Was wird aus dem Kölner Zeughaus? Und was aus dem Kölnischen Stadtmuseum? Das sind zwei Fragen, die dringend beantwortet werden müssen. Und vielleicht gibt es eine gemeinsame Antwort.
Trostlos liegt es da, ohne die charakteristischen Fensterläden in den Stadtfarben Rot und Weiß. Sie wurden abmontiert, im Sommer 2025, und eingelagert. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Ob und wann sie wieder die Fassade des Kölner Zeughauses zieren werden? Das unklar. H.A. Schults goldenes Flügelauto hingegen thront nach wie vor auf dem schlanken Treppenturm. Noch. Denn der Fiesta aus den Zeiten, als es auch Ford noch gut ging, soll ebenfalls seinen Platz verlassen. Das Kunstwerk wird wohl nach einer Restaurierung auf das Hotel Maritim am Rheinufer umziehen. Was bleibt ist der Schriftzug »Museum im Herzen der Stadt«, der an der Rückwand des schmalen Museumsfoyers zu lesen ist – durch die Fensterscheiben am zurückgesetzten Eingang, wo die Steinplatten von Moos bedeckt sind und immer noch herbstliche Blätter liegen.
Dabei ist das Museum hier schon lange nicht mehr zu finden: 2017 war das Kölnische Stadtmuseum nach einem Wasserschaden geschlossen worden, seit 2024 ist es in einem Interimsquartier, das die Stadt im ehemaligen Modekaufhaus Sauer eingerichtet hat, zu finden. Schick gestaltet ist die modernisierte Ausstellung dort, aber schon rein räumlich ist das Haus völlig unzureichend für die Fülle an Sammlungsstücken. Die Pläne, in einen Neubau direkt neben das Römisch-Germanische Museum am Dom zu ziehen, das derzeit renoviert wird, sind geplatzt, seitdem die Hohe Domkirche ihren Teil der Finanzierung für die Historische Mitte zurückgezogen hat. Die Aussicht auf ein ewiges Interim – wie in Köln üblich –, dürfte allen Mitarbeitenden des Stadtmuseums den kalten Schweiß auf die Stirn treiben.

»Die Stadt Köln hat im Grunde ja zwei Fragen: Erstens, was machen wir mit dem Zeughaus? Und zweitens, was machen wir mit dem Stadtmuseum?«, sagt Thorsten Burgmer. Gemeinsam mit seiner Kollegin Lisanne Kröll und Studierenden der Architekturfakultät der TH Köln hat er ein Projekt entwickelt, in dem beide Institutionen wieder zusammenkommen könnten: Burgmer ist Professor für Entwerfen und energetische Konzepte – Bauen im Bestand gehört zu seinen Kernaufgaben. Und so hat er in drei zusammenhängenden Modulen das Zeughaus-Areal und die Anforderungen an ein zeitgemäßes Museum erst analysiert und skizziert und dann einen Entwurf entwickelt.
Einige der Ergebnisse sind ab 21. März nun im Zeughaus selbst zu sehen. Burgmer möchte sie ausdrücklich als einen Beitrag zur Diskussion verstanden wissen. Aus einer Hochschule heraus könnten – anders als von städtischen Akteuren oder einem Planungsbüro – unbefangene Antworten entstehen. Und so zeigen die unterschiedlichen Entwürfe eine Vielfalt der Möglichkeiten auf, mit dem Zeughaus-Areal umzugehen, wobei die Nutzung des historischen Gebäudes selbst, der angrenzenden Alten Wache von 1841 sowie eines zu planenden kleinen Baus auf dem derzeitigen Parkplatz vorgegeben waren. Ein besonderer Fokus lag darauf, das Zeughauses an die Stadt stärker anzubinden. Derzeit liegt es wie auf einer Insel, umgeben von Autoverkehr. Weder vom Bahnhof und dem Dom-Umfeld, noch von den Einkaufsstraßen Schildergasse und Breite Straße ist es angenehm zu erreichen – ganz zu schweigen vom Weg durch die U-Bahn-Station Appellhofplatz. Eigentlich führt einer der dortigen Ausgänge genau vor das Zeughaus, aber auch die Station ist eine der Dauerbaustellen Kölns und ein geradezu vorbildhafter Angstraum.
Aus der Vielzahl der Projekte und der darin vorgeschlagenen Lösungen für den Verkehr und die Anbindung, könne gut auf Vor- und Nachteile der jeweiligen Modelle geschlossen werden, meint Burgmer. Ausgewählt für die Ausstellung wurden deshalb möglichst unterschiedliche Entwürfe – und genau als solche möchte Burgmer sie verstanden wissen –, damit sich auch die Öffentlichkeit ein Bild davon machen kann, welche Möglichkeiten, aber auch welche Herausforderungen sich aus einer Wiedervereinigung von Zeughaus und Stadtmuseum ergäben.
Für die Aufgabenstellung aus dem Frühjahr 2025 hat die TH eng mit dem Direktor des Stadtmuseums, Matthias Hamann, und mit Kurator Sascha Pries zusammengearbeitet. »Wir machen hypothetische Projekte vor realen Hintergründen«, erklärt Thorsten Burgmer, »es ist für die Studierenden wichtig, sich mit den echten Anforderungen der echten Welt zu beschäftigen und auch mal mit echten Nutzer*innen zu sprechen«. Die Zusammenarbeit sei aber kein Hinweis auf konkrete Pläne, dass das Stadtmuseum tatsächlich in das Zeughaus zurückkehrt. Äußern möchte man sich von dort aus zur Zukunft des Museums momentan nicht. Und auch von der Stadt Köln gibt es auf Anfrage keine Stellungnahme dazu.
Wäre das Zeughaus ein guter Ort für das Stadtmuseum?
Entstanden war das städtische Waffenarsenal angelehnt an die niederländische Renaissance Anfang des 17. Jahrhunderts. Vom langgestreckten Backsteinbau sind heute allerdings nur noch die Außenmauern übrig, nur sie hatten die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg überstanden. Danach wurde das Gebäude für das Stadtmuseum ausgebaut, 1958 zog es ein. Die inzwischen abmontierten Fensterläden kamen gar erst Mitte der 1980er Jahren an die Fassade, als das Stadtmuseum im Zeughaus nach einer Renovierung wiedereröffnet wurde. Immer wieder gab es in der Folge Diskussionen um die Präsentation der Sammlung, die in den 1980er Jahren innovativ war, aber nur punktuell modernisiert wurde. Auch mussten größere Sonderausstellungen immer wieder außerhalb der eigenen Räume stattfinden – aus Platzmangel. 2008 wollte ein Ehepaar aus Liebe zur Stadt einen Anbau spendieren – die Pläne waren schon fertig. Nach langen, heftigen Diskussionen und mindestens zum Teil berechtigten Bedenken wurde die Schenkung zurückgezogen.
Und auch jetzt muss die Frage wieder lauten: Wäre das Zeughaus ein guter Ort für das Stadtmuseum? Es hat eine umfangreiche Sammlung, die viele Ansätze für Sonderausstellungen bietet. Es muss eine breite Öffentlichkeit ansprechen und gut für diese erreichbar sein. Und es soll eine mindestens so zeitgemäße Ausstellung bekommen, wie sie jetzt im Interimsquartier zu finden ist. Ein Neubau im direkten Dom-Umfeld wäre sicher die schickere Lösung, doch es ist vollkommen unklar, ob und wann dort mögliche Planungen weitergehen. Und wie sagt man so schön: Der Spatz in der Hand ist besser als die (goldene) Taube auf dem Dach. Wenn man eine Planung für das Stadtmuseum im Zeughaus anginge, so meint Thorsten Burgmer, müsse man sich zunächst Gedanken machen, wozu dieses alte Gebäude überhaupt in der Lage sei. Dann, was die Anforderungen eines modernen Stadtmuseums seien. »Wir könnten nicht einfach nur ein Wunschkonzert abfackeln, sondern müssten uns auch mit den Rahmenbedingungen begnügen und möglicherweise Kompromisse eingehen«, erklärt er. »Wenn Sie nur genug Geld in die Hand nehmen, können Sie aus allem alles machen«. Die Frage sei: Ist es uns das wert?






