Das FFT Düsseldorf und das tanzhaus nrw eröffnen die Spielzeit zusammen mit dem Festival »Shift the Vibe«. Vom 10. bis 13. September gibt es Performances, Workshops und Gespräche.
Unsicherheit. Das ist in diesen Zeiten und auch und vor allem für die Künstler*innen und Häuser in der Freien Szene ein allzu bekanntes Gefühl. Also setzen das Forum Freies Theater (FFT) und das tanzhaus nrw in Düsseldorf ein Zeichen: Sie eröffnen die neue Spielzeit gemeinsam mit einem Festival. Es ist außerdem die achte Ausgabe der Programmreihe »Claiming Common Spaces« des Bündnisses Internationaler Produktionshäuser, das Ende 2025 das Förder-Aus durch den Bund bekannt geben musste. Es wird nun die achte und vermutlich letzte Festivalausgabe sein, die das Bündnis gemeinsam ausrichtet. Kunstförderung in Zeiten der Austeritätspolitik ist entsprechend Thema der Podiumsdiskussion »Zwischen Vielfalt, künstlerischer Freiheit und gesellschaftlicher Relevanz« am 12. September.
»Dass wir gemeinsam ›Claiming Common Spaces VIII‹ veranstalten können, baut auf einer langen Kooperation im Rahmen des Bündnis Internationaler Produktionshäuser auf. Wir haben schon einige Projekte zusammen verwirklicht, aber noch keine Spielzeiteröffnung. Diesen gemeinsamen Akzent finden wir wichtig«, sagt Stefan Schwarz, stellvertretender Intendant am tanzhaus nrw und Abteilungsleitung Bühne/Künstlerisches Programm. Das Festival findet jährlich in einem der Bündnis-Häuser statt, dazu gehören neben dem FFT und dem tanzhaus nrw in Düsseldorf außerdem PACT Zollverein in Essen, das HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Hellerau in Dresden und der Frankfurter Mousonturm.

Die diesjährige Ausgabe »Shift the Vibe« versteht sich als ein Angebot, »sich mit einer Welt im Umbruch auseinanderzusetzen und dabei auch Trauer und Verletzlichkeit zuzulassen«. Die Künstlerische Leiterin des FFT, Kathrin Tiedemann, beschreibt es so: »›Shift the Vibe‹ lädt dazu ein, sich von den unsicheren Aussichten angesichts von Kriegen und Krisen nicht völlig erdrücken zu lassen. Stattdessen ermutigen wir dazu, die eigenen Handlungsspielräume zu erkennen und zu nutzen. Das funktioniert am Besten gemeinsam.« Eingeladen hätten sie viele Künstler*innen, die aus Situationen kommen, in denen sie schon seit längerem auf unsichere Lebenslagen Antworten finden mussten. An den vier Festivaltagen soll es nun um einen Austausch gehen.
Neben Gesprächen, Workshops und anderen Begegnungsformaten gibt es auch ein reichhaltiges Bühnenprogramm, zum Beispiel mit dem Performance-Kollektiv Showcase Beat Le Mot und ihrer Neu-Interpretation der verschollenen futuristischen Oper »Sieg über die Sonne« (10. und 12. September). Die junge griechische Choreografin Chara Kotsali und zwei weitere Tänzerinnen arbeiten sich in »It’s the End of the Amusement Phase« in einem Tanzmarathon zwischen Macarena und Parade, Aerobic und Cheerleading an der Spaßgesellschaft des Spätkapitalismus ab (12. und 13. September). Und Claire Cunningham, die als Choreografin und Performerin auf Krücken ihre ganz eigene Bewegungssprache entwickelte, lädt am 13. September zur Lecture Performance »4 Legs good Remix« ein. Mit Ostdeutschland und Osteuropa in den 1990er Jahren setzen sich zwei Soli auseinander: Der Theater- und Videokünstler Karol Filo blickt auf Tschechien und die Slowakei, auf rechtsextreme Skinheads und antifaschistische Gegengewalt (»Non-Violent Bodies«). Mike Dele Dittrich Frydetzki trifft in seiner queeren Selbstinszenierung »East German Fragilities – Lust auf Gewalt« auf Maik, einen weißen Jungen in Ostdeutschland (beide 12. September). Künstlerisch produktiv auf die lokalen und globalen Krisen zu antworten, und damit handlungsfähig zu bleiben – auch dazu will dieses Festival ermutigen.
»SHIFT THE VIBE«
10. BIS 13. SEPTEMBER





