verschiedene Umgangsformen mit der eigenen Wut, Wege, sie nicht nur destruktiv, sondern produktiv zu verstehen«.
Eine Bühne für Romane
Passend dazu stechen im Programm einige Formate heraus, die vor allem Frauen und marginalisierte Menschen dazu einladen, ihrer eigenen Wut proaktiv zu begegnen. Darunter der Workshop »Frauenwut – schrei(b) es raus!« unter der Leitung der Autorinnen Marina Jenkner und Bärbel Klässner am Tag vor Festivalbeginn sowie das »Wut-Archiv der Stimmen« unter der Leitung der Autorin Yasemin Bertel. In der Galerie n46 sollen vor allem marginalisierte Communities während des Festivals ihre Stimmen in Form von Montagen und Collagen neu erfinden. »Uns ist wichtig, dass sich die Wuppertaler*innen über die Biennale mit der Stadt identifizieren können. Es ist ihr Festival«, betont Wessel. Natürlich bietet sie auch Romanen eine Bühne. Ein besonderes Format sind Lesungen, bei denen sich zwei Autor*innen begegnen: Am 11. Mai etwa treffen in der Utopiastadt Clara Leinemann mit »Gelbe Monster« und Dana von Suffrin mit »Toxibaby« aufeinander. Die Romane der beiden waren zeitgleich herausgekommen, sie behandeln ein ähnliches literarisch Thema aber sehr unterschiedlich und richten zwei verschiedene Blickwinkel auf gewaltvolle Beziehungen.
Mit Verena Keßler geht es am 12. Mai ins Gym – aber nur im übertragenen Sinne. Die Protagonistin ihres Romans betritt ebendieses – und damit eine Welt der Selbstoptimierung und des Leistungsdrucks. Im Gespräch mit Antonius Weixler der Bergischen Universität geht es an diesem Abend im studio_one um Fragen der Gegenwart: um Selbstentwürfe, Konkurrenzdenken und Popliteratur. Doch natürlich hat Wut nicht nur selbstermächtigende, sondern auch gefährliche Seiten. Das zeigt unter anderem die Veranstaltung am 16. Mai im Loch: Der Düsseldorfer Autor Hank Zerbolesch liest aus seinem Text »Wut in Fleisch«, der von einem jungen Mann und seinem gewaltvollen Weg in die rechte Szene erzählt. Gratulieren kann man der jungen Autorin Nina Kiedrowicz, die sich unter 714 Einreichungen zum Preis der Biennale mit ihrem Text »Lloret de Mar« durchgesetzt hat. Bei einer Lesung am 13. Mai im Pina Bauch Zentrum wird ihr Siegertext präsentiert. Mit dabei ist Helene Bukowski, die den Preis vor zehn Jahren erhielt und davon erzählt, wie sich ihr Schreiben seither entwickelt hat.
LITERATUR BIENNALE WUPPERTAL
7. BIS 16. MAI
VERSCHIEDENE ORTE IN WUPPERTAL



