2026 befindet sich das Museum Ludwig in permanenter Feierlaune. Der Grund: Das Flaggschiff der Kölner Museumslandschaft wird 50. Eine Ausstellung der japanischen Starkünstlerin Yayoi Kusama ist das Highlight im Jubiläumsjahr.
Am Anfang stand eine Schenkung. Am 5. Februar 1976 nahm der Kölner Stadtrat offiziell eine Sammlung von Peter und Irene Ludwig an. Die faktische Geburtsstunde des Museum Ludwig reicht allerdings deutlich weiter zurück – bis zum 1861 eröffneten Wallraf-Richartz-Museum. Dessen Bestände des 20. Jahrhunderts bildeten zusammen mit der Schenkung der Ludwigs den Grundstock des nach ihnen benannten Museums. Die Errichtung eines repräsentativen Domizils hatten die Sammler*innen zur Bedingung ihrer generösen Donation gemacht. Seit 1986 residiert das Museum Ludwig zwischen Dom, Rhein und Hauptbahnhof in einem Gebäude der Architekten Peter Busmann und Godfried Haberer.
Die in mehreren Tranchen erfolgte Schenkung von Peter und Irene Ludwig ein Füllhorn zu nennen, ist eine glatte Untertreibung. Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Pop Art, Fotografie und nicht zuletzt die weltweit drittgrößte Picasso-Sammlung, all das macht das Haus zu einem Global Player des internationalen Kunstbetriebs. Als der noch überwiegend auf die westliche Hemisphäre konzentriert war, erweiterten die Ludwigs ihren Sammlerhorizont bereits in Richtung »Weltkunst«. »Schon früh, Anfang der 1990er Jahre, haben Peter und Irene Ludwig beispielsweise Kunst aus Kuba und China gekauft«, erläutert Yilmaz Dziewior, der das Museum seit 2015 leitet. »Peter Ludwig«, betont Dziewior, »wollte keine alles gleich machende Globalisierung, sondern die einzelnen Kulturen in ihrer Einzigartigkeit nebeneinanderstehen lassen.«
Begehbare Spielräume von Yayoi Kusama
Yilmaz Dziewior steht für die Öffnung des Museums – sowohl in geografischer als auch in mentaler Hinsicht. »Es interessiert mich, den kunsthistorischen Kanon zu hinterfragen und zu zeigen, dass es eine Moderne in verschiedenen Kontinenten gab und wie diese Kunst europäische Künstler*innen beeinflusst hat.«
Im Jubiläumsjahr kann das Museum Ludwig mit einer Retrospektive aufwarten, die garantiert ein großes Publikum anzieht. Vom 14. März bis 2. August 2026 zeigt das Haus als zweite Station eine Ausstellung mit Arbeiten von Yayoi Kusama. Die begehbaren Spiegelräume und Polka-Dots der japanischen Künstlerin sind auf Instagram genauso angesagt wie in Museen und Galerien. »Die 96-jährige«, weiß Yilmaz Dziewior, »arbeitet immer noch täglich an ihren Werken. Für Köln hat sie einen neuen ›Infinity Mirror Room‹ entwickelt, den wir in unserem größten Raum, dem DC-Saal, präsentieren werden.«
Ein zweites Highlight im Ausstellungskalender des Jahres 2026 dürfte die Schau »Along the Color Line. Perspektiven einer transatlantischen Moderne« ab 3. Oktober werden. »Unser Blick auf die Moderne orientiert sich immer noch an weißer, westeuropäischer und nordamerikanischer Kunst«, so Dziewior. »Wir fragen mit dieser Ausstellung, wie Künstler*innen aus der schwarzen Diaspora die Moderne aufgenommen und weiterentwickelt oder sich bewusst von ihr abgegrenzt haben.«
Abgerundet wird das Jubiläumsprogramm durch zwei Fotografie-Ausstellungen (»Zweimal Deutschland um 1980« und »Man Ray: Kiki«) sowie durch eine Intervention von Jana Euler. Im Rahmen der »Schultze Projects« gestaltet die Malerin die Stirnwand im Treppenaufgang. Bei einem Museumsfest am 13. September sind die Kölner*innen dann eingeladen, den Geburtstag mitzufeiern. Auf die 50!


