Diesmal mit Ewa Bogusz-Moore, Intendantin der Kölner Philharmonie. Dort präsentiert sie vom 28. bis 31. Oktober erstmals das Tanz- und Musikfestival »In Motion«.
… ist, dass wir Bewegung jeden Tag brauchen, seit unserer Kindheit. Und dass in meinem Kopf Bewegung und Musik untrennbar miteinander verschmolzen sind.
Wenn ich im Konzert sitze, habe ich oft den Impuls, mich bewegen zu wollen. Dass wir im Publikumsraum traditionell stillsitzen und zuhören, ist fast ein bisschen gegen unsere Natur. Man merkt das zum Beispiel am Klatschen. Immer öfter bricht Applaus durch, wenn Menschen die Musik gefällt, auch wenn es nur die Pause zwischen zwei Sätzen ist. Ich finde, wenn wir etwas mögen, dürfen wir das auch körperlich zeigen.
Man sieht in Orchestern oft, wie sich die Musizierenden gemeinsam bewegen und zusammen atmen. Das hilft natürlich, um einen perfekten Klang zu erreichen. Jedes Konzert hat auch eine körperliche Seite, die das Publikum wahrnimmt. Ich merke eine wachsende Neugier gegenüber neuen Formen, in denen verschiedene Genres kombiniert werden. Mit dem Festival »In Motion« wollen wir gemeinsame Abenteuer schaffen und bauen darauf, dass das Publikum uns vertraut, dass es ein besonderer Moment wird.
Klar, wir haben auch die zwölf Cellisten der Berliner eingeladen, die unser Publikum gut kennt. In »Dancing around the planet« spielen sie zusammen mit einer Tänzerin und einem Tänzer ein Programm rund ums Thema Tanz. Aber wir zeigen auch »HipHop trifft Rameau«, eine Mischung aus urbanem Tanz und Barockmusik. Oder »Disco«, ein Abend, an dem das treppenhausorchester aus Hannover die Philharmonie zum Dancefloor machen wird. Und das Scottish Ensemble ist ein Streichorchester, das im Stehen und auswendig spielt. Die Musizierenden bewegen sich über die Bühne, wenn sie Schostakowitsch und Tschaikowsky spielen. Beim Festival »In Motion« ist es erlaubt, sich zu bewegen und vielleicht sogar manchmal buchstäblich zwischen den Reihen zu tanzen. Es geht um das Vergnügen, den Genuss, den Spaß, eine andere Perspektive zu entwickeln.
Die Kölner Philharmonie kennt ganz unterschiedliche Farben und Geschichten. Wir wollen völlig verschiedene Menschen ansprechen. Das ist unsere Mission. Natürlich soll das Festival auch Impulse geben, dass noch mehr Künstlerinnen und Künstler, Musikerinnen und Musiker mit Tanz und Bewegung experimentieren. Wir lieben es, unseren Horizont zu erweitern. Das Publikum verändert sich, die Menschen und die Gesellschaft verändern sich. Wir wollen in enger Verbindung mit diesen Entwicklungen sein.
Ich persönlich brauche übrigens ständig Bewegung. Ich bin sehr sportlich und gerade noch in Kopenhagen einen Halbmarathon gelaufen. Schwimmen zum Beispiel hat für mich viele Ähnlichkeiten mit dem Musizieren. Man kommt nur vorwärts, wenn man versteht, was im eigenen Körper passiert, wenn man bestimmte Algorithmen entwickelt. Ich mag diesen ganzheitlichen Ansatz, Kopf und Körper gehören einfach zusammen. Wenn wir uns mit Emotionen beschäftigen, geht es immer um den ganzen Menschen, um das Denken und die Bewegung.
Aufgezeichnet von Stefan Keim
NAME: EWA BOGUSZ-MOORE
ALTER: 51
BERUF: INTENDANTIN DER KÖLNER PHILHARMONIE
WOHNORT: KÖLN
Ewa Bogusz-Moore ist Cellistin und Kulturmanagerin. Sie war sieben Jahre lang General- und Programmdirektorin des Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks in Kattowitz und des Konzertsaales des NOSPR. Vor einem Jahr hat sie die Intendanz der Kölner Philharmonie übernommen. Dort präsentiert sie vom 28. bis 31. Oktober erstmals das Tanz- und Musikfestival »In Motion«.






