Die erste Premiere im neu eröffneten Schauspiel Köln hat Kay Voges selbst inszeniert: Die Komödie »In bester Lage« passt zur Situation – und das ist nicht nur positiv gemeint.
Wahrscheinlich ist die von Intendant Kay Voges inszenierte Uraufführung »In bester Lage« der Situation in Köln schlicht und einfach angemessen. Nach 14 Jahren Sanierung, einem Bauskandal, der Republikgespräch wurde, feiert man zumindest im Schauspiel keine strahlende Neueröffnung eines Kulturbaus der Extraklasse. Die Bühne ist nach den investierten Unsummen jetzt halt wieder da, wieder nutzbar mit ihren 830 Plätzen. Von technischen Neuerungen und Synergieeffekten mit der benachbarten Oper sehen die Zuschauer erstmal nichts, dafür eine noch nicht funktionierende Automatenbar im niedrigen Eingangsfoyer, die an Ecken in Provinzbahnhöfen erinnert.
Der Premierenabend beginnt mit einem minutenlangen Spannungsmoment: Die Türen werden geschlossen, aber außer leiser Musik aus den Lautsprechern passiert erstmal rein gar nichts. Hakt noch etwas und wir sehen uns in weiteren 14 Jahren wieder? Als sich der Vorhang endlich öffnet, gibt er den Blick auf Daniel Roskamps Bühnenbild eines etwas heruntergekommenen, eher zweckmäßigen als schönen Sichtbetonbaus frei, der aus übereinander geschichteten Wohnungen mit Balkon besteht. Hier wohnt die Eigentümergemeinschaft, die die Autoren Kristof Magnusson und Gunnar Klack für ihr Stück ersonnen haben und die wohl ein Panorama aktueller Lebenslagen abbilden soll.
Die typische deutschen Nachbarn
Da sind die beiden Alten aus dem Erdgeschoss, die sich noch aus Hausbesetzerzeiten kennen, die irgendwas miteinander und weitere Geheimnisse haben. Da sind zwei Ehepaare im mittleren Geschoss: Die einen sparen sich die Wohnung vom Munde ab, für die Rente, und können Zusatzinvestitionen kaum leisten. Die anderen fahren einen grün-liberalen Lifestyle, sehnen sich nach einem Dachkraftwerk. Oben wohnen ein Techno-Party-Typ, ein Doktor, der sich aus allem raushält, und wechselnde Airbnb-Kunden. Und dann gibt es noch den unglücklich Liebenden, der in der Wohnung seiner Flamme verharrt und seit fünf Jahren auf ihre Rückkehr hofft.
Das Stück passt zur eben nicht so strahlenden Wiedereröffnung des Kölner Theaters, das eher an die alte BRD erinnert, als in die Zukunft zu weisen. Es hat nur stellenweise guten Dialogwitz und fällt nur selten durch besonderes Timing, überraschende Bezüge oder Wendepunkte auf. Trotzdem richtet man sich in den zwei Stunden ganz gut ein mit diesen typisch deutschen Nachbarn, die eigentlich gern nichts miteinander zu tun hätten, aber eine Zweckgemeinschaft bilden müssen, weil es einiges zu besprechen gibt: Muss das Dach saniert werden? Oder ist nicht eigentlich der Wasserschaden im Keller viel wichtiger? Und ist eigentlich irgendjemand schuld an dem ganzen Schlamassel?
Kay Voges, der in seinen Inszenierungen gerne (digital-)technische Möglichkeiten oder menschliche Abgründe auslotet, inszeniert hier mal ganz anders und tut keins von beidem. Er scheint eher Spaß daran zu haben, den neuen Text als relativ klassische Boulevard-Komödie aufzustellen – Türen für häufige Auf- und Abtritte sind im Bühnenbild schließlich ausreichend vorhanden. Besonderen Spaß machen grandios in die Länge gedehnte Slapstick-Szenen, die an das berühmte Beckett-Zitat erinnern: »Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern« – und damit natürlich auch an das Sanierungsprojekt des Kölner Theaters. Da hätte es einen Holzhammer Bezug auf den Bauskandal (und den Einsturz des Kölner Stadtarchivs) zum Ende des Stücks nicht mehr unbedingt gebraucht, das so mit eher höflichem als begeistertem Applaus belohnt wird.
WIEDER AM 6. UND 15. NOVEMBER






