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Auf dem Weg der Wörter

Das, was sehenswert ist, versteckt sich für Reisende hinter den Lärmschutzwänden der Autobahnen. Wie ein Versprechen weisen braune Schilder auf Altstädte und Barockschlösser hin, deren man ansichtig werden könnte, führe man denn nur an der nächsten Abfahrt ab. Wolfram Eilenberger hat bei seiner Ankunft im Ruhrgebiet »Deutschlands denkwürdigstes Straßenschild« entdeckt. »Metropole Ruhr« steht dort selbstbewusst, ergänzt durch den Dreiklang »Industrie – Kultur – Landschaft«. Donnerwetter – ein Schild, das auf etwas hinweist, was es in dieser Form so nicht gibt! Oder noch nicht gibt. Sogar Google Maps hilft da nur beschränkt weiter, landet aber immerhin in der Essener Innenstadt und findet mehrere Institutionen mit diesem Namen und eine Ferienwohnung am Ottenkämperweg. Ankunft in einer imaginären Stadt! Ein perfekter Start für den Schriftsteller und Philosophen Wolfram Eilenberger, der 2020 als »Metropolenschreiber« im Auftrag der Brost Stiftung ein Jahr lang im Ruhrgebiet lebte und arbeitete. Als Ergebnis dessen ist nun ist der angenehm schmale Band »Das Ruhrgebiet – Versuch einer Liebeserklärung« erschienen. Vorneweg – der Versuch ist gelungen, gerade weil es keine verklärende Liebesklärung geworden ist. Das lesenswerte Buch ähnelt mit seinen kurzen Kapiteln einem Gespräch mit Eilenberger – die textliche Verfertigung von Gedankengängen und Beobachtungen, ironisch pointiert mit hübsch steilen Thesen,…