Vom 15. bis 19. Juli öffnet die Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) ihre Türen zum traditionellen Rundgang. Ausstellungen und Filme stehen ebenso auf dem Programm wie Lesungen, Konzerte und Performances.
Insgesamt 75 Kreative haben in diesem Jahr ihr Studium an der Kölner Hochschule mit einem Diplom abgeschlossen. Ein Großteil ihrer Abschlussarbeiten bildet das Rückgrat des kommenden Rundgangs. Er konzentriert sich auf das KHM-Gebäude am Filzengraben, bindet aber auch andere Schauplätze ein, darunter das neue Hauptquartier am Heumarkt, das Filmforum im Museum Ludwig sowie das Matjö – Raum für Kunst des BBK Köln. Insgesamt lassen sich beim Rundgang mehr als 100 Werke entdecken. Darüber hinaus ermöglichen Ateliers, Labore und Seminare Einblicke in künstlerische Arbeitsprozesse.
Johannes Hoffmann, dessen Diplomarbeit »Clothesline Socks« Teil des Ausstellungsparcours ist, unternimmt mit seiner Soundinstallation eine Gratwanderung zwischen Banalem und Unheimlichem. 48 weiße Socken, bestückt mit versteckten Lautsprechern, flüstern eine kryptische Botschaft, die in Echtzeit von einem KI-Sprachmodell generiert und am Ende jedes Durchlaufs vom System bewertet wird – eine absurde, maschinelle Trainingsschleife zwischen Aufmunterung und Kritik.
Besessen vom Goldfisch
Künstliche Intelligenz spielt auch eine Rolle in der Video-Installation, mit der Jiha Jeon sein KHM-Diplom erlangte. Der Hybridfilm schildert einen fiktiven Züchter, der vom ultimativen Goldfisch besessen ist. KI-generierte Fische kombiniert der Südkoreaner mit Live-Aufnahmen aus realen Aquarien. Dass analoge Rauminszenierungen jedoch längst nicht ausgedient haben, demonstriert Ella Kühn mit ihrer ebenfalls diplomierten Installation »Die Berg- und Talfahrt«. Hier verschmelzen Malerei, Fundobjekte und Fotografie zu einer Rheinfahrt, in der sich Materialität, Zeit und Erinnerung räumlich verdichten.
Traditionell liegt ein weiterer kuratorischer Schwerpunkt der KHM auf dem Bewegtbild. Das beim Rundgang präsentierte Filmprogramm, zu sehen in der Aula der Kunsthochschule sowie im Filmforum des Museum Ludwig, umfasst in diesem Jahr 42 Diplom- und Projektfilme. Ein dokumentarisches Highlight ist Danila Lipatovs Diplomfilm »Elbows in Shatters«, der 2025 bei der Duisburger Filmwoche seine Premiere feierte. Mit der Kamera folgt Lipatov der Migrationsroute seiner Verwandten von Tadschikistan über Russland nach Deutschland.
Einen harten erzählerischen Schnitt ins ländliche Milieu wagt Justine Bauer mit ihrem abendfüllenden Spielfilm »Milch ins Feuer«. Der von Pedro Carnicer bildstark fotografierte Film porträtiert drei Generationen von Bäuerinnen unter einem Dach. Zu den Protagonistinnen gehören Anna (sie ist schwanger und denkt über Kastrationen nach) und Katinka (sie kann vielleicht keine Bäuerin werden und trägt ihren Bikini im Melkstand).
Zwei Filme, die im Mai bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen Weltpremiere feierten, kann man nun im Zuge des KHM-Rundgangs erneut erleben. In »Garden of Edie« zeichnet die Kölner Essayfilmerin Miri Klischat das Porträt einer Künstlerin und Sexarbeiterin, die den Traum vom Schreiben verwirklicht und sich von den düsteren, streng katholischen Stimmen ihrer Vergangenheit befreit. Derweil lässt Maximilian Karakatsani in seinem Spielfilm »Beneath the Night« gesellschaftlich Sichtbares und Verborgenes kunstvoll verschwimmen. Beispielsweise dann, wenn ein U-Bahn-Fahrer mit bunten Haaren plötzlich als Posterboy auf Werbeplakaten auftaucht.
RUNDGANG 2026, KUNSTHOCHSCHULE FÜR MEDIEN KÖLN (KHM)
15. BIS 19. JULI






