Das Kölner Sommerblut-Festival plädiert auch in seiner 25. Ausgabe für Solidarität, Inklusion und Lebensfreude.
Theater im Knast ist immer wieder ungewöhnlich. Das Publikum muss Schleusen passieren, den Ausweis vorlegen und das Handy abgeben. Das Betreten einer Justizvollzugsanstalt gibt nur einen winzigen Eindruck davon, wie es ist, hier eingesperrt zu sein. Denn natürlich dürfen die Besucher*innen nach der Vorstellung wieder raus. Das Kölner Sommerblut Kulturfestival arbeitet schon seit vielen Jahren mit der JVA Ossendorf zusammen. In »Schweigen – ein Chorstück« sind erstmals auch Inhaftierte aus dem Frauengefängnis in Willich dabei.
»Freies Theater trifft auf hierarchische Strukturen und viel Engagement von allen Seiten«: So bringt die Regisseurin Elisabeth Pleß die Zusammenarbeit auf den Punkt. 14 Frauen aus den beiden JVAs stehen gemeinsam auf der Bühne. »Es gibt selbstverfasste Texte, Töne, Klänge, Bewegung, Tanz, Stille, und ein gemeinsames Lauterwerden«, erzählt Elisabeth Pleß. Das Publikum sieht Frauen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, die aber auch selbst Gewalt erlebt haben. »Viele Frauen fühlen sich allein«, sagt die Regisseurin. »In ›Schweigen – ein Chorstück‹ geht es um Solidarität unter Frauen und Flintas, darum, die Macht über den eigenen Körper wiederzufinden. Wann müssen wir das Schweigen brechen und woher nehmen wir den Mut dazu?«
Busreise ins Braunkohlerevier
Die Aufführung steht exemplarisch für den Geist des Kölner Sommerblut-Festivals. »Solidarität« steht als Motto über der 25. Ausgabe. Ein weitgefasster Begriff, der immer neu gefüllt werden muss. Die Eröffnungspremiere ist eine Widerstandsrevue namens »Un/zerbrechlich«. Da stehen neben Theaterprofis Kriegsversehrte aus der Ukraine auf der Bühne, die in Deutschland auf Prothesen und Operationen warten. Es geht um ihren Überlebenswillen, ihre Widerstandskraft zwischen Diagnoseterminen und Behördengängen. Neben vielen Theater- und Tanzstücken, Performances und Audiowalks gibt es auch eine theatrale Busreise ins rheinische Braunkohlerevier mit Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen.
Eine Ausstellung reflektiert, was das Sommerblut-Festival in den 25 Jahren seines Bestehens geleistet hat. Pünktlich zum Jubiläum sind ihm allerdings – wie so vielen Festivals und Kultureinrichtungen derzeit – die Finanzen gekürzt worden. 50 Prozent der Förderungen sind weggebrochen, sagen die Festivalmacher*innen – ein heftiger Einschnitt. Da stellt sich die Frage, ob es Sommerblut im nächsten Jahr überhaupt noch geben wird. »Wir geben auf keinen Fall auf«, sagt Hannah-Lina Schneeberger von Sommerblut. »Wir stehen zu den Themen, die uns ausmachen. Wir machen inklusive Kultur, wollen Barrieren abbauen, wollen vielen Menschen ermöglichen, an Kultur teilzuhaben. Das scheint gerade kein beliebtes Thema zu sein.« In dem etwas bitter klingenden Satz steckt die Hoffnung, dass manche Förderer noch umdenken könnten. Das Festival, bei dem die Solidarität im Mittelpunkt steht, scheint selbst gerade viel Solidarität zu brauchen.
SOMMERBLUT KULTURFESTIVAL
13. BIS 31. MAI
AN VERSCHIEDENEN ORTEN IN KÖLN






