14 Jahre haben die Kölner*innen auf die Wiedereröffnung ihrer Oper gewartet – dafür wirkt das Programm wenig spektakulär. Immerhin hat das Schauspiel fünf Uraufführungen zu bieten.
Dafür, dass die Kölner*innen rund 14 Jahre auf die Neueröffnung des Opern- und Schauspielhauses warten mussten, klingt das Programm der ersten Saison im sanierten Innenstadtquartier nicht extrem spektakulär. Bei einem typischen Stadttheater-Eröffnungsfest am 19. und 20. September konnte man an Technikführungen teilnehmen, Bühnen und Zuschauerräume entdecken, in der ersten Nacht zu DJs tanzen und am zweiten Abend zum ersten Mal wieder Musik im Opernhaus hören: Das Ensemble der Oper und das Gürzenich-Orchester spielten mit der Kölner Rockband Kasalla. Beim festlichen Gala-Konzert am 24. September spielt das Gürzenich-Orchester dann unter der Leitung von Generalmusikdirektor (GMD) Andrés Orozco-Estrada mit der Solistin Diana Damrau.
Als erste Opernpremiere haben der GMD und der Intendant Hein Mulders für den 27. September Richard Strauss‘ Komödienklassiker »Der Rosenkavalier« gesetzt. Marie-Eve Signeyrole inszeniert, die auch Videokünstlerin ist und die neuen technischen Möglichkeiten der Bühnenausstattung für ein Gesamtkunstwerk voll ausschöpfen will. Am 28. November ehrt man den in Köln geborenen Jakob »Jacques« Offenbach, nach dem der Platz des Theaterbaus benannt ist, und bringt Stefan Herheims Inszenierung seiner unvollendet gebliebenen letzten Oper »Hoffmanns Erzählungen« als Kölner Premiere. Ebenfalls quasi eine Übernahme ist die Erfolgsinszenierung Dietrich W. Hilsdorfs von Scarlattis »Kain und Abel«, die 2020 am Aalto-Theater in Essen ihre Premiere feierte.
Fünf Uraufführungen im Schauspiel
Für Fans Neuer Musik wird es im Januar spannend: Dann zeigt die Oper zum 100. Geburtstag Hans Werner Henzes die postum vollendete Fassung seines Vaudeville-Werks »La Piccola Cubana«, in dem es um die Lebensbeichte eines Varieté-Stars geht. Ungewöhnlich für Henze: Er komponierte für sein kleines großes Werk Chansons, Couplets und Tanzrhythmen wie Walzer, Rumba, Tango, Charleston und Ragtime. Den Text schrieb der Dichter Hans Magnus Enzensberger.
»Wie gestalten wir nach 14 Jahren die Eröffnung im neuen, alten Schauspielhaus?« Diese Frage trieb Schauspiel-Intendant Kay Voges um, der bei der Programmvorstellung stolz verkündete: »Mit fünf Uraufführungen!« Die erste inszeniert er selbst, auf Grundlage eines Textes von Kristof Magnusson: »In bester Lage« heißt die Komödie, die am 25. September Premiere feiert und von einem Haus mit zehn Eigentumswohnungen erzählt. Ihre Besitzer*innen sind so divers wie zerstritten und ihre Geschichte passt gut in die Zeit, weil sich in ihr laut Ankündigung auch »der globale Wahnsinn zwischen Investitionsstau, Pluralismus, Parallelgesellschaften und maroder Infrastruktur« widerspiegeln soll. Für einen weiteren Komödienstoff sorgen PeterLicht und SE Struck, deren Sanatoriums-Geschichte »Der Zauderberg« heißt und von Bastian Reiber inszeniert wird.
Später in der Saison geht der Intendant gedanklich in den Wald der Romantiker und versucht unter dem Titel »Denk ich an Deutschland in der Nacht« zu ergründen, was Goethe eigentlich meinte, als er davon sprach, dass »wir Deutschen die Welt Beschenkenden und Welt Empfangenden seien«. Vielleicht wird das ein Schwesterstück zu Christopher Rüpings »Deutscher Herbst« bei der Ruhrtriennale? Ausbauen will das Schauspiel Köln den Schwerpunkt Theater und Journalismus mit dem Netzwerk Correctiv und Autor Calle Fuhr. Als nächstes widmet der sich der Deutschen Bahn AG, die sich in ihrer Krisengeschichte durchaus mit der der Kölner Theatersanierung messen kann.
Mit dem sanierten Gebäude der Kölner Bühnen eröffnet im September auch der Neubau der Kinderoper, die unter dem kleinen Offenbachplatz liegt. Sie ist die weltweit einzige bekannte Spielstätte, die sich als festes Musiktheater an Kinder und Jugendliche wendet.
FESTLICHE WIEDERERÖFFNUNG
24. SEPTEMBER, OPERNHAUS
»DER ROSENKAVALIER«
27. SEPTEMBER
»IN BESTER LAGE«
25. SEPTEMBER






