Zwei Pionierinnen des Tanzes: Germaine Acogny tanzt Josephine Baker. Das leidenschaftliche Solo der afrikanischen Choreografin ist Teil des Doppelabends »AS WE ARE« bei der Ruhrtriennale.
Sie war ein Star der Goldenen Zwanziger, brachte mit einem extrovertierten Tanzstil, mit Ironie und Grimassen und einer außergewöhnlichen Präsenz neue Tanzstile in die europäischen Häuser: die legendäre Josephine Baker, 1906 in St. Louis, Missouri geboren, als Tochter einer Waschfrau und eines Schlagzeugers wuchs sie in ärmlichen Verhältnissen auf. 1917 erlebte sie die Rassenunruhen in St. Louis, später wurde sie zur Aktivistin und kämpfte engagiert gegen den Rassismus. In Paris fühlte sie sich befreiter. »Josephine war viel weißer als ich und wurde trotzdem Opfer von Rassismus«, sagt Germaine Acogny in einem Interview. Auch sie ist eine Pionierin – als Grande Dame und Mutter des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes wird sie betitelt. Die 82-jährige Germaine Acogny hat einen Soloabend zu Josephine Baker entwickelt, es ist eine Hommage an die gebürtige Amerikanerin, die sie selbst auf der Bühne tanzt. »Jetzt wird sie im Körper einer echten Schwarzen wieder aufleben! Nicht schlecht, oder?«, so Acogny.
Inspiriert von der Natur
Die senegalesisch-französische Tänzerin, Choreografin und Tanzlehrerin eröffnete 2004 zusammen mit ihrem Mann Helmut Vogt die Tanzschule »École des Sables«, im Fischerdorf Toubab Dialao im Senegal. Dort begegnen sich junge Tänzer*innen aus verschiedenen afrikanischen Regionen und Ländern, deren Ideen, Traditionen und Tanztechniken. In einem Freiluftstudio tanzen sie barfuß im Sand – Sand aus all den verschiedenen Herkunftsländern, auch, damit sie sich ihrer Wurzeln stets bewusst bleiben. Germaine Acogny bringt hier traditionelle westafrikanische Tänze und westliche Moderne zusammen, lehrt ein neues Bewusstsein für Bewegung nach der sogenannten Acogny-Technik. Da steht die Dynamik der Wirbelsäule im Zentrum und Bewegungen sind stets inspiriert von der Natur, von der Bewegung der Bäume zum Beispiel. Germaine Acogny wurde 1944 in Benin geboren, aufgewachsen ist sie im Einfluss der Yoruba-Tradition, ihre Großmutter war Priesterin. Heute zählt sie zusammen mit Koffi Kôkô und der im März verstorbenen Elsa Wolliaston zum Dreigestirn des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes.
»Wenn du tanzt, soll man nicht deinen Körper sehen – sondern deine Seele«, sagt Acogny im aktuellen Film »Die Essenz des Tanzes«, der ihre Arbeit dokumentiert. In »Joséphine« zeigt sie die Seele Bakers – als Symbol für die Freiheit Schwarzer Frauen, leidenschaftlich und energiegeladen. Ergänzt wird der Doppelabend »AS WE ARE« von einer choreografischen Antwort auf Acognys Kreation: Gregory Maqoma hat sich für »Bantu« von Acogny inspirieren lassen und bringt in seiner Aufführung die Tänzer*innen der »École des Sables« und des südafrikanischen Vuyani Dances Theatres zusammen. Ihr gemeinsames Thema: die Erinnerung und die Rückeroberung der Identität.
»AS WE ARE«
16., 18. UND 19. SEPTEMBER
GEBLÄSEHALLE, LANDSCHAFTSPARK DUISBURG-NORD



