Rudi Esch eröffnet mit Jäki »Eldorado« Hildisch ein Punkmuseum in Düsseldorf. Was wird dort gezeigt?
kultur.west: Rudi Esch, Sie organisieren internationale Musik-Konferenzen über Punk, Wave und Electro, waren Bassist der Industrial-Band Die Krupps, schreiben Bücher – und eröffnen am 22. Oktober nun auch noch ein Punkmuseum. Das erste in Deutschland. Wie schaffen Sie das?
RUDI ESCH: Man muss immer am Ball bleiben. Das meine ich nicht unbedingt bezüglich des Ehrgeizes, sondern in Sachen Beharrlichkeit. Man muss Ideen, die man lange genug mit sich herumträgt, umsetzen, wenn der richtige Moment kommt. So wie jetzt das Punkmuseum.
kultur.west: Das eröffnen Sie mit Ihrem Freund Jäki »Eldorado« Hildisch, der als erster Punk Deutschlands gilt und Tourmanager von Nina Hagen, den Einstürzenden Neubauten, Die Ärzte, den Toten Hosen, Morrissey und Robbie Williams war bzw. ist. Wie kamen Ihnen beiden die Idee dazu?
ESCH: Während der Corona-Pandemie haben Jäki und ich zum ersten Mal darüber nachgedacht. Wir hatten 2021 in Düsseldorf eine Conference, bei der er dabei war. Da ging es um Fehlfarben, DAF, Punk, den Ratinger Hof und da haben wir die alten Räumlichkeiten von Galerist Hans Mayer ein bisschen dem Hof angeglichen. Sprich: Wir haben die Bühne nachgebaut. Neonröhren installiert. Eine Fotoausstellung konzipiert. Den Original-Flipper von damals reingestellt. Da haben wir gemerkt: Das Interesse an so einer Conference ist dreimal größer, sobald man ein deutsches und dazu lokal behaftetes Thema macht. Etwas völlig anderes als englische Gespräche über die englische oder amerikanische Szene über mehrere Stunden. Außerdem hatte ich davor schon, als der Hof ja noch leer gestanden hatte, mal spontan gesagt: »Lass ein Punkmuseum daraus machen!« Das war zwar scherzhaft gemeint, denn der Ratinger Hof bietet sich nicht wirklich als Museum an. Er ist ja auch nicht umsonst wieder ein Konzerthaus. Aber der Satz war in der Welt und ich merkte: Es gibt eine Reaktion. Ich habe jedenfalls mit Jäki gesprochen und wir haben uns gesagt: Wenn wir das jetzt wirklich größer denken, dann müssen wir ein festes Punkmuseum machen. Mit wechselnden Ausstellungen neben einer, die dauerhaft ist und die Szene vor Ort zeigt. Seit Ende 2025 sind wir nun dran.
kultur.west: Und plötzlich wird – dem Namen der ersten Ausstellung im Museum entsprechend – Unmögliches möglich?
ESCH: Genau. »Punk50: Demand the Impossible«. Ein sehr schöner Name, oder? Er geht zurück auf das 1976, also vor 50 Jahren, erschienene erste Album der Ramones, das den Punk einläutete. Und auf ein Shirt von der für den Punk so wichtigen Designerin Vivienne Westwood, auf dem stand: »Be reasonable, demand the impossible.« Das fand Jäki irgendwie cool. Und er kuratiert diese erste Ausstellung des Punkmuseums. Es ist eine Ausstellung über die Entstehung des Punk hierzulande und anderswo, die danach theoretisch auch mal nach Hamburg oder Berlin gehen könnte, wo er ja eigentlich aktiv war und ist. Das Punkmuseum würde dann eine andere Ausstellung bekommen. Etwa eine zu den Ramones, wie sie fürs nächst Jahr – begleitend zur Conference mit diesem Thema – gedacht ist. Eine 3-D-Installation plus dazugehörigem Modell des Ratinger Hofs im Maßstab eins zu zwölf sowie ein Raum über den Punk in Düsseldorf sind hingegen feste Bestandteile unseres Museums, das nun erstmal bis zum 31.12. 2027 im Theatermuseum beheimatet sein wird. Es ist eine Chance. Für mich. Für uns. Für die Stadt.
kultur.west: Sie jedenfalls haben bislang noch alle Chancen genutzt: Als Autor, als Kurator und Organisator der in Musikkreisen viel beachteten »Electri-City Conference« über besondere Musikthemen von Kraftwerk über Can bis hin zum Punk. Und jetzt mit dem Museum. Glück? Können? ESCH: Ich habe von Beginn an schon ganz schön Glück gehabt. Sehen Sie: Allein in dem Moment etwa, in dem ich an dem »Electri-City«-Buch über Kraftwerk und die hiesige Electroszene arbeitete, mit dem 2014 alles losging, gingen Kraftwerk nach Jahren der Abstinenz wieder auf die Bühne, spielten im Museum Of Modern Art und in der Kunstsammlung Düsseldorf – und waren vom Handelsblatt bis zum Express plötzlich auf allen Titelseiten. Und natürlich hilft mir das große Netzwerk an Künstlerinnen und Künstlern, das ich mittlerweile habe.
kultur.west: Würden Sie denn sagen, dass dieses Museum nur ein weiteres Ihrer Projekte ist – oder ist es der Höhepunkt Ihrer Umtriebigkeit?
ESCH: Es ist vor allem gute Teamarbeit. Das hat ja Rudi Esch nicht alleine gemacht. Jäki Eldorado, ist der Kurator. Sascha Förster ist der Hausherr des Theatermuseums, der uns willkommen geheißen hat und dank dem das Museum erst möglich wird. Die Bilker Firma Neonreal hat die Installation des Hofes gestaltet. Und durch all das gehen auf einmal neue Türen für mich auf. Ich bin jedenfalls happy und habe die Zeit meines Lebens. Wobei ich mich jetzt noch nicht als Punkmuseumsdirektor oder baldigen Ruheständler ansehe. Ich bin gerade erst mal 60 geworden, da habe noch ein paar Ideen.
kultur.west: Warum muss das Punkmuseum eigentlich zwingend in Düsseldorf stehen?
ESCH: Wenn es um dieses Thema geht, Punk in Deutschland, dann kann man es ja nur zwischen Düsseldorf, Hamburg oder Berlin austragen. Und wir waren einfach frech genug, das direkt für uns zu reklamieren. Wir haben sehr viele Argumente, warum ein deutsches Punkmuseum hier sein muss: Mittagspause, DAF, Fehlfarben, Male. Später die Hosen und alles, was mit und nach ihnen kam. Klar: Auch andere Städte hätten vielleicht einen guten Grund. Aber die anderen waren nicht so schnell wie wir. Nichtsdestotrotz möchten wir auch Hamburg und Berlin zeigen – denn Punk fand und findet ja auch dort statt. Wir wollen kein Ratinger-Hof-Beweihräucherungsverein werden.

Die Ausstellung »Punk50: Demand The Impossible« zeichnet die historischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen nach, die Mitte der 1970er Jahre zur Punk-Explosion führten. Im Vergleich der internationalen Szenen – in Großbritannien oder den USA – wird sichtbar, aus welchen Einflüssen sich die DNA des Punk zusammensetzt. Punk wird dabei nicht allein als musikalisches Phänomen verstanden. Die Ausstellung zeigt ein dichtes Netzwerk aus Künstler*innen, Musiker*innen, Fans, Veranstalter*innen, Designer*innen, Aktivist*innen und Szene-Orten, deren Zusammenspiel eine diese prägende Jugend- und Kulturbewegungen des 20. Jahrhunderts hervorbrachte und innerhalb derer Düsseldorf eine besondere Stellung einnimmt als Stadt, in der sich Punk, Kunst und elektronische Musik gegenseitig beeinflussten. Präsentiert werden Fotos, Fanzines, Tonaufnahmen, Plakate, Instrumente, Kleidung und eine Virtual-Reality-Installation des Ratinger Hofes als Konzertstätte.
22. OKTOBER: ERÖFFNUNG IM DÜSSELDORFER THEATERMUSEUM
23. UND 24. OKTOBER: ELECTRI-CITY-CONFERENCE IN DÜSSELDORF





