Vor 50 Jahren wurde sie gegründet, um einen einfachen Zugang zur Kultur zu schaffen: Die Kulturstiftung der Sparkasse Köln. Sie hat sich seither stark gewandelt und neue Bereiche erschlossen. Dabei ist die Stiftung weit mehr als ihr publikumswirksames Aushängeschild – die Photographische Sammlung.
»Das sind aber schöne Häuser, das kann man nicht anders sagen«, meint die Besucherin über die klaustrophobisch wirkenden Einfamilienhäuser, die Gregor Schneider in den neu errichteten Dörfern im Rheinischen Braunkohlerevier fotografiert hat. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen in einer vielfältigen Gesellschaft – und genau diese möchte die Ausstellung »Lebensräume« in der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur abbilden. »Zeitgenössische Perspektiven aus NRW« ist sie überschrieben und zeigt neben arrivierten Fotograf*innen wie Boris Becker oder Claudia Fährenkemper auch junge Positionen.
So werden die Besuchenden empfangen von den Freunden und Bekannten von Alexander Lackmann. Alle sind gleich und unvoreingenommen dargestellt – erscheinen aber erstaunlich unterschiedlich. »So spürt man gleich, dass man dazu gehört, wenn man in die Ausstellung kommt«, sagt die Kuratorin Claudia Schubert. Als eine von 14 Positionen hat sie auch die in Izmir geborene Emine Ercihan in die Schau gebracht, die in den 1960er und 1970er Jahren aus dem Ausland angeworbene Arbeitskräfte in ihren Wohnungen porträtiert hat. Oder Kathrin Esser, die im Hürtgenwald in der Eifel auf eine Spurensuche nach Relikten der schweren Kämpfe im Zweiten Weltkrieg gegangen ist.
Die idyllische Stimmung ihrer Bilder steht in Kontrast zu den Motiven: Bunker, Schützengräben oder Kreuze.
Frank Dömer hingegen lässt die Betrachter*innen auf Spurensuche gehen. Seine unscheinbaren Ansichten aus der Umgebung des Kölner Mediaparks lenken den Blick auf das, was man sonst nie genauer betrachtet: Ein Fahrradständer, das Kioskschild oder die Straßenlaterne. Und sie schaffen eine Verbindung zum Ort der Ausstellung in Gebäude 7 im Mediapark, wo die Photographische Sammlung und die gesamte SK Stiftung Kultur seit 1996 sitzen. Dabei ist die Photographische Sammlung der letzte Teil, der 1992 zur Stiftung hinzugekommen ist: Grundsteine bildeten der damals erworbene Nachlass von August Sander, der drohte in die USA abzuwandern, und die zur gleichen Zeit erworbene Sammlung der Deutschen Gesellschaft für Photographie.
Damals hieß die SK Stiftung Kultur noch »Stiftung City-Treff«. Unter diesem Namen war sie anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Stadtsparkasse Köln 1976 gegründet worden. City-Treff, der Name passt, denn genau das wollte man sein: Ein Ort mitten in der Stadt, der für alle offen war. Am damaligen Standort der Sparkassen-Hauptfiliale am Rudolfplatz konnte man Zeitung lesen oder Schach spielen, Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen führen oder an einem der zahlreichen Programmpunkte teilnehmen: Konzerte, Gesprächsrunden, Filmabende, Seniorentheater, Sprachkurse oder Stadtrallyes für Kinder. Ohne Eintritt und Hürden sollte hier Kultur vermittelt werden.
Besonders fortschrittlich war dabei das Video-Studio, in dem jeder und jede selbst und ganz demokratisch »Fernsehen« machen konnte. Was es im City-Treff auch schon gab: regelmäßige Gesprächsrunden auf Kölsch. Sie bekamen 1983 ihre eigene Institution: Die »Akademie för uns kölsche Sproch«. Der Dialekt wurde in der Nachkriegszeit immer mehr verdrängt, viele Menschen aus anderen Regionen kamen in die Stadt, in den Schulen wurde vermehrt Hochdeutsch gesprochen, und überhaupt galt Mundart als Zeichen geringer Bildung.
Die »Akademie för uns kölsche Sproch« stellte sich dagegen, mit Literaturabenden und der wissenschaftlichen Erforschung des Rheinischen, vor allem aber mit den Sprachkursen, in denen Kölsch wie eine Fremdsprache unterrichtet wird und die bis heute überaus erfolgreich laufen. Das Publikum sei sehr unterschiedlich, berichtet Ralf Convents von der SK Stiftung Kultur, ob Kölner*innen, die ihre Kenntnisse erweitern oder »Immis«, die sie neu erwerben möchten. »Es ist jetzt schon öfter vorgekommen, dass diejenigen, die das beste Kölsch-Examen abgelegen, nicht mal Deutsch als Muttersprache hatten«, erzählt Ralf Convents.
Und häufig sei der Wunsch, Texte der kölschen Musik verstehen zu wollen, ein besonderer Anreiz, die Kurse zu besuchen. Zwischen 1988 und 1994 hätte man mit den erworbenen Sprachkenntnissen auch das Kölsch-Telefon verstehen können: Unter der Nummer 11510 konnten die Anrufer*innen wochenweise wechselnd Literatur auf Hochdeutsch und kölsche Tön hören.

1985 kam eine völlig andere Kunstform zur Stiftung City-Treff: der Tanz! Das Deutsche Tanzarchiv, eine in Köln ansässige Privatsammlung, stand zum Verkauf. Gemeinsam mit der Stadt ergriff man die Chance, sie für Köln zu sichern, sie aber auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In einer riesigen Bibliothek kann wissenschaftlich oder privat recherchiert werden, und die Bestände der Sammlung sind regelmäßig in Ausstellungen zu sehen. Ab 17. Mai widmet sich eine Schau dem 2021 verstorbenen Tänzer und Choreografen Raimund Hoghe. Ihm gelang es, trotz einer körperlichen Behinderung und ohne tänzerische Ausbildung in der Tanzwelt Fuß zu fassen und mit seiner Bühnenpräsenz das Publikum zu verzaubern.
Das Deutsche Tanzarchiv ist auch einer der Hauptakteure beim Sommer Köln, den die SK Stiftung Kultur seit 1992 gemeinsam mit der Stadt Köln immer in den Sommerferien organisiert. In diesem Jahr steht unter anderem eine Veranstaltung auf dem Programm, bei der viele Tanzgruppen auftreten, das Publikum mitmachen soll und bei der auch Inklusion Thema ist. Die Events der SK Stiftung Kultur beim Sommer Köln finden im Mediapark statt, wo die Stiftung seit 1996 sitzt.
Zuvor schon hatte sie sich aus einigen Bereichen zurückgezogen, die auch andere Institutionen abdeckten – Malkurse oder Fremdsprachen etwa. Das Kulturverständnis wurde differenzierter, die Veranstaltungsreihen stringenter. Mit dem Umzug in den Mediapark verabschiedete man sich auch von dem alten Namen – der City-Treff wurde zur SK Stiftung Kultur. Von den großen Depots im Keller und ausreichend eigener Ausstellungsfläche, die hier zur Verfügung stehen, profitieren insbesondere das Deutsche Tanzarchiv und die Photographische Sammlung. Deren Bestand umfasst mittlerweile über 30.000 Werke.
Allein das August Sander Archiv besteht aus 10.500 Negativen und 5.500 Originalabzügen. Hinzu kommen wesentliche Werkgruppen aus dem Schaffen des Künstlerpaars Bernd und Hilla Becher. Besonders August Sander werde vom Publikum auch immer wieder nachgefragt, erzählt Kuratorin Claudia Schubert. Im September ist es endlich wieder so weit: Zum 150. Geburtstag von August Sander werden rund 350 seiner Werke gezeigt, die dazu einladen, den bedeutenden Fotografen und Lokalhelden neu zu entdecken.
Stadtansichten aus Köln, Karneval, Porträts befreundeter Künstler*innen, aber auch private Familienbilder sowie seltene Aufnahmen aus seinem ersten Atelier in Linz. Natürlich sind auch Auszüge aus Sanders berühmtestem Werk »Menschen des 20. Jahrhunderts« zu sehen. Für Fotografie-Freund*innen ist diese Ausstellung sicher schon Fest genug. Doch wird es zum 50-jährigen Jubiläum der SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn noch mehr Grund zur Freude geben: am 2. Oktober wird große gefeiert. Was uns genau erwartet? Das soll noch eine Überraschung bleiben.
»LEBENSRÄUME – ZEITGENÖSSISCHE PERSPEKTIVEN AUS NRW«
BIS 12. JULI 2026
»INSCRIT – SCHREIBEN MIT DEM KÖRPER.
EINE AUSSTELLUNG FÜR RAIMUND HOGHE«
BIS 28. FEBRUAR 2027
»AUGUST SANDER – ZUM 150. GEBURTSTAG«
11. SEPTEMBER BIS 24. JANUAR 2027
SK STIFTUNG KULTUR, KÖLN






