Brunhilde Moll Stiftung: Mit der neuen Doppelausstellung »Wer könnte der Sonne widersprechen?« loten Evelyn Möcking und Daniel Nehring die Schnittmengen von wissenschaftlicher Methode und ästhetischer Praxis aus.
Wo einst Joseph Beuys wirkte, widmet sich die Brunhilde Moll Stiftung heute einem ungewöhnlichen Spagat: der Förderung von Kunst und Hirnforschung. Mit der neuen Doppelausstellung »Wer könnte der Sonne widersprechen?« loten Evelyn Möcking und Daniel Nehring die Schnittmengen von wissenschaftlicher Methode und ästhetischer Praxis aus.
Das Haus am Düsseldorfer Drakeplatz 4 ist ein erstrangiges Resonanzquartier der jüngeren Kunstgeschichte. Denn wer hier ausstellt, betritt historischen Boden. Schließlich befand sich in den Räumen im Stadtteil Oberkassel einst das Atelier- und Wohnhaus des Jahrhundertkünstlers Joseph Beuys. Seit dem Sommer 2024 residiert in dem Anwesen die gemeinnützige Brunhilde Moll Stiftung. Neben der Förderung von zeitgenössischer Kunst durch wechselnde Präsentationen und ein Stipendienprogramm hat sich die Institution noch einem weiteren Gebiet verschrieben, das auf den ersten Blick kaum Berührungspunkte zur Gegenwartskunst aufweist: Gemeint sind die Neurowissenschaften. Konkret unterstützt die Stiftung ein Forschungsprojekt des Universitätsklinikums Düsseldorf, das den Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Optimierung der sogenannten Hirnschrittmachertherapie untersucht.
Material und Modell
Kunst und Wissenschaft unter einem Dach – diese programmatische Zweigleisigkeit der Stiftung findet in der aktuellen Ausstellung »Wer könnte der Sonne widersprechen?« eine Entsprechung. Es handelt sich bereits um die vierte Schau, die am Drakeplatz gezeigt wird. Zuvor waren in den Räumlichkeiten unter anderem figurative Bilder der Malerin Vera Laros (der Tochter der Stifterin) sowie die Papierfaltungen des Kölner Bildhauers Simon Schubert zu sehen. Nun wollen die Düsseldorfer Künstler*innen Evelyn Möcking und Daniel Nehring die Räume in einen interdisziplinären Denkraum verwandeln.
Beide Positionen eint eine forschende Haltung, auch wenn ihre formalen Ergebnisse denkbar unterschiedlich ausfallen. Anstatt sich auf formale Ähnlichkeiten zu berufen, begreift das Duo die Ausstellung als experimentelles System zwischen Material, Modell, Wahrnehmung und Erkenntnis.
Evelyn Möcking (Jahrgang 1984), die an der HfbK Hamburg Bildende Künste studiert hat und zudem zeitweise als Assistentin in der zoologischen Präparation am Naturhistorischen Museum Mainz tätig war, überführt naturwissenschaftliches Rüstzeug in Serien. Ihre Installationen speisen sich aus einem ungewöhnlichen Materialfundus: Steinpapier, tierische und pflanzliche Präparate, ein organisches Farbarchiv sowie historische Chemieapparaturen treffen auf modernes Plexiglas. Gezeigt werden rund 15 Arbeiten, darunter »Templates« (Schablonen), Zeichnungen sowie Glasskulpturen, die sich im Raum zu einem Dialog aus Farbe und Struktur verdichten.
Das Schaffen von Daniel Nehring (ebenfalls Jahrgang 1984), Absolvent der Kunstakademie Düsseldorf und dort Meisterschüler bei Franka Hörnschemeyer, ist gekennzeichnet durch einen digitalen Zugang. Seine künstlerische Praxis will im Spannungsfeld von Körper und Modell, Realität und Simulation verortet werden. Im Zentrum seines Ausstellungsbeitrag steht der Zeichenprozess selbst, der einer klinisch anmutenden Versuchsanordnung unterzogen wird: Die Entstehung seiner Arbeiten begleitet er phasenweise mit EEG-Messungen und ergänzt diese durch MRT-Aufnahmen, bevor die Daten digital aufbereitet werden. Das Resultat sind rund 20 Zeichnungen sowie skulpturale und digitale Objekte, die sich zu einer raumgreifenden Installation zusammenfügen.
»WER KÖNNTE DER SONNE WIDERSPRECHEN?
EVELYN MÖCKING UND DANIEL NEHRING«
BRUNHILDE MOLL STIFTUNG, DÜSSELDORF
BIS 17. MAI



